Anstoß für mehr Finanzkompetenz Link kopieren
Ein gutes Finanzwissen zählt zu den Kernkompetenzen. Denn egal ob Rente, Mietvertrag, Kredite, Versicherungen, Anlageprodukte oder Altersvorsorge – im Laufe seines Lebens muss jeder Mensch unzählige wirtschaftliche und finanzielle Ein breites Finanzwissen ist längst keine Nice-to-have mehr, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wer fundierte Entscheidungen über Rente, Mietvertrag, Kredite, Versicherungen, Geldanlage oder Altersvorsorge treffen muss, benötigt dafür nicht nur Informationen, sondern auch das Wissen, sie einordnen zu können. In einer alternden Gesellschaft, in der mehr Eigenverantwortung bei Vorsorge, Vermögensaufbau und Absicherung erwartet wird, trägt Finanzwissen damit zu mehr Teilhabe und Selbstbestimmung bei.
Trotz alledem fristet ökonomisches Wissen in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Dabei sollte Finanzbildung als Bürgerinnen- und Bürgerbildung gelten und als ersten Schritt einen festen Platz im Schulalltag erhalten. Nur wenige Bundesländer haben bislang Wirtschaft & Finanzbildung als eigenes Unterrichtsfach etabliert. Hinzu kommt, dass es oft an ausreichend qualifizierten Lehrkräften und verbindlichen Konzepten fehlt.
Die Folge ist eine zunehmende Diskrepanz: Einerseits steigen die Anzahl und Komplexität finanzieller Entscheidungen, andererseits bleibt die Vorbereitung darauf lückenhaft. Wer Finanzwissen nicht vermittelt, überlässt viele Menschen dem Zufall, dem familiären Hintergrund oder zweifelhaften Quellen im Netz. Ökonomische Bildung ist deshalb nicht nur eine Frage individueller Kompetenz, sondern auch eine bildungs- und verbraucherpolitische Aufgabe.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) attestiert Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ hohe Finanzkompetenz, das Niveau könnte allerdings noch deutlich erhöht werden. In einem Test nach der OECD/INFE-Methodik (OECD, 2024) zur Messung des Finanzwissens, des Finanzverhaltens und der Einstellungen von Erwachsenen zum Thema Finanzen erreichten die OECD-Länder durchschnittlich 63 von 100 Punkten, während Deutschland auf 76 von 100 Punkte kam. Die Durchschnittswerte kaschieren jedoch, wie ungleich Finanzwissen in der Bevölkerung verteilt ist. Besonders Menschen mit geringem Bildungs- und Einkommensniveau verfügen oft über eine geringere Finanzkompetenz. Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich der Erhebung zufolge Unterschiede: Frauen schätzen ihr Finanzwissen im Schnitt niedriger ein und fühlen sich in Finanzfragen häufig weniger sicher als Männer.