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Dossier: Branche & Konjunktur

Dossier: Branche, Konjunktur & Märkte

Die Transition zu einer klimaneutralen Wirtschaft hat begonnen, aber sind wir schnell genug? Welche Folgen hat dies für Konjunktur, Unternehmen und Märkte? Wohin entwickeln sich Finanzmarkt, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft?

13.09.2022
Aktuelles Geschehen

Gasknappheit belastet Industrie und Verbraucher Link kopieren

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat bereits unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor den gravierenden wirtschaftlichen Folgen gewarnt. Anhaltend hohe Preise für Energie und Rohstoffe sowie der Ausfall von Nahrungsmittel- und Düngemittelexporten aus der Ukraine und Russland seien wahrscheinliche Folgen – mittlerweile sind sie eingetreten. 

Der Sachverständigenrat hatte in seiner Prognose vom März noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent für 2022 und 3,6 Prozent für das Jahr 2023 angenommen. Damit bliebe das Wachstum hinter dem Anstieg der Verbraucherpreise zurück. Allerdings standen diese Prognosen unter dem Vorbehalt, dass die Gasversorgung aus Russland nicht eingeschränkt würde.

Politische Perspektive

Energiesicherheit auf der Agenda Link kopieren

Die Sicherstellung der Energie- und insbesondere der Gasversorgung bestimmt die kurzfristige Agenda der Wirtschaftspolitik. Die Bundesregierung hat zahlreiche Liefervereinbarungen mit Gasexportländern geschlossen und Mittel bereit gestellt, um die Gasspeicher vor dem Winter ausreichend zu füllen. Gleichzeitig soll die alternative Energieerzeugung in Deutschland forciert werden, um von Importen unabhängiger zu werden und die mittelfristigen Klimaziele zu erreichen. Besonders wichtig ist dies für das produzierende Gewerbe – insbesondere die Chemiebranche, die Autobranche und andere energieintensive Branchen. 

Private Haushalte bekommen die Gasknappheit und gestiegenen Preise auf dem Markt stark zu spüren – während Unternehmen höhere Kosten durch höhere Preise zumindest teilweise kompensieren können, haben Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auf den Preis ihrer Arbeitskraft auf dem Markt wenig Einfluss. Mittelfristig dürften die Tariflöhne zwar auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten reagieren. Es ist aber fraglich, ob die Lohnsteigerungen den Anstieg der Verbraucherpreise kompensieren werden.

Branchen-Perspektive

Pessimistischer Konjunkturausblick der Versicherer Link kopieren

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat im zweiten Quartal zu einem deutlichen Stimmungseinbruch in der Versicherungswirtschaft geführt. Im Ifo-Konjunkturtest sank der Geschäftsklimaindex um 6,5 auf 4,4 Punkte. Der Wert gibt den Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen an und liegt nun wieder unter dem langjährigen Durchschnitt von 14. Gleiches gilt für den Teil-Index zur Geschäftserwartung, der sogar um 9,6 auf 11,2 Punkte abgesackt ist.

Die aktuelle Konjunkturumfrage fand im April und Mai statt – es war der erste Stimmungstest nach Ausbruch des Krieges. Mit ihm hat die Sorge unter den Versicherern wieder zugenommen, dass sich die schon vorher bestehenden Engpässe in den Lieferketten nicht so schnell entzerren werden und Ungleichgewichte auf den Märkten bestehen bleiben. Zugleich dämpft die – auch infolge des Krieges – stark gestiegene Inflation die Stimmung in der Assekuranz.

Die deutschen Versicherer erwarten für 2023 ein deutlich verlangsamtes Beitragswachstum. Über alle Sparten hinweg erwartet der GDV für den Markt für Versicherungen ein nominales Plus von 1,9 Prozent. Bei einer Beruhigung der Preisentwicklung und einer Stabilisierung der Konjunktur könnte sich das Wachstum auf bis zu 3,4 Prozent erhöhen, so die Prognose.

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