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Dossier Energiewende

Dossier: Energiewende

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Versicherer tragen die Ausfallrisiken vieler technischer Anlagen zur Stromerzeugung wie zum Beispiel von Windenergieanlagen.

14.03.2024
Politische Perspektive

Beschleunigter Ausbau von erneuerbaren Energien notwendig Link kopieren

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Das gibt das Bundesklimaschutzgesetz vor, das der Deutsche Bundestag im Juni 2021 verabschiedet hat. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die gesamte Wirtschaft auf eine fossilfreie Energieerzeugung umgestellt werden. Beim Strom sind die erneuerbaren Energien inzwischen zum wichtigsten Energieträger geworden: Der Anteil erneuerbarer Energie an der Gesamtstromerzeugung ist im Jahr 2025 auf 58,6 Prozent gestiegen. Beim gesamten Primärenergieverbrauch dominieren jedoch weiterhin fossile Energieträger, die in den kommenden Jahrzehnten durch Effizienz und erneuerbare Energien ersetzt werden sollen.

Voraussetzung für den Ausstieg aus den fossilen Energien ist ein Umbau von Abläufen in zentralen Bereichen des Stromsystems. So müssen die Planungs- und Genehmigungsverfahren für Erneuerbare-Energien-, Strom- und Wasserstoffnetze konsequent vereinfacht und beschleunigt werden. Zentrale Herausforderungen bleiben dabei der schleppende Ausbau der Offshore-Windkraft, die zu langsame Netzanpassung und der wachsende Bedarf an Flexibilität im Stromsystem.

Für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien stehen 2026 wichtige Weichenstellungen an. Bis Ende 2026 muss die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformieren, da die beihilferechtliche Genehmigung der EU für die aktuell geltende Fassung ausläuft. Diese Reform wird maßgeblich über den weiteren Ausbaupfad der erneuerbaren Energien entscheiden. Ergänzend soll ein Kraftwerkssicherheitsgesetz den Bau und Betrieb neuer, wasserstofffähiger Kraftwerke absichern, die die schwankende Einspeisung aus Wind und Sonne ausgleichen sollen. Und die Zeit drängt: Um das Klimaschutzziel bis 2030 noch zu erreichen, sind ab 2026 jährliche Emissionsrückgänge von mehr als sieben Prozent erforderlich.

Branchen-Perspektive

Beitrag der Versicherer zur Energiewende Link kopieren

Die Energiewende hat das Geschäft der technischen Versicherer verändert: Rund ein Sechstel ihrer Prämien erzielen sie heute mit erneuerbaren Energien – Tendenz steigend. Für Versicherer wird das Geschäft mit den erneuerbaren Energien immer wichtiger. Seit über zwei Jahrzehnten decken sie Risiken, dass Solarpanels abbrennen, Windräder umstürzen oder Tanks von Biogasanlagen auslaufen. Gleichzeitig sind Versicherer als Investoren aktiv und haben bereits mehr als 1.600 Projekte aus dem Bereich der Wind- oder Solarenergie realisiert. Mit Kapitalanlagen von rund 1,9 Billionen Euro gehören sie zu den größten Investoren in Deutschland – in erneuerbare Energien fließt davon bislang allerdings nur rund ein Prozent, etwa 23 Milliarden Euro (Zahlen Stand 2025). Der GDV fordert deshalb bessere Investitionsbedingungen, um privates Kapital gezielt für die Energiewende zu mobilisieren.

Den Startschuss zur Energiewende hat im Jahr 2000 die rot-grüne Bundesregierung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gegeben. Seitdem fördert der Staat die Produktion von Strom aus regenerativen Quellen wie Sonne, Wind und Biomasse. Damit veränderte sich nicht nur die Energieerzeugung von Grund auf. Es entstand auch ein gänzlich neuer Markt für die technischen Versicherungen, die Sachschäden insbesondere technischer Art wie zum Beispiel an Großkraftwerken oder Fotovoltaikanlagen absichern. Auf einmal hatten es die Versicherer nicht mehr nur mit zentralen Großkraftwerken zu tun, sondern zusätzlich mit Millionen kleinerer Anlagen, bis hin zu Solarpaneelen auf Einfamilienhäusern. Die installierte Fotovoltaikleistung ist inzwischen auf rund 117 Gigawatt gestiegen (Stand 2025) und soll bis 2030 auf 215 Gigawatt anwachsen. Und der deutsche Fotovoltaikmarkt ist zurzeit noch nicht gesättigt. Für erhöhte Nachfrage sorgt auch das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das Bauherren vorschreibt, bei Neubauten mindestens eine erneuerbare Energie zu nutzen, zum Beispiel in Form einer Solardachanlage.

Bei der Windkraft hat der Ausbau zuletzt wieder deutlich angezogen: 2025 wurden an Land rund 4,6 Gigawatt neu installiert – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Dennoch bleibt der Ausbau hinter den Zielen zurück, gebremst vor allem durch klagende Anwohner/-innen, langwierige Genehmigungsverfahren und den Flächenmangel für neue Windparks. Um dem entgegenzuwirken, verpflichtet das Windflächenbedarfsgesetz die Bundesländer, zwei Prozent ihrer Fläche für Windenergie auszuweisen. Ob Windenergie damit für Investoren dauerhaft interessanter wird und sich neue Geschäftsmöglichkeiten für Versicherer ergeben, bleibt abzuwarten.

Wasserstoff gilt hingegen als Hoffnungsträger für die Energiewende, weil er als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energiequellen dienen kann. Auch Batteriespeicher gewinnen rasant an Bedeutung. Und bei der Elektromobilität wächst die Nachfrage, etwa bei der Versicherung von Ladestationen. 

Verbraucher-Perspektive

Was die Menschen in Deutschland zur Energiewende beitragen Link kopieren

Durch die steigenden Energie- und Strompreise werden die Menschen in Deutschland finanziell stark belastet. In allen Bereichen des Energieverbrauchs, von Wärme über Strom bis hin zum Verkehr, lässt sich Energie sparen. Die größten Potenziale liegen im Gebäudebereich, denn rund 40 Prozent der Endenergie wird in Gebäuden verbraucht, überwiegend für Heizung und Warmwasser. Etwa 24 Millionen Wohneinheiten gelten als sanierungsbedürftig. Zur Sanierung von Altbauten können über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Fördergelder beantragt werden, um so den Energieverbrauch zu reduzieren.

Jede Verbraucherin und jeder Verbraucher kann den eigenen Energiebedarf reduzieren. Zu Hause sind vor allem große Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik die größten Stromfresser. Ihr Anteil am durchschnittlichen Gesamtstromverbrauch von Haushalten ist mit 28 Prozent am größten. So kann sich der Austausch einer alten Waschmaschine gegen ein modernes Gerät lohnen. Bei Fernsehern bestimmt die Größe den Stromverbrauch, und vor allem alte Geräte verbrauchen sehr viel Strom.

Auch durch die Änderung des eigenen Verhaltens lässt sich Energie einsparen, beispielsweise durch richtiges Heizen und Lüften oder Fahrrad- statt Autofahren auf kurzen Strecken. Der Energiebedarf sollte darüber hinaus so weit wie möglich aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden.

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