Positionen-Magazin
Pro & Con­tra

Ver­bes­sern per­sön­li­che Daten aus Fit­ness-Tra­ckern den Ver­si­che­rungs­schutz?

Digitale Armbänder zeichnen viele Daten auf. Nun locken erste Versicherer: Gib uns diese Daten – wenn du gesund lebst, wirst du belohnt durch niedrigere Prämien oder besseren Schutz. Weicht, was dem Einzelnen nützt, womöglich das Solidarprinzip auf?



Mit Generali Vitality bieten wir ein Produkt für unsere Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen an, das den Kunden motiviert, gesünder zu leben, und das den heutigen Bedürfnissen und Gewohnheiten entspricht. Neben der Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen, dem Einkauf gesunder Lebensmittel und sportlichen Aktivitäten ist die Nutzung von Fitness-Trackern eine von vielen Möglichkeiten für den Kunden, sich selbst zu motivieren. Die eigene Fitness und Gesundheit durch Self-Tracking zu verbessern ist beliebter denn je. 2014 wurden weltweit über 70 Millionen Fitnessbänder verkauft, in Deutschland haben schon jetzt 41 Prozent der Bevölkerung eine Fitnessbeziehungsweise Gesundheits-App auf ihrem Smartphone. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom verwenden
derzeit 31 Prozent der Bundesbürger Fitness-Tracker. Kunden erwarten, durch bewusstes und aktives Senken ihres Schadensrisikos ihre Versicherungsprämie beeinflussen zu können. Hier sprechen die Zahlen für sich: Jeder dritte Deutsche würde seine Gesundheits- und Fitnessdaten an eine Versicherung weiterleiten, wenn er dafür Vorteile erhielte. Fitness-Tracker sind eine Möglichkeit, Aktivitäten aufzuzeichnen und nach eigenem Ermessen weiterzuleiten. Die Integration von Fitness-Trackern entspricht damit, neben Fitness-Apps, dem digitalen Lebensstil vieler Kunden. Sie haben damit die Möglichkeit, sich einen besseren Versicherungsschutz zu schaffen, da das Produkt viel näher an ihrer persönlichen Lebensrealität ist. Wir sind überzeugt, dass die Integration von Fitness-Trackern und weiteren Mobil Solutions die Zukunft der Assekuranz darstellen wird. Damit erhält der Kunde ein Schutzpaket, bei dem ihm der Versicherer nicht nur im Schadensfall beisteht, sondern Begleiter im Alltag wird, um Gesundheitsrisiken aktiv zu senken.

Seine Fitness in der digitalen Welt zu messen hat alles, was ein Lust- und Spaßthema benötigt: „einen egozentrischen Blick auf die eigene Person, ständig Neuigkeiten zum Lesen oder Erzählen und Belohnung durch Punkte oder sogar monetäre Anreize“, heißt es in einer You-Gov-Studie. „Deswegen besteht ein zunehmendes Potenzial im Markt, das auch von Krankenkassen und -versicherern nicht missachtet werden darf“, so die Marktforscher. Stimmt, aber es stellt sich die Frage: Passt das zusammen? Sind große Kollektive und der egozentrische Blick auf die eigene Person, sich mit anderen zu messen und sich dadurch aber auch abzugrenzen, miteinander vereinbar?
Das Geschäftsmodell der Privaten Krankenversicherung ist, wie auch das der Lebensversicherung, auf Langfristigkeit angelegt. Trends spielen allenfalls im Marketing eine Rolle, aber sie sollten nicht in der Kalkulation und der Tarifgestaltung zu Veränderungen führen. Insbesondere dann nicht, wenn die Versicherung – wie die private Krankenvollversicherung – Teil unseres Sozialsystems ist. Dennoch: Die Ansprüche unserer Kunden wandeln sich. Digitale Angebote werden angenommen, etwa Apps, mit denen Kunden ihre Arztrechnungen online an den Versicherer übermitteln. Aber das heißt nicht, dass wir Tarife mithilfe von Fitness-Trackern neu kalkulieren. Mehr Daten helfen uns an anderer Stelle: Kunden erwarten, dass ihre Versicherung neue Datenquellen nutzt, um etwa Krankheiten besser vorzubeugen oder optimale Therapien im Krankheitsfall zu finden. Zudem müssen wir telemedizinische Konzepte fördern, um älteren Versicherten und Menschen in strukturschwachen Gegenden den Zugang zur notwendigen Behandlung zu ermöglichen. Dabei hilft Digitalisierung wirklich.

Fotos: PR

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