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Auf­ge­fal­len

Rechts­schutz­ver­si­che­rer wol­len bera­ten dür­fen

Wie sehr die Digitalisierung die Rechtsberatung verändert, zeigt sich, seit Legal Techs mit neuen Geschäftsmodellen in den Markt drängen.

Ein Beispiel ist der Anbieter Wenigermiete.de, der in mietrechtlichen Angelegenheiten berät und dafür Erfolgshonorare kassiert – eine Praxis, die der BGH jüngst bestätigt hat. Für die Versicherer entsteht dadurch eine neue Situation. Mit mehr als 22 Millionen Rechtsschutzpolicen ermöglichen sie gut der Hälfte der deutschen Haushalte den Zugang zum Recht. Anders als im europäischen Ausland dürfen sie ihre Kunden allerdings nicht beraten. „Die deutsche Praxis entspricht nicht mehr der neuen digitalen Realität und führt zu Wettbewerbsnachteilen“, sagt GDV-Experte Thomas Lämmrich. „Legal Techs, die mit Risikokapital und IT-Know-how juristische Prozesse standardisieren oder automatisieren, nutzen zusehends Erfolgshonorare.“ Auch für Anwälte werde diskutiert, diese Möglichkeit zu erweitern. Während so in den Markt der Versicherer eingedrungen wird, können sie selbst wegen des Rechtsdienstleistungsgesetzes nur schwer in den Markt der Wettbewerber einsteigen. Dabei wäre genau das im Interesse der Kunden, wie eine aktuelle Umfrage von YouGov zeigt: 61 Prozent der Deutschen wünschen sich eine erste rechtliche Beratung und Einschätzung durch ihre Rechtsschutzversicherung. Das müsse bei einer Anpassung des Rechtsrahmens berücksichtigt werden, so Lämmrich. „Ziel muss es sein, das Angebot auf dem Rechtsmarkt zu verbessern, zugunsten aller, die ihr gutes Recht durchsetzen wollen – mithilfe des Anwalts, der Legal Techs oder des Rechtsschutzversicherers.“

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