Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in Finn­land

Viele Versicherungen in dem skandinavischen Land sind umfassender als bei uns, denn eine gute Absicherung gegen Risiken ist den Finnen extrem wichtig. Anderes hingegen können sie nicht selbst entscheiden – etwa, welchen Arzt sie besuchen.

Hausratversicherung

Ihre persönlichen Gegenstände sind den Finnen nicht nur wichtig, sondern heilig. Entsprechend bedeutsam ist für sie der Abschluss einer Hausratsversicherung, die deutlich umfangreicher ist als entsprechende Policen in Deutschland. Das edle Geschirr im Schrank ist in der Regel ebenso abgedeckt wie ein heruntergefallenes Tablet. 65 Prozent der Bevölkerung haben laut Tommi Palmu, Manager der Versicherung IF, eine derartige XXL-Hausratversicherung, die ab 120 Euro aufwärts kostet. Die am häufigsten auftretenden Schäden sind zerstörte Smartphones, die hierzulande üblicherweise extra versichert werden müssen.

Kfz-Versicherung

Übertroffen wird die Hausrat- nur von der Kfz-Versicherung, die rund 37 Prozent des Beitragsvolumens aller Nicht-Lebensversicherungen ausmacht. Von Gesetzes wegen sind Personenschäden an Fußgängern und Radfahrern grundsätzlich voll von der Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers zu tragen, die zusätzlich auch für Einkommensausfälle aufkommt. Versicherer können Haftpflichtpolicen nicht kündigen, selbst wenn Prämien nicht gezahlt wurden. Kaskoversicherungen spielen in Finnland eine geringe Rolle, weil die Haftpflicht viele Risiken bereits abdeckt.


Rentenversicherung

Anders als in anderen EU-Staaten wird in Finnland die gesetzliche Rentenversicherung über private Träger organisiert. Die Renten werden dezentral von mehreren konkurrierenden Versicherern und Pensionsfonds verwaltet. Wechsel von einer Gesellschaft zur anderen sind möglich, aber selten. Ein Mischsystem aus Kapitaldeckung und Umlageverfahren sorgt trotz alternder Bevölkerung für dauerhaft niedrige Beiträge. Rund ein Viertel der Erwerbstätigen hat neben der gesetzlichen Rente eine private Zusatzversicherung abgeschlossen.

Krankenversicherung

Das finnische Gesundheitssystem ist nahezu ausschließlich staatlich organisiert. Seine tragenden Säulen sind kommunale Gesundheitszentren, die eine medizinische Basisversorgung, Mutter-Kind-Betreuung sowie Vorsorgeuntersuchungen anbieten. Eine freie Arztwahl haben die Finnen nicht, auch keinen Einfluss darauf, wann und wo sie behandelt werden. Das Gesundheitszentrum entscheidet, ob eine Behandlung akut nötig ist oder aufgeschoben werden kann. Ein Arztbesuch kostet je nach Gemeinde bis zu 11 Euro, die Selbstbeteiligung für einen Krankenhaustag liegt bei 26 Euro.

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