Kolumne
Kolumne Kre­dit­ver­si­che­rung

411 Mil­li­ar­den Euro für das Ver­trauen in die Lie­fer­ket­ten

411.000.000.000 Euro. In dieser Höhe haben die deutschen Kreditversicherer Ende 2019 Lieferantenkredite Zehntausender Unternehmen in Deutschland gedeckt – und werden diese Deckung trotz der Corona-Pandemie weitestgehend aufrechterhalten. Eine Bundesgarantie in Höhe von 30 Milliarden Euro und der Wille der Kreditversicherer, auch in schwierigen Zeiten an der Seite ihrer Kunden zu stehen, machen es möglich.

Kreditversicherer erfüllen für die deutsche Wirtschaft zwei wichtige Funktionen: Erstens springen sie ein, wenn Abnehmer offene Rechnungen nicht bezahlen können oder wollen. Zweitens prüfen sie laufend die Bonität der Geschäftspartner. Wer Kunde eines Kreditversicherers ist, weiß also immer ziemlich genau, woran er ist, wen er besser nur gegen Vorkasse beliefert und wem er – dank des Schutzes seiner Versicherung – einen Lieferantenkredit einräumen kann. Das ermöglicht Planungssicherheit und stärkt das Vertrauen in eine funktionierende und stabile Wirtschaft.

Die Risiken steigen quer über alle Branchen und rund um Globus

In der Corona-Pandemie ist das Vertrauen in diese Stabilität fast völlig verschwunden. Auch die Analysen der Kreditversicherer zeigen wenig überraschend, dass das Risiko von Zahlungsausfällen in rasender Geschwindigkeit, quer über alle Branchen und rund um den Globus deutlich gestiegen ist. Dazu kommt, dass die Bundesregierung deutsche Unternehmen vorerst von der Pflicht befreit hat, bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen. Das gibt in Bedrängnis geratenen Unternehmen ein Zeitfenster, um staatliche Hilfen zu beantragen und Sanierungsbemühungen voranzutreiben. Für Kreditversicherer hat es aber den Effekt, dass Bonitätsverschlechterungen kaum noch feststellbar und die Risiken schlechter zu kalkulieren sind.

Die naheliegende Konsequenz aus alldem lautet, dass die Kreditversicherer zum Schutz ihrer Kunden ebenso wie zum eigenen Schutz bestehende Limite einschränken oder aufheben müssten. Eine Kreditversicherung ist aktives Risikomanagement, kein Vollkaskoschutz für riskante Geschäfte. Aber dieser Schritt – so zwingend notwendig er wirtschaftlich sein mag – würde viele Unternehmen in Deutschland hart treffen. Noch mehr Lieferketten würden reißen, das Vertrauen in den Handel noch weiter erodieren. An einer solchen Entwicklung kann niemand Interesse haben. Und wer für das Wohl einer Volkswirtschaft eine solch wichtige Funktion innehat wie die Kreditversicherer, hat auch eine Verantwortung. Dieser Verantwortung gerecht zu werden heißt in diesem Fall, zuerst nach anderen Lösungen zu suchen und auch bereit zu sein, einen eigenen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten.

Kreditversicherer leisten substanziellen Beitrag zum gemeinsamen Schutzschirm

Die Kreditversicherer haben genau das mit Erfolg getan. Dank einer Garantie der Bundesregierung können und werden sie die Limite im bestehenden Umfang von rund 400 Milliarden Euro weitestgehend aufrechterhalten. Sie gehen damit höhere Risiken ein, als es die tatsächliche Risikobewertung rechtfertigt. Gleichzeitig ist die gemeinsam mit der Bundesregierung gefundene Lösung so ausgestaltet, dass der Bund Schadenzahlungen in Höhe von 30 Milliarden Euro garantiert, aber auch die Versicherer einen substanziellen Beitrag leisten: Sie überlassen zwei Drittel ihrer Prämieneinnahmen für 2020 dem Bund, nehmen Verluste in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro in Kauf und tragen die Ausfallrisiken, die über die Garantie des Bundes hinausgehen. Sie erfüllen damit eine wesentliche Erwartung, die sich nicht allein an die Kreditversicherer, sondern an die Assekuranz insgesamt richtet: Nämlich auch und gerade in außergewöhnlich schwierigen Zeiten an der Seite ihrer Kunden zu stehen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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