Positionen-Magazin
Regiot­rend: Ren­ten­kauf­kraft in Deutsch­land

Wo die Rente mehr wert ist

Wie viel sich Menschen im Ruhestand leisten können, hängt nicht nur von der Höhe ihrer Altersbezüge ab, sondern auch von der Region. Die Kaufkraft der Renten variiert bundesweit um bis zu 52 Prozent – was für immer mehr Senioren zum Problem wird.


In vielen Teilen Deutschlands fließt ein Großteil der Altersbezüge in die Wohnkosten. Ohne private Vorsorge sind viele Senioren von Armut bedroht.

Mehr als 21 Millionen Rentner gibt es hierzulande, im Durchschnitt erhält jeder 1219 Euro im Monat. Doch wie viel die Rente tatsächlich wert ist, hängt ganz wesentlich vom Wohnort ab. Denn die Kaufkraft der Altersbezüge variiert innerhalb Deutschlands ganz erheblich: um bis zu 52 Prozent. Das ergab eine Prognos-Studie im Auftrag des GDV. Danach erhält ein Rentner in München für 1000 Euro nur einen Gegenwert von 760 Euro. Wer seinen Lebensabend dagegen im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster verlebt, verfügt mit derselben Summe über eine reale Kaufkraft von 1158 Euro. 



Stephan Pilsinger 
Mitglied des Bundestags (CSU)
Wahlkreis München-West/Mitte 

„Es darf nicht sein, dass ältere Münchner ihre Heimat verlassen müssen“


Für die Auswertung haben die Wirtschaftsforscher die Gewichtung der Lebenshaltungskosten an das Konsumverhalten von Senioren angepasst, für sie spielen etwa Gesundheit und Mieten eine größere Rolle. Dies ist einer der Hauptgründe, warum viele Großstädte in der Studie schlecht abschneiden: An vielen Standorten, an denen das Wohnen besonders teuer ist, bekommen Rentner am wenigsten fürs Geld. „Insbesondere aufgrund der hohen Mieten sind viele Münchner Rentner armutsgefährdet“, sagt Stephan Pilsinger (CSU), Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis München-West/Mitte.




Martin Neumann
Mitglied des Bundestags (FDP)
Wahlkreis Elbe-Elster/Oberspreewald II

„Man sollte niedrige Löhne nicht gegen günstige Lebenshaltungskosten aufwiegen“


Ganz anders die Lage in Brandenburg: Weil die Wohnkosten im ländlichen Elbe-Elster-Kreis so niedrig sind, genießen ältere Menschen hier die bundesweit höchste Kaufkraft. „Das Mietpreisniveau ist besonders wichtig, weil nur etwa 20 Prozent der Rentner im Landkreis Wohneigentum besitzen“, sagt der örtliche Bundestagsabgeordnete Martin Neumann (FDP). 



Reinhold Schnabel
Professor für Volkswirtschaftslehre
Universität Duisburg-Essen

„Es ist nicht Aufgabe des Rentensystems, Kaufunterschiede gezielt und aktiv auszugleichen“


Die zuletzt stark gestiegenen Mieten in den Ballungsräumen seien jedoch nicht nur ein Problem für die heutige Rentnergeneration, sagt Wirtschaftsprofessor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen. Eng werde es auch für die Alten von morgen. Die höchsten Preissteigerungen habe es bei Neuvermietungen gegeben, während Bestandsmieter weniger stark betroffen gewesen seien. Ein Grund mehr für alle, die noch aktiv im Beruf stehen, sich um eine private Zusatzvorsorge zu kümmern.

Text: Robert Otto-Moog

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