Positionen-Magazin
Inter­view mit Eckart von Hirsch­hau­sen

„Anti-Anti-Aging“

Der Arzt, Kabarettist und Buchautor Dr. Eckart von Hirschhausen über seine persönliche Midlife-Crisis, einen entspannten Umgang mit dem Älterwerden und fünf einfache Regeln, das eigene Leben zu verlängern.

Herr von Hirschhausen, kürzlich sind Sie 50 geworden, für viele ein Anlass, über das eigene Älterwerden nachzudenken und ein wenig mit der Zahl zu hadern. War das bei Ihnen auch so?
Eckart von Hirschhausen:
Sie meinen, ob ich die berühmte Midlife-Crisis hatte? Ich hoffe doch sehr, dass ich in der „Lebensmitte-Krise“ bin, denn das würde ja bedeuten, ich hätte noch mal 50 Jahre vor mir! Nein, ich kann mich wirklich nicht beschweren: Ich kann immer noch alles, was ich mit 20 konnte – halt nur nicht mehr am gleichen Tag (lacht).

Ab wann ist man eigentlich alt?
Hirschhausen:
Wenn man sich beim Schuhezubinden fragt: Was kann ich noch erledigen, wo ich schon mal hier unten bin (lacht). Nein, im Ernst, wissen Sie, wie viele beruhigende Studien es über das Älterwerden gibt? Erstens nimmt die Lebenszufriedenheit mit dem Alter für gewöhnlich zu. Und zweitens: Je älter man wird, desto älter wird man. Klingt komisch, ist aber so: Statistisch steigt die Lebenserwartung mit jedem Jahr, das man erreicht. Denn wer bis 70 noch nicht gestorben ist, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit 80 als einer, der erst 42 ist und bis 80 noch einige Hindernisse zu bewältigen hat. Das ist doch ein tröstlicher Gedanke.

Betrachten Sie die steigende Lebenserwartung als Chance auf wertvolle „Bonusjahre“ oder verlängert sie nur das „Leiden“ im Alter?
Hirschhausen:
Ich finde „Bonusjahre“ ein sehr schönes Wort, viel schöner als „Restlebenszeit“. Die steigende Lebenserwartung kann ein Geschenk sein, aber ich möchte auch nicht beschönigen, dass es am Ende des Lebens auch Schmerzen und Situationen der Verzweiflung gibt. Aber aus Angst vor dieser letzten Phase die ganze Zeit in Sorge zu verbringen ist echte Zeitverschwendung. Ich will vor allem rüberbringen: Seid nicht die ganze Zeit gegen das Leben. Ich bin Anti-Anti-Aging! Wir sind biologisch mit zwei Programmen ausgestattet: Vermehr dich und verzieh dich. Bringe etwas Neues in die Welt – seien es Kinder oder Ideen –, und dann steh dem Neuen nicht ewig im Weg. In einem meiner Lieblingscartoons, den ich jeden Abend auf der Bühne zitiere, sagt Charlie Brown: „Eines Tages wer- den wir alle sterben.“ Darauf antwortet ihm Snoopy: „Ja, aber an allen anderen Tagen nicht.“

Haben Sie eine Formel für ein langes, gesundes und glückliches Leben?
Hirschhausen:
Der beste Trick, sein Leben zu verlängern, ist, alles wegzulassen, was es verkürzt. In meinem Bühnenprogramm „Endlich!“ bringe ich es ganz einfach auf den Punkt: 15 Jahre unseres Lebens hängen am Lebensstil. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützt als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, sich bewegen, Gemüse essen – und: erwachsen werden und Kind bleiben.

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