Kolumne
Kolumne Brand­ge­fahr

Feu­er­schä­den im Drei-Minu­ten-Takt

Die Geschwindigkeit, mit der sich Flammen ausbreiten, und die weitreichenden Folgen sind den meisten Menschen nicht bewusst. Oft sind es Unwissenheit und Leichtsinn, die zur Katastrophe führen. Trotz strenger Brandschutzregeln ist die Gefahr längst nicht gebannt.

Eine Nachricht hat Mitte April mit spektakulären Bildern die Welt in Aufruhr versetzt: Notre-Dame brennt lichterloh. Gut zwei Monate ist das jetzt her: Trotzdem werden in der Kirche heute zwar bereits wieder kleine Gottesdienste gefeiert. Der Wiederaufbau wird aber Jahre dauern und viel Geld kosten.

Das Inferno in Frankreich  steht nicht nur sinnbildlich für eine Urangst der Menschen, sondern auch für einen spürbaren Ausschlag der Feuer-Statistik 2018 in Deutschland: Trotz hoher Brandschutzstandards stiegen die durch Feuer verursachten Schäden in vielen Bereichen – unter anderem aufgrund von defekter Elektrik und Fahrlässigkeit. Wo die Gefahren lauern und wie Prävention die Folgen eindämmen kann, lesen Sie in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe unseres Verbandsmagazins „Positionen“, die auch mit einer exklusiven Grafik zur Verteilung der Schäden in Deutschland aufwartet.

Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass die Brandgefahr steigt

Um bis zu 29 Prozent sind die durchschnittlichen Schäden der deutschen Feuerversicherer im vergangenen Jahr gestiegen, bei Wohnungen, Häusern und Gewerbeobjekten, am stärksten in der Landwirtschaft. In der Industrie registrierte der GDV sogar die zweitgrößte Belastung durch Großschäden der vergangenen 20 Jahre.

Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass die Brandgefahr steigt. Nach der Dürre des vergangenen Sommers und dem ebenfalls sehr trockenen Winter brennt das Unterholz im Wald wie Zunder. Denken Sie etwa an das Emsland, wo nach einer missglückten Schießübung der Bundeswehr wochenlang das Moor brannte. Oder jüngst die tobenden Waldbrände in Jüterbog.

Das vergangene  Jahr hat noch einmal deutlich gezeigt, dass Leichtsinn und Fehlverhalten auch bei sehr strengen Brandschutzvorschriften zur Katastrophe führen können. Das beginnt mit dem Zigarettenstummel, der achtlos aus dem Fenster eines Fahrzeuges geworfen wird. Das endet mit der Unwissenheit über die Ausbreitungsgeschwindigkeit eines Feuers und dessen Folgen für Mensch, Sachwerte und Umwelt.

Das alles hat Folgen, die wir Versicherer in der Statistik bemerken: Jährlich zählen die Wohngebäudeversicherer deutschlandweit rund 200.000 Feuerschäden – im Schnitt kommt es also etwa alle drei Minuten zu einer Schadenmeldung. Die Kosten summierten sich 2018 nach vorläufigen Schätzungen auf rund 1,2 Milliarden Euro. Ein Anstieg um 150 Millionen Euro im Vergleich zu 2017. Während die Zahl der Schäden konstant blieb, erhöhte sich der  Aufwand für einen durchschnittlichen Schaden um rund 700 Euro auf geschätzt 5.730 Euro.

Wie würden Sie im Falle eines Wohnungsbrandes vorgehen?

Die Ursachen sind vielfältig. Ein häufiger Brandherd: Elektrische Leitungen oder Bauteile von mangelhafter Qualität. Auch dank des World Wide Webs gelangen viele Billigprodukte aus Asien auf den deutschen Markt, die nicht den hiesigen Sicherheitsvorschriften entsprechen.

Und wie würden Sie im Falle eines Wohnungsbrandes vorgehen? Um das nötige Know-how für den Ernstfall zu vermitteln, unterstützen Versicherer etwa Tage der offenen Tür bei den Feuerwehren.

Immerhin: Der unter anderem von unserer Branche lange geforderte und inzwischen flächendeckend vorgeschriebene Einsatz von Rauchmeldern in Deutschland hat dazu beigetragen, die Zahl der Todesfälle von 787 im Jahr 1990 auf 367 (2015) mehr als zu halbieren.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

Die Kolumne des Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung geht in die Sommerpause. Ende Juli geht es wieder wöchentlich weiter.

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