Kolumne
Kolumne Kli­ma­pa­ket

Gut Wet­ter machen reicht nicht mehr aus

Erst der Klimagipfel im Berliner Kanzleramt, dann der UN-Klimagipfel in New York. Wir haben uns einzustellen auf eine Ökonomie, in der Investitionen an Wert verlieren werden, wenn Unternehmen und deren Produkte Grundsätze nachhaltigen Handelns nicht berücksichtigen. Das gilt natürlich auch für Versicherer - in der Kapitalanlage, wie beim Tragen von Risiken.

An nachhaltigem Handeln führt kein Weg mehr vorbei: im Sinne künftiger Generationen sowieso und erst recht im ökonomischen Sinne. In ihrer Rede beim Klimagipfel in New York hat die junge Aktivistin Greta Thunberg Staats- und Regierungschefs gerade wieder mangelnde Handlungsbereitschaft vorgeworfen.

An politischen Willensbekundungen mangelt es nicht: Denken Sie an die Bewerbungsrede von Ursula von der Leyen vor dem Europäischen Parlament: Die enormen Mittel, mit denen sie die EU zum „ersten klimaneutralen Kontinent“ machen will, müssen nicht nur erst erwirtschaftet, sie müssen durch ein Regelwerk auch umgesetzt werden. An dem „European Green Deal“ wird in Brüssel, Berlin und den anderen europäischen Hauptstädten gegenwärtig gearbeitet.

Das Klimakabinett der Bundesregierung hat vergangenen Freitag erste Beschlüsse gefasst: Auch wir Versicherer werden uns darauf einzustellen haben, dass künftig staatlicherseits viel stärker auf Erträge und Einkommen zugegriffen wird – zu Lasten privater und unternehmerischer Spielräume. Wir wären gut beraten, wenn wir uns mit unseren Produkten und unserer Kapitalanlage darauf kreativ einstellen.

Die Folgen des Klimawandels werden alle Verbraucher spüren

Wer auf die hohen Kosten des Klimapaketes der Bundesregierung hinweist, der darf die drohenden Kosten und verheerenden Folgen des Klimawandels für jeden einzelnen nicht verschweigen. Die fortschreitende Erderwärmung wird gravierende Folgen auch für Deutschland haben: Überschwemmungen, Hagel und heftige Stürme werden zunehmen und ohne geeignete Anpassungsmaßnahmen viel höhere Schäden als heutzutage verursachen. Das werden am Ende nicht nur Haus- und Autobesitzer, sondern alle Verbraucher spüren.

Wir müssen deshalb alles tun, um eine kritische Erderwärmung über das 2°C-Ziel des Klimagipfels von Paris zu vermeiden. Je höher die Durchschnittstemperaturen steigen, desto schwerwiegender fallen Schadenereignisse durch Naturgefahren wie etwa Überschwemmungen oder Dürre aus. Wenn in Zukunft die Schäden zunehmen und so häufig auftreten, dass ein Risikoausgleich im Versichertenkollektiv nicht mehr vernünftig darstellbar ist, steht ultimativ auch die Versicherbarkeit solcher Schäden in Frage. Auch staatliche Hilfen kämen ohne Zweifel an ihre Grenzen.

Schätzungen der EU zufolge sind jährlich Investitionen in Höhe von 180 bis 290 Mrd. Euro erforderlich, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Hier kann die Versicherungswirtschaft Kapital für den Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur zur Verfügung stellen. Unsere Branche ist schon heute einer der größten Förderer der Energiewende – allein 2018 haben wir rund 6 Milliarden Euro Kapital für entsprechende Projekte zur Verfügung gestellt.

Das geplante Preisschild für die Produktion von Kohlendioxid geht daher in die richtige Richtung

Die Umlenkung von Kapitalströmen allein über die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und neue Offenlegungspflichten, so wie es derzeit auf vielen Ebenen intensiv diskutiert wird, wird kaum funktionieren. Entscheidend ist, da anzusetzen, wo das Problem liegt. Das nun von der Bundesregierung geplante Preisschild für die Produktion von Kohlendioxid geht daher in die richtige Richtung, denn nur so werden klimafreundliche Investments gefördert und klimaschädliche Investitionen unattraktiver.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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