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© gettyimages / DaniloAndjus

Dossier: Finanzielle Bildung

Wie teuer ist ein Kredit? Wie funktioniert die Altersvorsorge? Und welche Versicherungen sind wichtig? Fragen wie diese bestimmen das ganze Leben. Doch nicht alle Menschen fühlen sich in Finanzangelegenheiten sicher. Ein breites gesellschaftliches Bündnis setzt sich dafür ein, die finanzielle Bildung zu stärken. Die Versicherer unterstützen diese Initiative.

04.05.2026
Wissen schützt

Anstoß für mehr Finanzkompetenz Link kopieren

Ein gutes Finanzwissen zählt zu den Kernkompetenzen. Denn egal ob Rente, Mietvertrag, Kredite, Versicherungen, Anlageprodukte oder Altersvorsorge –  im Laufe seines Lebens muss jeder Mensch unzählige wirtschaftliche und finanzielle Ein breites Finanzwissen ist längst keine Nice-to-have mehr, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wer fundierte Entscheidungen über Rente, Mietvertrag, Kredite, Versicherungen, Geldanlage oder Altersvorsorge treffen muss, benötigt dafür nicht nur Informationen, sondern auch das Wissen, sie einordnen zu können. In einer alternden Gesellschaft, in der mehr Eigenverantwortung bei Vorsorge, Vermögensaufbau und Absicherung erwartet wird, trägt Finanzwissen damit zu mehr Teilhabe und Selbstbestimmung bei. 

Trotz alledem fristet ökonomisches Wissen in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Dabei sollte Finanzbildung als Bürgerinnen- und Bürgerbildung gelten und als ersten Schritt einen festen Platz im Schulalltag erhalten. Nur wenige Bundesländer haben bislang Wirtschaft & Finanzbildung als eigenes Unterrichtsfach etabliert. Hinzu kommt, dass es oft an ausreichend qualifizierten Lehrkräften und verbindlichen Konzepten fehlt. 

Die Folge ist eine zunehmende Diskrepanz: Einerseits steigen die Anzahl und Komplexität finanzieller Entscheidungen, andererseits bleibt die Vorbereitung darauf lückenhaft. Wer Finanzwissen nicht vermittelt, überlässt viele Menschen dem Zufall, dem familiären Hintergrund oder zweifelhaften Quellen im Netz. Ökonomische Bildung ist deshalb nicht nur eine Frage individueller Kompetenz, sondern auch eine bildungs- und verbraucherpolitische Aufgabe.

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) attestiert Deutschland im internationalen Vergleich eine relativ hohe Finanzkompetenz, das Niveau könnte allerdings noch deutlich erhöht werden. In einem Test nach der OECD/INFE-Methodik (OECD, 2024) zur Messung des Finanzwissens, des Finanzverhaltens und der Einstellungen von Erwachsenen zum Thema Finanzen erreichten die OECD-Länder durchschnittlich 63 von 100 Punkten, während Deutschland auf 76 von 100 Punkte kam. Die Durchschnittswerte kaschieren jedoch, wie ungleich Finanzwissen in der Bevölkerung verteilt ist. Besonders Menschen mit geringem Bildungs- und Einkommensniveau verfügen oft über eine geringere Finanzkompetenz. Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich der Erhebung zufolge Unterschiede: Frauen schätzen ihr Finanzwissen im Schnitt niedriger ein und fühlen sich in Finanzfragen häufig weniger sicher als Männer.

Finanzbildung stärken

Finanzbildung steigt politisch auf Link kopieren

Der bislang wichtigste Meilenstein ist der Aufbauprozess für eine nationale Finanzbildungsstrategie. Die Debatte hat 2024 einen institutionellen Schub bekommen. Ausgangspunkt war zunächst eine OECD-Bestandsaufnahme zur Finanzbildung in Deutschland; darauf folgte im September 2024 ein OECD-Vorschlag für eine nationale Finanzbildungsstrategie, den das damalige Bundesministerium für Finanzen (BMF) sowie das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam entgegennahmen. Zu den Vorschlägen der OECD zählen zum Beispiel die Einrichtung einer nationalen, zentralen Koordinationsstelle oder Informationskampagnen, wie sie beispielsweise auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit seiner Altersvorsorge-Initiative „Lebenslang gut leben“ durchführt. 

Ein ähnliches Ziel verfolgt die Bundesregierung mit der Plattform Mit Geld & Verstand, die ein Baustein ihrer Finanzbildungsstrategie ist. Dort können Interessierte zahlreiche Angebote zu Finanzthemen finden. Der Bund kündigte im Herbst 2024 an, aus diesen Empfehlungen eine Finanzbildungsstrategie zu entwickeln, die dauerhaft in einer zentralen Organisation koordiniert und umgesetzt werden soll. Seit dem Ende der Ampelkoalition am 6. November 2024 ist allerdings offen, wie die aktuelle Bundesregierung die Strategie weiterführen wird.

Politisch deutet alles auf eine stärkere Koordinierung auf Bundesebene hin. Die Linie lautet: Finanzbildung soll weg von einzelnen Projekten und Initiativen, hin zu einer strategisch abgestimmten, langfristigen Struktur. Zugleich ist das Feld heikel, weil Bildungspolitik in Deutschland stark föderal organisiert ist. Genau deshalb dürfte eine Bundesstrategie politisch vor allem dann tragfähig werden, wenn sie koordiniert, fördert und Standards setzt, ohne beispielsweise den Ländern ein einheitliches Schulfach direkt vorzuschreiben.

Das Kalkül der Politik ist aber noch ein anderes: So kann eine höhere Finanzkompetenz auch dazu führen, dass sich die Menschen stärker am Kapitalmarkt engagieren und beispielsweise mehr in Aktien investieren, sei es direkt oder indirekt. So stünde den hiesigen Unternehmen mehr Kapital für Investitionen und ihr Wachstum zur Verfügung – was sich letztlich positiv auf den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt auswirken kann. Und wenn mehr Menschen die Chancen des Kapitalmarkts für sich nutzen, beugen sie damit auch der Altersarmut vor. Das nutzt dem Staat am Ende auch, weil er weniger Sozialausgaben hat.

Wie sich die Branche engagiert

Versicherer unterstützen Stärkung der Finanzbildung Link kopieren

Finanzbildung beginnt lange vor der Auswahl eines einzelnen Produkts. Sie umfasst grundlegende Fragen: Wie lassen sich finanzielle Risiken einschätzen? Warum ist Vorsorge wichtig? Welche Absicherung ist existenziell, welche optional? Und was bedeutet es, Entscheidungen nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach langfristigen Auswirkungen zu treffen? Der GDV verknüpft das Thema deshalb eng mit Verantwortung, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Versicherer sehen ihre Kundinnen und Kunden als mündige Bürgerinnen und Bürger, die ihre Entscheidungen selbstbestimmt und in eigener Verantwortung treffen. Das heißt konkret: Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen nicht in Richtung bestimmter Abschlüsse gedrängt werden. Finanzielle Bildung soll sie vielmehr befähigen, den eigenen Bedarf realistischer zu einzuschätzen. Gerade in einem Umfeld, in dem Altersvorsorge, Absicherung und Vermögensaufbau komplexer geworden sind, versteht die Versicherungsbranche Finanzkompetenz als Grundlage dafür, dass Menschen nicht nur informiert, sondern auch handlungsfähig sind.

Versicherer auch Partner für Risikomanagement und Orientierung

Versicherer beschäftigen sich professionell damit, Risiken zu analysieren, zu bewerten und abzusichern. Diese Risikoexpertise prägt auch den Zugang zur Finanzbildung. Wer Risiken besser versteht, kann tragfähigere Entscheidungen treffen – sei es bei der privaten Vorsorge oder bei der Absicherung gegen Einkommensausfälle. Auf diese Weise lässt sich auch Prävention gezielt stärken: Fehlentscheidungen können eher vermieden und Versorgungslücken frühzeitig erkannt werden. Versicherer sind insofern nicht nur Anbieter von Schutz, sondern auch Partner für Risikomanagement und Orientierung.

Vor diesem Hintergrund hält die Branche ein qualifizierteres finanzwirtschaftliches Basiswissen für dringend geboten. Bereits in seinem 2017 verabschiedeten  hat sich der GDV für eine höhere Priorisierung von Wirtschafts- und Finanzthemen in den Schulen ausgesprochen. Die Schlüsselqualifikationen müssen noch intensiver vermittelt und die Menschen dazu befähigt werden, Bedarfe eigenständig und frühzeitig zu erkennen. Denn Eigeninitiative setzt das Wissen über die Notwendigkeit voraus, wie auch GDV-Präsident Dr. Norbert Rollinger betont: 

Die Versicherungswirtschaft begrüßt, dass einige Bundesländer die finanzielle Verbraucherbildung in den Lehrplänen bereits stärker berücksichtigen. Wünschenswert wäre, wenn weitere Bundesländer diesem Beispiel folgen würden. Denn die Schule ist der entscheidende Touchpoint: Sie steht für Qualität, Neutralität und Relevanz. Und sie setzt zum richtigen Zeitpunkt an: vor dem Start ins Berufsleben, der idealerweise auch den Start in die Altersvorsorge markieren sollte und ab dem auch Fragen zur Absicherung verschiedener Lebensrisiken relevant werden.

Die Unterstützung der Finanzbildung bleibt nicht auf Bekenntnisse beschränkt. Die Versicherer begreifen die Stärkung der finanziellen Bildung in Deutschland auch als Bestandteil ihrer eigenen Verantwortung gegenüber den Verbraucherinnen und Verbrauchern und der Gesellschaft. Dazu gehört auch das Engagement des GDV im Bündnis für Ökonomische Bildung (BöB), mit dem die Branche an einem breiteren gesellschaftlichen Netzwerk mitwirkt. Zudem unterstützt der Verband Finanzbildungsinitiativen mit einem eigenen Preis. So wurde etwa die Bildungsinitiative Funny Money mit einem GDV-Finanzbildungspreis ausgezeichnet. In der Begründung wurde zugleich betont, dass bisher nur wenige Bundesländer ein eigenes Fach Wirtschaft im Unterricht verankert haben – und dass ergänzende Initiativen deshalb besonders wichtig seien. Darüber hinaus erstellen einige Versicherer selbst Bildungsangebote, mit denen sie Schulen und Lehrkräfte unterstützen.

Eigenes Schulfach gefordert

Wachsendes Interesse führt nicht automatisch zu besserer Vorsorge Link kopieren

Das Wissen vieler Menschen in Deutschland über Wirtschaft und Finanzen ist nach wie vor lückenhaft. Zugleich zeigt sich aber: Das Interesse an dem Thema nimmt wieder zu. Laut einer aktuellen Umfrage des Bankenverbandes aus dem Jahr 2026 zeigen sich 46 Prozent der Bevölkerung sehr oder eher interessiert an Finanz- und Wirtschaftsthemen, nachdem es in der vorherigen Erhebung im Jahr 2024 lediglich 34 Prozent waren. Besonders bemerkenswert: Auch unter den 18- bis 29-Jährigen ist das Interesse hoch – mit 50 Prozent liegt es sogar über dem Durchschnitt.

Doch wachsendes Interesse führt noch nicht automatisch zu besserer finanzieller Vorsorge. Gerade das Thema Altersvorsorge bleibt für viele eine Hürde. Nach Angaben des Bankenverbandes haben sich nur 39 Prozent der noch berufstätigen Befragten bereits ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge beschäftigt. Gegenüber 2024 entspricht das lediglich einem geringfügigen Anstieg, nachdem das Interesse in den Jahren zuvor spürbar zurückgegangen war. Die Kluft zwischen wachsender Aufmerksamkeit und konkretem Handeln bleibt damit bestehen – mit Folgen für die Altersvorsorge, die Absicherung existenzieller Risiken und den langfristigen Vermögensaufbau.

Das belegt auch eine Erhebung des Bundesarbeitsministeriums, die im vierten Quartal 2023 durchgeführt und mit Stand Januar 2025 ausgewertet wurde. Danach treffen nur 62 Prozent der befragten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung Vorsorge – sei es über eine betriebliche Altersversorgung oder einen Riester-Vertrag. Mit anderen Worten: Obwohl den meisten bewusst sein dürfte, dass die gesetzliche Rente allein den Lebensstandard im Alter kaum sichern kann, verfügt nahezu zwei Fünftel der Beschäftigten über keine zusätzliche Absicherung.

Bei der Absicherung existenzieller Risiken gibt es ebenfalls Versäumnisse. Laut der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023 des Statistischen Bundesamts verfügen rund 90 Prozent der Haushalte über eine private Haftpflichtversicherung. Umgekehrt heißt das aber auch: rund jeder zehnte Haushalt ist selbst bei diesem grundlegenden Schutz nicht abgesichert.

Die fehlende Bereitschaft, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, führt dann eben auch zu Vorsorgelücken: So haben laut einer Auswertung des Bundesarbeitsministeriums von 2019 – jüngere Zahlen gibt es nicht – rund 35 Prozent der Beschäftigten weder eine betriebliche noch eine private Altersvorsorge. Obwohl den allermeisten inzwischen klar sein dürfte, dass mit der gesetzlichen Rente allein der Lebensstandard im Alter kaum zu halten ist. Auch bei der Absicherung existenzieller Risiken gibt es bedenkliche Versäumnisse. So gilt eine private Haftpflichtversicherung gemeinhin als ein Muss, dennoch besaß 2019 nach Daten des Statistischen Bundesamtes knapp jeder fünfte Haushalt (17,2 Prozent) keine solche Police. Und wie auch bei der Altersvorsorge gilt: Je niedriger der Bildungsstand, desto geringer die Verbreitung der Produkte.

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Forderung nach Schulfach „Wirtschaft und Finanzen” in allen Bundesländern

Inzwischen ist auch eine Mehrheit derjenigen, die Wissen vermitteln, dafür, dass Finanzthemen in der Schule eine größere Rolle spielen sollten. In einer aktuellen Befragung des Bankenverbandes von Anfang 2026 sprachen sich 78 Prozent der Lehrkräfte an Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland für ein Schulfach „Wirtschaft und Finanzen” in allen Bundesländern aus. 

Die Schule wird als Vermittler von Finanzwissen auch deshalb immer wichtiger, weil durch das veränderte Mediennutzungsverhalten viele klassische Informationskanäle an Reichweite und Prägekraft verlieren. Vielmehr informieren sich gerade junge Zielgruppen heute zunehmend über soziale Medien – und stoßen dort auch auf zahlreiche Inhalte rund um Geld, Vorsorge und Geldanlage. Das ist einerseits eine Chance, weil die Beschäftigung mit Finanzthemen oft schon früh beginnt. Andererseits ist die Qualität dieser Inhalte sehr unterschiedlich: Neben hilfreichen Angeboten kursieren auf digitalen Plattformen auch ungeprüfte, verkürzte oder unseriöse Informationen.

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