Positionen-Magazin
Gute Frage

Wie wird die Ren­dite einer Infra­struk­tur-Inves­ti­tion ermit­telt?

Bis 2018 will die AXA Gruppe insgesamt zehn Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte investieren. Bei der deutschen Tochtergesellschaft ist Christian Marx der Spezialist für Geldanlage und Investitionen.

Herr Marx, welche Rendite wollen Sie mit Ihren Investments erwirtschaften?
Christian Marx:
Die meisten Versicherer wären froh, wenn sie vier Prozent schaffen. Das ist der Zinssatz, der vielen Lebensversicherungs-Kunden in älteren Verträgen garantiert wird. Doch nur mit wenigen Investitionen ist dieses Ziel in der derzeitigen Niedrigzinsphase zu erreichen.

Bei deutschen Staatsanleihen bekommt man zurzeit weniger als ein Prozent. 
CM:
Deswegen weichen Versicherer auch auf alternative  Anlageformen wie Infrastruktur aus. Der Aufwand, in Straßen oder Windkraftanlagen  zu investieren, ist aber ungleich höher. Man braucht Experten, die ein Projekt durchprüfen und die Risiken analysieren. Solche Kosten müssen wir in unserer Kalkulation berücksichtigen.

Ganz konkret: Wie berechnet man die Rendite eines solchen Infrastruktur-Investments?
CM:
Wir nutzen keine absoluten Renditevorgaben.  Schließlich geht man zunächst einmal vom Zinsumfeld aus, zum Beispiel dem Zinssatz, zu dem Banken sich untereinander Geld leihen. Darauf kommt eine Illiquiditätsprämie, da Anlagen in Infrastruktur schließlich nicht täglich veräußerbar sind. Infrastruktur-Investments können auch dreißig Jahre laufen, da müssen Aufschlag und Rendite entsprechend höher liegen. Plus ein Kreditaufschlag für das Ausfallrisiko, das mit jeder Kapitalanlage verbunden ist. Versicherer legen tendenziell konservativ an, deswegen ist dieses Ausfallrisiko in der Regel relativ klein, aber vorhanden ist es natürlich schon. Zum Schluss berechnet man auch noch einen weiteren Aufschlag, wenn Investments wie im Fall Infrastruktur sehr komplex sind. Es ist ja wesentlich einfacher, sich Bundesanleihen ins Depot zu legen.

Gehen wir einmal vom Swap-Satz aus, das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Wie viel mehr als diesen wollen Sie verdienen?
CM:
Mindestens 1,5 bis zwei Prozent mehr sollten es schon sein. Sonst macht es nur in seltenen Fällen wirklich Sinn, sich auf das Geschäft einzulassen.

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