Positionen-Magazin
Regiot­rend: Ver­kehrs­si­cher­heit

Wo die Stra­ßen sicher sind

Auch dank der Corona-Beschränkungen verbessert sich die Verkehrssicherheit in Deutschland. Noch nie seit der Wiedervereinigung gab es weniger Tote und Verletzte im Straßenverkehr. Doch nicht alle Regionen profitieren gleichermaßen. Wir zeigen wo.

Weniger Reisen und weniger Pendler bedeuten weniger Verkehr. Und damit auch weniger Unfälle. Über ein Ausnahmejahr auf Deutschlands Straßen.

Nie war es sicherer, auf deutschen Straßen unterwegs zu sein – zumindest suggeriert das der Blick auf die Zahlen. Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis Juni 2020 so wenige Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet wie seit 30 Jahren nicht. Starben im ersten Halbjahr 2019 noch 1467 Menschen im Straßenverkehr, waren es 2020 im selben Zeitraum 1281.


Jörg Ortlepp
Leiter Verkehrsinfrastruktur
Unfallforschung der Versicherer

„Die Zahlen in den nächsten Monaten könnten 
schlechter aussehen als im vergangenen Jahr.“



Als „Corona-Effekt“ bezeichnet das Jörg Ortlepp, Leiter des Bereichs Verkehrsinfrastruktur bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Als „Corona-Effekt“ bezeichnet das Jörg Ortlepp, Leiter des Bereichs Verkehrsinfrastruktur bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Lockdown und Homeoffice verminderten den Verkehr im März schlagartig. „Allerdings sind die Unfälle mit Radfahrern unterdurchschnittlich zurückgegangen“, sagt Ortlepp. Viele Menschen seien von Bus und Bahn aufs Rad umgestiegen. „Auch viele unerfahrene Fahrer.“ Deshalb könnte sich der Lockdown-Effekt zum Jahresende ins Gegenteil verkehren, fürchtet er. Schon im September war die Unfallstatistik wieder auf Vorjahresniveau. Besonders gut entwickelten sich Ortlepp zufolge Regionen, in denen Autobahnen und Landstraßen die Unfallstatistik bestimmen.


Mark Hauptmann
Mitglied des Bundestags (CDU),
Wahlkreis Suhl - Schmalkalden  Meiningen - Hildburghausen

„Ältere Mitbürger fahren besonders vorsichtig.
Im Zweifel kommt es eher zu Blechschäden.“



Denn vor allem Lkw- und Pkw-Verkehr gingen massiv zurück. „Anders als in Großstädten ist Radfahren bei uns eher Freizeitvergnügen“, sagt Mark Hauptmann, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Suhl. In der thüringischen Stadt gab es in der ersten Jahreshälfte 2019 noch 40 Unfälle mit Personenschaden, in diesem Jahr nur 27. Sieben Verletzte pro 10.000 Einwohner – so wenige wie nirgendwo sonst. Das liege auch am hohen Durchschnittsalter, vermutet Hauptmann. „Riskantes und provokatives Fahren, wie wir es vornehmlich von jüngeren Fahrern kennen, ist bei uns kaum ein Thema.“ 


Canan Bayram
Mitglied des Bundestags (Grüne),
Wahlkreis Berlin Friedrichshain Kreuzberg

„Radfahrer und Fußgänger müssen baulich 
vor den Autos geschützt werden“




Ganz anders in Berlin: Nirgends gibt es so viele Tote und Verletzte im Straßenverkehr wie in der Hauptstadt. „Man muss ständig aufpassen, ob sich die stärkeren Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten“, sagt die Bundestagsabgeordnete Canan Bayram (Grüne) . Dabei liegt Berlin mit 19 Personenschäden je 10.000 Einwohner sogar noch im Mittelfeld. Spitzenreiter ist Weiden in der Oberpfalz mit 30 Verletzten. 

Text: Robert Otto-Moog

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