Positionen-Magazin
Nur mal kurz die Welt ret­ten

Ampel-Abschal­tung

Rechtlich ist die Sache klar: Wo Verkehrsplaner es für nötig erachten, Straßenkreuzungen durch Ampeln zu sichern, müssen diese bis auf wenige Ausnahmen auch ununterbrochen laufen – der Sicherheit wegen. Die Realität ist jedoch oft eine andere.

In der Nacht sind viele Lichtsignalanlagen abgeschaltet. Zu wenig Verkehr, unnütze Wartezeiten bei Rot, nächtliche Ruhestörung durch das Anfahren, Stromverschwendung: Das sind Argumente, mit denen Lokalpolitiker gern begründen, warum sie nachts den Saft abdrehen lassen. Doch das hat gefährliche Folgen: In einer wissenschaftlichen Untersuchung für die Unfallforschung der Deutschen Versicherer (UDV) 2008 in Leipzig, Dresden und im Landkreis Harburg kam heraus, dass sich an Ampeln, die nachts abgeschaltet waren, mehr und schwerere Unfälle ereigneten als an solchen, die rund um die Uhr in Betrieb waren. Die Unfallkostenrate verdoppelte sich an den betroffenen Kreuzungen. 

In Dresden registrierten die Forscher jährlich 300 Unfälle mit mehr als 100 verletzten Personen und Unfallkosten von 2,9 Millionen Euro an abgeschalteten Ampeln. In Münster setzte sich die UDV in einer Verkehrssicherheitsanalyse für ein Ende der Nachtabschaltungen ein. Mit Erfolg: Es gab deutlich weniger nächtliche Unfälle. „Moderne Ampeln können mit Sensoren Grünphasen steuern. Der Verkehr wird damit fast gar nicht mehr ausgebremst“, sagt UDV-Experte Jörg Ortlepp. Dank stromsparender LED-Leuchten und Autos mit Start-Stopp-Automatik sei auch der Energieaufwand gering. Zum Glück wissen das inzwischen auch immer mehr Politiker.

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