Positionen-Magazin
Pro & Con­tra

Brau­chen wir eine grund­le­gende Reform bei staat­li­chen Hil­fen für die Land­wirt­schaft?

Vertrocknetes Getreide auf den Feldern, Tausende Bauern in Existenznot: Die extreme Dürre dieses Sommers hat die Anfälligkeit der Landwirtschaft für Naturgefahren mehr als deutlich gemacht. Ist es Zeit für eine Agrarwende?

Dieser Sommer macht klar: Die mit dem Klimawandel zunehmenden Wetterextreme bedrohen nicht nur ferne Inselstaaten und die Arktis. Auch wir sind betroffen. Die Bauern sind die wirtschaftlich am stärksten Betroffenen, sowohl vom Dauerregen im letzten Herbst als auch von der Trockenheit in diesem Sommer. Diese Auswirkungen lassen sich weder wegversichern, noch machen sie einen großen Unterschied zwischen konventionellen Betrieben und Biokollegen. Die wichtigste Konsequenz muss sein, beim Klimaschutz schneller zu werden. Weitere Kohleverstromung ist das Gegenteil davon. Alle müssen ihren Beitrag leisten, auch die Landwirtschaft.

Wir müssen unsere Betriebe widerstandsfähiger gestalten und gleichzeitig weniger Treibhausgase ausstoßen sowie unsere besondere Fähigkeit ausspielen, klimaschädliches CO2 in wertvollen Bodenhumus zu verwandeln. Zentral dafür ist eine größere Vielfalt in der Acker-Fruchtfolge, eine bodenschonende Bewirtschaftung, der Erhalt von Wiesen und Weiden sowie auch von Hecken als Wind- und Erosionsbremse. Vieles davon hilft zudem, um die Artenvielfalt zu erhalten und weniger chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Auch in der Tierhaltung stehen wir vor wirklich riesigen Veränderungen.

Eine gute Förderpolitik schafft für all dies gezielte Anreize. Die EU-Agrarpolitik aber zahlt bisher unbegrenzt pauschale Flächenprämien pro Hektar, fast egal, wie auf der Fläche und im Stall gewirtschaftet wird. Das muss sich dringend ändern. Wir müssen die aktuelle Reform der EU-Agrarpolitik nutzen, um in Zukunft die positiven Leistungen der Betriebe gezielt zu honorieren.

Konkrete Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch. Jetzt sind Weitsicht und Mut in der Politik gefragt. Die Bauern sind zu den Veränderungen bereit.


Die Dürre 2018 hat in der deutschen Landwirtschaft einen Schaden von drei bis vier Milliarden Euro angerichtet. Gehäufte Extremwetterereignisse führen zu der Frage, ob es Alternativen zu staatlichen Soforthilfen gibt. Es ist aber unredlich, die aktuelle Katastrophe zum Vorwand für eine „ Agrarwende“ zu nehmen. Die EU-Agrarförderung ist auf Marktorientierung und Gemeinwohl angelegt. So sind Fördergelder von der Produktion entkoppelt und an einen mehr als 100 Seiten starken Katalog mit Umweltvorschriften gebunden. Dieses Fördersystem muss einfacher und effektiver werden. Aber vor allem müssen die Märkte funktionieren. Ein Zurück zu staatlichen Preis- und Mengenregulierungen wäre ein großer Fehler. Wir wollen die Eigenvorsorge der Landwirte stärken. 

Deshalb fordert der Bauernverband eine steuerliche Gewinnrücklage. Die Betriebe sollen in „guten Jahren“ Gewinne zurücklegen können, die in „schlechten Jahren“ zum Ansatz gebracht werden. Bei Preisrisiken setzen wir auf Vorkontrakte und Terminmärkte. Diese sind im Ackerbau gut eingeführt und etablieren sich verstärkt am Milchmarkt. Bei vielen Naturgefahren bestehen marktgängige Versicherungen. Die Hagelversicherung etwa deckt 72 Prozent der Ackerfläche mit einer Versicherungssumme von fast 20 Milliarden Euro ab. Auch in der Tierhaltung sind Betriebsunterbrechungsversicherungen bei Tierseuchen verbreitet.

Die größte Lücke im Versicherungsangebot klafft aber bei der Dürre. Das liegt am Kumulrisiko, an der schwierigen Schadenfeststellung und an der Versicherungsteuer. Es ist daher zu kurz gesprungen, staatliche Zuschüsse zu fordern. Die Versicherungsbranche muss im Dialog mit der Landwirtschaft smarte Lösungen entwickeln, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei kann die Digitalisierung entscheidend helfen.

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