Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in Kam­bo­dscha

Das Königreich am Mekong gehört zu den ärmsten Ländern der Welt – und zu den letzten, in denen man ohne Kfz-Haftpflicht Auto fahren durfte. Doch nicht nur das ändert sich gerade. Blick auf einen jungen Markt mit großen Chancen.

Autoversicherung

Für deutsche Ohren klingt es unvorstellbar, doch in Kambodscha war es bisher tatsächlich erlaubt, ohne Kfz-Haftpflicht Auto zu fahren. Nur für Nutzfahrzeuge war eine Police obligatorisch, in der Folge sind derzeit gerade einmal fünf Prozent aller Fahrzeuge in dem südostasiatischen Land versichert. Nun führt das Königreich, das von der Fläche her etwa halb so groß ist wie Deutschland und rund 16 Millionen Einwohner hat, als letzter Staat der Asean-Region die Kfz-Haftpflicht für alle ein. Damit müssen nun 537.000 Autobesitzer und 3,1 Millionen Motorradfahrer erstmalig einen Versicherungsvertrag abschließen.

Wachstumsmarkt 

Die neue Kfz-Haftpflicht dürfte das ohnehin starke Wachstum weiter antreiben. Von 2017 bis 2018 kletterten die Bruttobeiträge der Versicherungsbranche um 30 Prozent auf 175 Millionen Euro. Der allgemeine Versicherungsumsatz legte um 15 Prozent, der von Lebensversicherern sogar um 50,6 Prozent zu. Die Entwicklung der Assekuranz folgt der robusten Wirtschaftslage: Seit 2010 ist das Bruttoinlandsprodukt jährlich um mindestens sechs Prozent gewachsen. Und das Potenzial ist nach wie vor groß: Weniger als drei Prozent der Bevölkerung sind bisher versichert.

Krankenversicherung 

Die medizinische Versorgung in Kambodscha ist kümmerlich. Wer es sich leisten kann, lässt sich im Ausland behandeln. Das Gesundheitssystem gleicht einem Flickenteppich, eine gesetzliche Krankenversicherung gibt es nicht. Vergleichsweise gut abgesichert sind Angestellte, die automatisch Mitglied im nationalen Sozialversicherungsfonds sind. Die Beiträge zahlt der Arbeitgeber zu 100 Prozent. Arme und Erwerbslose sind dagegen schlecht bis gar nicht versorgt. Bis 2025 soll eine universelle Krankenversicherung kommen.

Mikroversicherungen

In Entwicklungsländern wie Kambodscha können sich weite Teile der Bevölkerung herkömmliche Versicherungen nicht leisten. Gerade Geringverdiener müssen daher stets um ihre Existenzgrundlage fürchten. Mikroversicherungen können hier helfen: Die Versicherungsnehmer zahlen in kurzen Zyklen kleine Summen an einen der aktuell acht Mikroversicherungsanbieter. Im Falle eines Unfalls, einer Krankheit oder einer Naturkatastrophe bekommen sie das Geld dann schnell und unbürokratisch ausgezahlt. 2018 betrug die ausgeschüttete Summe umgerechnet rund 20 Millionen Euro.

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