Positionen-Magazin
Gene­ra­tion Mitte

Besorgte Leis­tungs­trä­ger

Obwohl ihre finanzielle Situation so gut ist wie nie, blicken die zwischen 30 und 59 Jahre alten Deutschen skeptisch in die Zukunft. Jeder Zweite glaubt, dass sich die Gesellschaft zum Schlechteren verändert – und das Geld knapp wird.

Der mittleren Generation in Deutschland geht es so gut wie noch nie. Das ist ein Ergebnis der Umfrage über die „Generation Mitte“, die das Meinungsforschungsinstitut Allensbach seit sieben Jahren exklusiv für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchführt. Die 30- bis 59-Jährigen machen sich große Sorgen um die Zukunft. Das ist die andere zentrale Erkenntnis derselben Studie. 

Die Ergebnisse lassen aufhorchen, denn sie verdeutlichen den Bruch, der sich durch die gesamte Gesellschaft zieht: das Erleben von Wohlstand und Zufriedenheit einerseits und die Sorge, dass die stabile wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Zukunft kippen könnte, andererseits. „Die mittlere Generation trägt im Wesentlichen die wirtschaftliche Leistung des Landes, finanziert die sozialen Sicherungssysteme, betreut und erzieht die nächste Generation“, erklärt Allensbach-Chefin Renate Köcher den Fokus auf gerade diese Altersgruppe (siehe Interview). „Sie hat damit in mehrfacher Hinsicht eine Schlüsselstellung.“

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Goldene Gegenwart

Das Hier und Jetzt könnte für die meisten kaum besser sein: 59 Prozent der Leistungsträger beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut, 44 Prozent geben an, dass es ihnen heute besser geht als vor fünf Jahren – das sind die höchsten Zufriedenheitswerte, die Allensbach seit der ersten Befragung 2013 gemessen hat. 

Auf der anderen Seite steht die zukünftige Entwicklung, und die bereitet dem Gros der 30- bis 50-Jährigen Sorgen. 51 Prozent sind der Ansicht, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahren zum Schlechteren verändert haben. Wachsende Anonymität insbesondere in Großstädten, zunehmende Aggressivität und Egoismus sind die am häufigsten genannten Punkte. 67 Prozent beklagen einen schwachen oder sehr schwachen Zusammenhalt in der Bevölkerung.

Zweifel an der Zukunft

Auch auf die wirtschaftliche Zukunft blicken viele Mitglieder der Generation Mitte mit Skepsis. Zwar geht eine Mehrheit davon aus, dass die derzeit gute persönliche Finanzsituation auch in den kommenden Jahren stabil bleiben wird. 41 Prozent erwarten allerdings, dass Deutschland an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren wird, nur 24 Prozent erwarten, dass das Land seine aktuell starke Position wird verteidigen können. 


Diese überwiegend negative Erwartung geht einher mit der Befürchtung, dass die eigene Altersvorsorge am Ende des Arbeitslebens nicht reichen könnte, den aktuellen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. 20 Prozent der mittleren Generation gehen davon aus, dass das Geld für den eigenen Unterhalt nicht reichen wird, weitere 50 Prozent erwarten, sich im Alter einschränken zu müssen (siehe Grafik). 

Als einen Hauptgrund für diese unbefriedigende Situation geben die Befragten an, nicht ausreichend privat vorgesorgt zu haben. Nur eine Minderheit plane die eigene Altersvorsorge langfristig und systematisch, so Köcher. Den Informationsstand über die finanzielle Situation im Alter zu verbessern, sei daher eine wichtige Aufgabe. Hier sieht Köcher nicht nur den Staat in der Pflicht, sondern auch die deutsche Versicherungswirtschaft. 

Text: Claus Gorgs

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