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Um den Glo­bus

Was der Bre­xit für Kun­den und Ver­si­che­rer in Irland bedeu­tet

Der Brexit verändert die Versicherungsbranche auf der Insel. Einige britische Anbieter ziehen sich zurück. Andere kommen jetzt erst recht nach Irland. Und auch manch' exotische Spezialversicherung wird begehrter.

Brexit

Der Ausstieg der Briten aus der EU verändert den irischen Versicherungsmarkt. Mehr als ein Dutzend der über 80 in Irland tätigen Anbieter mit Hauptsitz in Großbritannien und Gibraltar haben bereits ihren Rückzug angekündigt. Alle anderen müssen sich um eine neue Zulassung kümmern. Zuletzt hat die irische Regierung jedoch eine 15-jährige Abwicklungsfrist vorgeschlagen, in der britische Firmen ihren Verpflichtungen gegenüber irischen Kunden nachkommen können. Doch es gibt auch eine Gegenbewegung: Unternehmen wie der Versicherungsmakler Aon und der US Versicherer Travelers haben angekündigt, nach Dublin umzuziehen.

Kfz-Versicherung

Irische Autofahrer mussten zuletzt immer tiefer in die Tasche greifen: Einer Studie der irischen Zentralbank zufolge sind die Prämien für Kfz-Policen von 2013 bis 2018 um 63 Prozent gestiegen – trotz rückläufiger Schadensfälle. Das führte schon zu Protesten wütender Autofahrer auf Dublins Straßen. Der „Irish Times“ zufolge ist die Kostensteigerung vor allem auf die Zunahme von Gerichtsprozessen zurückzuführen. Davon profitiert hätten vor allem die Anwälte. Aktuell ist eine neue Richtlinie für Urteile zu Personenschäden in Arbeit. Sie könnte dazu führen, dass die Prämien wieder sinken.

  

Krankenversicherung

In kaum einem anderen EU-Land sind private Krankenversicherungen so verbreitet. 2017 waren der OECD zufolge 45 Prozent der Einwohner privat versichert – obwohl alle Iren Anspruch auf öffentliche Gesundheitsversorgung haben. Einer der Hauptgründe: Privatversicherte können die teils immensen Wartezeiten bei Ärzten und Krankenhäusern umgehen. Der schwedische Think Tank Health Consumer Powerhouse attestiert Irland „die schlimmste Wartezeitsituation“ Europas. Zudem subventioniert die Regierung in Dublin den Abschluss privater Versicherungen mit Steuergutschriften.

Whiskeyversicherung

Dem Magazin „Forbes“ zufolge ist irischer Whiskey eine der am schnellsten wachsenden Spirituosenkategorien der Welt. Die edelsten Tropfen kosten mehrere Zehntausend Euro pro Flasche. Grund genug, die flüssigen Anlageobjekte zu schützen. Irische Destillerien verkaufen ganze Fässer als Investment. Inklusive Lagerung und Versicherung für drei bis fünf Jahre kostet ein frisches 200-Liter-Fass Single Malt rund 6000 Euro. Investmentfirmen versprechen Renditen von bis zu 20 Prozent per anno. Für den Schutz einer Privatsammlung im Wert von 100.000 Euro muss man eine Jahresprämie von 300 Euro veranschlagen.

Text: Robert Otto-Moog
Illustration: Michael Stach

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