Kolumne
Kolumne Extrem­wet­ter

Jetzt anpas­sen an den Kli­ma­wan­del

Auch wenn die Corona-Krise derzeit alles auf den Kopf stellt: Der Kampf gegen den Klimawandel ist die Herausforderung des Jahrhunderts. Alle Klimamodelle zeigen, dass extreme Wetterlagen zunehmen. Ob hiermit auch mehr Schäden einhergehen, hängt entscheidend von der richtigen Anpassung an die Klimafolgen ab.

Haben Sie am Wochenende die Bilder vom Chiemsee gesehen? Wegen schwerer Unwetter hat die Feuerwehr am Sonntagabend etwa hundert Mal ausrücken müssen. Die meisten Einsätze gab es in Prien und den umliegenden Gemeinden.

Die Starkregen-Saison ist wieder einmal eröffnet. Oder wie es die Autoren des GDV-Magazins „Positionen“ ausdrücken: „Land unter aus heiterem Himmel.“ Der Regiotrend „Starkregen in Deutschland“ zeigt eindrucksvoll, wovor wie Versicherer schon lange warnen: Die Republik hat blaue Flecken: besonders viele im Süden und Westen, doch kein Landstrich bleibt bundesweit verschont. Die Flecken stehen für Gebäudeschäden durch extreme Niederschläge, betrachtet über 15 Jahre. Und Sie zeigen eindringlich: Es kann jeden treffen.

Starkregen und Hochwasser haben deutsche Versicherer allein im Jahr 2019 rund 300 Mio. Euro gekostet. Die höchsten Schäden gab es 2019 in Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg und Hessen. Der Klimawandel wird uns dabei zum Umdenken zwingen: Extreme Wetterereignisse wie im westfälischen Münster, Simbach oder Braunsbach werden weiter zunehmen. Es ist heute schon deutlich, dass die Gefahr von Überschwemmungen auch fernab großer Flüsse besteht. Kommunen müssen sich wappnen: etwa Sickerflächen schaffen, die Entwässerung ausbauen oder Flüsse renaturieren.

Klimaveränderungen, die wir heute beobachten, sind ein Erbe der Vergangenheit

Klimaveränderungen, die wir heute beobachten, sind nicht das Ergebnis aktueller Emissionen: Sie sind ein Erbe der Vergangenheit. Klimaschutz bedingt deshalb auch die vorausschauende Anpassung an Klimafolgen. Wenn Starkregen und Hagelschlag in zunehmender Weise Hab und Gut bedrohen, muss auch das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht angepasst werden – und zwar heute. Je später wir hiermit beginnen, desto größer wird der volkswirtschaftliche Schaden in der Zukunft ausfallen.

Der GDV begrüßt deshalb den Fahrplan für die EU-Strategie zur Klimaanpassung. Dies unterstreicht eben die Dringlichkeit, nicht nur die Reduzierung von Treibhausgasen voranzutreiben, sondern sich auch an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels anzupassen. Die Versicherung gegen extreme Wetterereignisse ist ein Instrument, das in vielen europäischen Ländern noch nicht ausreichend verfügbar ist. Die Erhöhung der Verfügbarkeit ist ein wichtiges Ziel unserer Branche. Europaweit. Die Kommission sollte jedoch berücksichtigen, dass es angesichts der unterschiedlichen regionalen Gefährdungslagen keine einheitliche Lösung für Europa geben kann.

Versicherung ist jedoch nur eine Seite der Medaille: Aufklärung und Prävention sind das A und O, um künftige Schäden in Grenzen zu halten und Elementarrisiken heute wie auch in Zukunft versichern zu können. Versicherer investieren viel, um Menschen über Gefahren von Extremwetterereignissen und Naturkatastrophen zu informieren. Leider spielt das Thema Klimafolgenanpassung bei Neubau und Renovierung von Gebäuden weiter nur eine untergeordnete Rolle. Nur wenige private Akteure haben die Folgen des Klimawandels bei ihren Planungen im Blick. Es spricht daher vieles dafür, die Notwendigkeit der Anpassung an den Klimawandel direkt im Bauplanungs- und Bauordnungsrecht zu verankern. Am besten europaweit.

Immobilienbesitzer und Mieter können jetzt ihr individuelles Naturgefahrenrisiko ermitteln

Grundlage für eine erfolgreiche Anpassung sind valide Daten. Jüngstes Beispiel: Unsere Initiative „Stadt.Land.unter.“ Immobilienbesitzer und Mieter können jetzt ihr individuelles Naturgefahrenrisiko ermitteln. Dazu haben wir gerade den Naturgefahren-Check auf unserem Verbraucherportal „Die Versicherer“ gestartet. Hier erfahren Sie nach Eingabe ihrer Postleitzahl, welche Schäden Unwetter am eigenen Wohnort ausgelöst haben, wie viele Gebäude im letzten Jahr in der Region betroffen waren, wie hoch die teuersten Schäden durch Starkregen, Sturm oder Hagel ausfielen und welche Hochwassergefahr besteht. Mitgliedsunternehmen des GDV können das Tool übrigens zu Marketing- und Vertriebszwecken kostenlos auf ihrer Website einbinden – und so bestenfalls unsere Informationen viral verbreiten – und die Öffentlichkeit informieren.

Denken Sie daran: Wer sein Haus oder Inventar richtig absichern will, braucht den erweiterten Naturgefahrenschutz (Elementarschadenversicherung). Diesen gibt es als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. In neueren Policen ist der Baustein oft schon enthalten. Eigenheimbesitzer und Mieter sind dann auch vor Zerstörungen gefeit, die auf Starkregen oder Überschwemmungen zurückgehen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth


Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung geht in die Sommerpause. Spätestens ab dem 19. August geht es wieder wöchentlich weiter.

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