Kolumne
Kolumne Pan­de­mie­ab­si­che­rung

Pan­de­mie-Schutz neu den­ken

Viele Geschäfte öffnen, auch die Produktion läuft an. Vom Alltag wie vor Corona ist die Wirtschaft aber noch weit entfernt – wenn er überhaupt je zurückkehrt. So oder so zwingt uns die Krise, über Pandemierisiken und Risikoschutz neu nachzudenken.

Als Versicherer sind wir den Umgang mit großen Zahlen gewohnt. Doch jetzt bereits ist absehbar, dass die ökonomische Dimension der Corona-Pandemie jenseits unseres Erfahrungshorizonts liegt.

Der Internationale Währungsfonds sieht die Welt in der schwersten Rezession seit fast 100 Jahren. Allein für Deutschland befürchtet der IWF einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um sieben Prozent oder gut 240 Milliarden Euro. Und das trotz eines beispiellosen Stützungspakets des Staates: Bund und Länder haben für 2020 direkte Hilfen von über 450 Milliarden Euro bereitgestellt, hinzu kommen Garantiezusagen von rund 820 Milliarden Euro.

Es ist offenkundig: Pandemie-Schäden dieser Dimension sind nicht versicherbar. Trotzdem wollen und können wir Versicherer einen Beitrag dazu leisten, künftige Krisen zu bewältigen. Den Impuls, darüber nachzudenken und kollektive Modelle für einen Pandemieschutz zu entwickeln, hatten in den vergangenen Tagen mehrere Versicherungsunternehmen gesetzt. Wie dieser Beitrag aussehen kann, diskutieren wir aktuell in einer Arbeitsgruppe mit Expertinnen und Experten aus unseren Mitgliedsunternehmen.

Es wird einen Virus nach Sars-CoV-2 geben

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass uns immer wieder schwere Virus-Epidemien heimgesucht haben. Daher wird auch Sars-CoV-2, wie er offiziell heißt, nicht der letzte Virus sein, der uns beschäftigt. Aber die Geschichte zeigt auch: Nicht jeder Virus ist so hochinfektiös, und nicht jede Epidemie wächst sich zu einer Pandemie aus.

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich meiner Ansicht nach, über einen abgestuften Risikoschutz nachzudenken. Die wirtschaftlichen Folgen lokal oder regional begrenzter Epidemien könnten Versicherer mit ihrem bewährten Instrumentarium bearbeiten. Auf einer zweiten Epidemiestufe könnten zusätzlich Kapitalmarktinstrumente wie beispielsweise Cat-Bonds zum Tragen kommen. Erst wenn alle diese Optionen ausgeschöpft sind, wäre der Staat gefordert.

Versicherer wollen dazu beitragen, dass sich Corona so nicht wiederholt

Auf diese Weise käme der Staat nicht von Anfang an, sondern erst am Ende der Eskalationsleiter ins Spiel. Das wäre auch ein klares Signal an alle Betroffenen, zuerst alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Krise zu bewältigen. Dazu gehören auch Präventionsmaßnahmen, die beispielsweise die Schließung eines Betriebs zumindest verzögern und den entstehenden Schaden verringern könnten. Versicherer könnten diese Bemühungen genauso unterstützen, wie sie dies in Bereichen wie dem Brandschutz erfolgreich getan haben. Eine Pandemieabsicherung, die sich von vornherein ganz auf den Staat verlässt, setzt demgegenüber keine Präventionsanreize.

Die Corona-Pandemie ist eine ökonomische Herausforderung bislang nicht gekannten Ausmaßes. Gerade deswegen wäre es falsch, alles in Frage zu stellen und bewährte Lösungen nicht mehr in Betracht zu ziehen. Wir Versicherer wollen mit unserem Know-How und unseren Ressourcen dazu beitragen, dass sich Corona so nicht wiederholt.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant