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Kolumne - Rai­ner Baake

Raus aus dem Koh­len­di­oxid!

In vier Schritten in die klimaneutrale Welt: Rainer Baake, bekannt als „Mr. Energiewende“, beschreibt, wie die grüne Transformation Deutschlands Wachstum sichert.

Deutschland und Europa haben sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Grundlage ist das Paris-Abkommen, mit dem sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet hat, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen. Konkret bedeutet das, innerhalb von drei Jahrzehnten die gesamte Wirtschaft auf eine fossilfreie Energieerzeugung umzustellen. Dabei besteht der Primärenergieverbrauch Deutschlands derzeit noch zu 80 Prozent aus Erdöl, Kohle und Erdgas. Diese in den kommenden Jahrzehnten durch Effizienz und erneuerbare Energien zu ersetzen ist eine sowohl anspruchsvolle als auch spannende Aufgabe. Gleichzeitig geht es bei der Transformation darum, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Denn auch die USA und China, alle G7- und die Hälfte der G20-Staaten haben sich zum Ziel der Klimaneutralität bekannt. Wer jetzt seine Investitionen nicht auf Klimaneutralität ausrichtet, bleibt im internationalen Wettbewerb zurück.

Auf dem Weg zu Klimaneutralität sind aus meiner Sicht vier Grundsätze zu beachten. Der erste lautet: Fehlinvestitionen in fossile Technologien sind zu vermeiden! Am Beispiel des Kohleausstiegs können wir beobachten, was es für den Bundeshaushalt und auch für die betroffenen Kraftwerksbetreiber bedeutet, noch vor wenigen Jahren Milliardenbeträge in fossile Technologien investiert zu haben. Der zweite Grundsatz heißt: „Efficiency First!“ Wir brauchen eine Effizienzrevolution, weil wir den heutigen Primärenergieverbrauch von 13.000 Petajoule nicht vollständig durch erneuerbare Energien werden ersetzen können. Gleichwohl werden wir die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien massiv ausbauen müssen, um eine weitgehende Elektrifizierung der Sektoren Industrie, Verkehr und Gebäude zu ermöglichen. Das ist der dritte Grundsatz: Es ist immer günstiger, Strom direkt zu nutzen, als ihn erst in Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe umzuwandeln, um damit Auto zu fahren oder Heizungen zu befeuern.

 

Grundsatz Nummer vier: Wasserstoff oder daraus hergestellte Brennstoffe werden wir nur in den Bereichen einsetzen, wo wir keine Alternative haben – also zum Beispiel als Ersatz für Erdgas in Kraftwerken für Zeiten mit wenig Wind und Sonnenlicht. Natürlich auch im Flugverkehr. Ganz sicher schon in näherer Zukunft in der Stahlproduktion und in anderen Industriezweigen. Die nächsten zehn Jahre entscheiden, ob Klimaneutralität 2050 eine realistische Option wird. Bis dahin müssen die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 65 Prozent gemindert werden. Im Rahmen unserer Studie „Klimaneutrales Deutschland“ zeigen wir, wie Deutschland mit einer vorausschauenden Politik im Zuge von normalen Investitionszyklen klimaneutral werden kann. Wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden, wird dieser Weg zu einem großen Investitions- und Zukunftsprogramm.

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