Korallenriffe gehören zu den schillerndsten Lebensräumen der Welt und zugleich zu den am stärksten vom Klimawandel bedrohten. In Mexiko springt nun eine Versicherung ein, wenn sie in einem Hurrikan zu Schaden kommen – mit bis zu 3,2 Millionen Euro pro Jahr.

Ihre Farbenpracht ist atemberaubend, ihre Artenfülle noch immer nicht vollständig erfasst: Mehr als ein Viertel aller Tiere und Pflanzen im Meer finden ihre Heimat in den Korallenriffen rund um den Globus. Sie sind die Kinderstube unzähliger Fische, Schwämme, Seeigel, Meeresschildkröten und Muscheln und gelten als das wohl produktivste Ökosysteme überhaupt. Ohne Korallenriffe blieben die Netze der Fischer in vielen Regionen der Welt leer.

Auch für den Tourismus sind Korallenriffe, die Hunderte von Jahren brauchen, um zu voller Größe heranzuwachsen, von unschätzbarer Bedeutung. Die berühmten Riffe vor Australien, Indonesien oder im Roten Meer vor Ägypten zählen zu den Sehnsuchtszielen der Welt. Viele Urlauber kommen allein deshalb in diese Länder, um in der faszinierenden Unterwasserwelt zu schnorcheln oder tauchen. Intakte Riffe sind damit auf die eine oder andere Weise die Lebensgrundlage von Millionen Menschen weltweit.

Geht die Erwärmung weiter wie bisher, sterben fast alle Korallenriffe bis zum Jahr 2100 ab

Doch die einzigartige Pracht ist bedroht. Steigende Temperaturen und die Versauerung der Meere setzen den fragilen Organismen genauso zu wie Schleppnetze und Plastikmüll.  Mehr als ein Drittel aller Riffe ist bereits von der sogenannten Korallenbleiche betroffen, jenem Prozess, der dem Absterben vorausgeht. Auch das berühmte Great Barrier Reef im Nordosten Australiens, von der Unesco zum Welterbe erhoben, befindet sich in kritischem Zustand. Selbst wenn es gelingt, die Erderhitzung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen – so wie es die es die Weltgemeinschaft 2015 auf dem Pariser Klimagipfel beschlossen hat –, sind nach Prognosen des Weltklimarats IPCC 70 bis 90 Prozent aller Korallenriffe dem Tod geweiht. Bei zwei Grad seien es sogar 99 Prozent. Derzeit steuert der Planet auf eine sogar noch stärkere Erwärmung zu.

Auch die wachsende Zahl der Hurrikane, Taifune und Zyklone, die mit immer größerer Gewalt über die Ozeane rasen, hinterlässt immense Schäden. Hurrikan „Delta“ etwa, der 2020 Mexiko mit Windgeschwindigkeiten oberhalb von 200 Stundenkilometern traf, hat im zweitgrößten Riff der Welt Zigtausende Korallenteile abgebrochen.

Als sich der Hurrikan verzogen hat, setzen Taucher 9000 Korallenbruchstücke wieder an

Umso wichtiger ist es, die noch intakten Riffe bestmöglich zu schützen. Der Bundesstaat Quintana Roo auf der Halbinsel Yucatán verfolgt nun einen neuen Ansatz, um die Korallenpracht zu erhalten. Gemeinsam mit der örtlichen Tourismusbranche hat er eine Versicherung abgeschlossen. Sie springt mit umgerechnet bis zu 3,2 Millionen Euro pro Jahr ein, wenn die Riffe und Strände vor Yucatán durch einen Hurrikan ab Kategorie drei beschädigt werden.

Nachdem der Wirbelsturm „Delta“ im vergangenen Jahr weitergezogen war, konnte so der Einsatz von Tauchern finanziert werden. Sie stiegen hinab ins Riff, sammelten rund 9000 verstreute Bruchstücke der Korallen ein und setzten sie wieder an, bevor sie abstarben. Kostenpunkt: 675.000 Euro. Vor dem Klimawandel kann die Police die Riffe zwar nicht schützen. Aber sie kann ihnen Zeit verschaffen, in der die Menschheit den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert. Auf dass ihre Schönheit auch künftigen Generationen erhalten bleibt.

Text: Volker Kühn

Auch inter­essant