Kolumne
Kolumne Brand­ge­fahr

Wenn Elek­tro­nik­schnäpp­chen aus Fernost zur Feu­er­falle wer­den

Man muss es in vielen Fällen wohl als fahrlässig bezeichnen, wenn Elektrogeräte zweifelhafter Herkunft eingesetzt werden – das Risiko übersteigt den Preisvorteil erheblich.

Der Akku eines E-Bikes hat in Mainz ein Wohnhaus in Brand gesetzt. So war es Mitte September zu lesen. Immerhin: Es sei niemand verletzt worden, das Wohnhaus sei nun jedoch vorerst unbewohnbar.

Die Zellen blähen sich in der Hitze auf, platzen mit lautem Knall

Steht ein solcher Akku erst einmal so richtig in Flammen, hat das viel von einem Feuerwerk: Von „Rocketing“ sprechen Fachleute. Die Zellen des Energiespeichers blähen sich in der Hitze auf, platzen mit lautem Knall, setzen Gase frei und stoßen Funkenregen aus. In einer Abfolge chemischer Reaktionen zwischen den vielen Substanzen, die in einer Lithium-Ionen-Batterie verbaut sind, schaukeln sich die Temperaturen bis über 600 Grad Celsius hoch. Hersteller, Händler und Verbraucher tragen eine erhebliche Verantwortung beim Umgang mit leistungsfähigen Stromspeichern – womit wir auch bei der Mobilität von morgen sind: Elektroautos oder E-Rollern.

Die gute Nachricht: Grundsätzlich sind solche Akku-Brände versichert. Die Hausratversicherung schützt das gesamte bewegliche Eigentum, das in der Wohnung und in dazugehörigen Nebenräumen untergebracht ist. Schäden an fest eingebauten Gegenständen sind durch die Wohngebäudeversicherung abgesichert. Tipps dazu haben wir auf unserem Verbraucherportal für Sie zusammengetragen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Immer mehr Elektrogeräte genügen nicht den hiesigen Sicherheitsnormen. China liegt nah und der Einkauf übers Internet befördert unkompliziert so manches Elektronikschnäppchen aus Fernost nach Deutschland, das aus guten Gründen hier gar nicht zugelassen ist. Die Folge: Unfälle, Brände und Explosionen. „Viele Logos und Siegel sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden. Manchmal sind Kennzeichen auch gefälscht, gerade wenn es um Kennzeichen aus Europa und Deutschland geht“, war gerade in einem „Spiegel“-Interview zu lesen.

Folgen für den Versicherungsschutz

 Auch in unserem Verbands-Magazin „Positionen“ weisen wir auf „Die gefährlichen Folgen billiger Elektronik aus Fernost“ hin. Tenor: Den Aufwand technischer Prüfungen durch unabhängige Stellen sparen sich viele asiatische Hersteller. Was manche aber nicht daran hindert, trotzdem Qualitätssiegel zu nutzen. Solche Produkte finden sich zehntausendfach auf den einschlägigen Online-Marktplätzen. Und die Kunden greifen nur zu gern zu. Statt mühsam die Regale von Fachhändlern abzusuchen, können sie mit einem Klick bestellen. Nach wenigen Tagen kommt die Ware ins Haus. Vielfach ist sie günstiger als vor Ort gekaufte Produkte – selbst wenn man die Versandkosten aus Hongkong, Shenzhen oder anderen asiatischen Herkunftsorten einrechnet.

Natürlich ist nicht alles minderwertig oder gar gefährlich, was auf diesem Weg nach Europa kommt. Manches aber eben doch. Man kann in vielen Fällen wohl bereits von Vorsatz sprechen, wenn wissentlich Elektrogeräte solch zweifelhafter Herkunft eingesetzt werden. Dies kann auch Folgen für den Versicherungsschutz haben.

Der Schutz vor Flammen war immerhin eine Keimzelle des Versicherungswesens. Gegen kaum eine andere Gefahr sind die Deutschen so gut abgesichert, die Schutzstandards so hoch. Dennoch steigen die Feuerschäden signifikant: Gut 1800 Euro betrug der durchschnittliche Feuerschaden in der Hausratversicherung im Jahr 2018, das sind 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mangelhafte Elektronik aus Fernost ist ein Grund dafür; die immer hochwertigere Ausstattung der Haushalte insbesondere mit Computern, Smartphones und Flachbildfernsehern ein weiterer.

Der unter anderem von uns Versicherern lange geforderte und inzwischen flächendeckend vorgeschriebene Einsatz von Rauchmeldern in Deutschland hat aber dazu beigetragen, die Zahl der Todesfälle von 787 im Jahr 1990 auf 367 im Jahr 2015 mehr als zu halbieren. Umso wichtiger ist es, dass im Zuge der derzeitigen Diskussion über mögliche Kostensenkungen beim Wohnungsbau nicht am Brandschutz gespart wird.

Die Digitalisierung in der Brandmeldetechnik macht große Fortschritte

Für eine erfolgreiche Brandbekämpfung ist vor allem eine schnelle Reaktion entscheidend: Rauchmelder, die selbstständig Löschanlagen ansteuern, die Feuerwehr alarmieren oder Evakuierungen einleiten etwa. Diese Brandmeldetechnik macht derzeit große Fortschritte, die wir nutzen wollen. Denn Prävention zahlt sich aus.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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