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Schwim­men­des Groß­ri­siko

Schifffahrt: Containerfrachter werden immer größer, die transportierten Waren sind Hunderte Millionen Euro wert. Doch die Sicherheit an Bord hält nicht Schritt.

Die Taufe der „MSC Zoe“ vor gut drei Jahren in Hamburg war ein bundesweites Medienereignis. Kein Wunder, war doch der knapp 400 Meter lange Koloss, der mehr als 19.000 Ladungsboxen tragen kann, das größte Containerschiff der Welt. Seine Rückkehr vor drei Monaten war weniger umjubelt: Während eines Sturms gingen knapp 350 Container vor der niederländischen Küste über Bord, mindestens 150 weitere wurden schwer beschädigt. 

Die meisten zerbarsten, mehr als 24 Millionen Plastikteile gelangten ins Meer und verschmutzen seither die Strände der West- und Ostfriesischen Inseln. Die Aufräumarbeiten werden noch Monate dauern, die Ursache der Havarie ist noch ungeklärt. 

Der globalisierte Welthandel und der wachsende Kostendruck lassen die
Ladekapazitäten der Schiffe steigen. Vor 15 Jahren galt ein Frachter mit 8000 Containern als Gigant, heute fassen die Flaggschiffe mehr als doppelt so viele. Mit den Schiffen wachsen aber auch die Risiken – vor allem für die Versicherer. Die Containerriesen sind zu schwimmenden Großrisiken geworden. 

Zwar geht die Zahl der Totalverluste weltweit seit Jahren zurück, doch die Kosten von Unglücken auf hoher See sind dramatisch gestiegen. Denn in den vergangenen 30 Jahren hat sich der durchschnittliche Wert einer Schiffsladung verzehnfacht.

Bei Feuer droht Totalverlust 

„Als Faustgröße gilt ein Warenwert von 25.000 bis 50.000 Euro pro Standardcontainer“,
sagt GDV-Schifffahrtsexperte Uwe-Peter Schieder. Für das Unglück der „MSC Zoe“ ergibt das einen Schaden zwischen 12 Millionen und 24 Millionen Euro – nur für den Warenwert, ohne die Folgekosten für Mensch und Umwelt wohlgemerkt.

Noch weitaus teurer kann es werden, wenn an Bord ein Brand ausbricht. „Bei Feuer droht immer auch der Totalverlust“, sagt Schieder, der selbst als Kapitän zur See fuhr. Bei einem voll beladenen Riesenfrachter stehen dann Werte bis zu einer Milliarde Euro buchstäblich in Flammen. Die Löschsysteme selbst auf modernen Schiffen folgten der Logik der 1960er-Jahre, als die Waren noch als Stückgut über die Ozeane schipperten, moniert Schieder. Der GDV setzt sich seit Jahren für fest installierte Wasserwerfer, Sprinkleranlagen zwischen den Containerreihen und Infrarotsensoren als Frühwarnsysteme ein. Doch passiert ist bislang wenig.

Die „MSC Zoe“ ist inzwischen übrigens nur noch das viertgrößte Containerschiff der Welt. Die Nummer eins ist jetzt die „OOCL Hong Kong“, 2017 in Südkorea in Dienst gestellt. Sie fasst mehr als 21.000 Standardcontainer.

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