Wenn sich eine 1,3 Millionen teure und 15 Tonnen schwere Jacht auf dem Landweg von Italien an die Ostsee bewegt, will dieses Unterfangen gut versichert sein. Ist es auch: mit rund zehn Millionen Euro.

Dass es die Werft der Familie Cranchi heute noch gibt, könnte man für ein Wunder halten. Schließlich hat sie es seit dem Bau ihres ersten Boots im Jahr 1870 mit einem nicht wegzuleugnenden Standortnachteil zu tun. Die Werft liegt nämlich in den Bergen. Genauer gesagt: in Piatedo in der Lombardei, unweit der Grenze zur Schweiz.

Doch das Wunder lässt sich erklären. Zum einen befindet sich der Comer See quasi vor der Haustür. Und zum anderen sind die Jachten der Cranchis einfach echte Hingucker. Elegant geschwungen und rasant motorisiert machen sie in jeder Marina dieser Welt eine gute Figur.

Bevor die Käufer sie zu Wasser lassen können, müssen die Boote allerdings erst mal über Land. Manchmal sogar ziemlich weit: Knapp 1000 Kilometer legte zum Beispiel kürzlich eine neue E52 F Evoluzione zurück, bis sie an ihrem Bestimmungsort Neustadt in Holstein an der Ostsee angekommen war.

Zweimal 600 PS – beim Tanken braucht es starke Nerven

Natürlich kann man eine 15-Tonnen-Jacht von 16 Metern Länge, knapp fünf Metern Breite und fast drei Metern Höhe nicht einfach auf einen gewöhnlichen Anhänger laden. Es musste ein Schwertransporter her, in diesem Fall sogar zwei: einer für den Rumpf, in dem sich das voll ausgestattete Badezimmer, Schlafräume mit großen Betten und ein Salon samt kompletter Küche befinden. Und einer für die sogenannte Flybridge, das große Decksmodul mit Bar, Lounge und Sitzmöblierung.


Mit ihren zweimal 600 PS war die E52 F auf diesem Transport doppelt so kräftig wie ihr Landtaxi. Auch ihr Spritverbrauch ist imposant: bis zu 500 Euro Diesel pro Stunde lassen sich durch die beiden Volvo Penta D8-Maschinen unter Volllast jagen, wenn man es unbedingt darauf anlegt.

Was passiert, wenn die Jacht vom Transporter kippt?

Weil so ein Landtransport nicht ganz ungefährlich ist, war die edle Fracht natürlich gut versichert. Immerhin hat die Jacht einen Wert von rund 1,3 Millionen Euro – Schäden am Rumpf oder den Aufbauteilen könnten entsprechend teuer werden. Die Police in Höhe von gut zehn Millionen Euro wäre aber auch dann eingesprungen, wenn die Jacht selbst einen Schaden verursacht hätte. Theoretisch wäre ja denkbar, dass sie vom Transporter kippt und ein nebenfahrendes Auto oder etwas anderes beschädigt. In der Praxis sind solche schlimmen Unfälle aber bisher nie vorgekommen. Höchstens schrammt mal ein Ast am Lack entlang.

Und auch die Cranchi E52 F Evoluzione hat ihre Reise über die Alpen bis an die Ostsee unbeschadet überstanden. Im Frühling wurde sie an die glücklichen Eigner übergeben.


Text: Carola Felchner

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