Kolumne
Kolumne Auto­ma­ti­sier­tes Fah­ren

Einen ziem­lich guten mensch­li­chen Fah­rer nicht durch anfäl­lige tech­ni­sche Sys­teme erset­zen

Schon bald bewegen sich vernetzte Fahrzeuge emissionsfrei und autonom. Sie stehen nie im Stau und haben keine Pannen. Dafür kennen sie den schnellsten Weg, die günstigste Ladesäule und den nächsten freien Parkplatz. Unfälle gibt es keine mehr, denn der Mensch überlässt das Lenken, Gas geben und Bremsen unfehlbaren Algorithmen - tatsächlich?

Experten aus Automobilindustrie, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft, Politik und Justiz sind am Dienstag der Einladung unseres Verbandes zu einem Symposium in Berlin gefolgt und haben die Zukunft diskutiert und ausgelotet: „Automatisiertes und vernetztes Fahren – schöne neue Welt!?“ Aber sind die Systeme wirklich sicher und liegen all die dafür notwendigen Daten in den richtigen Händen?

Automatisierung: Kein technischer Fortschritt zum Preis zusätzlicher Risiken

Noch ist der Mensch am Steuer unersetzlich – und mit Verlaub: Er macht seinen Job richtig gut. Rechnerisch verursacht ein Fahrer nur alle 2,5 Millionen Kilometer einen Unfall mit Verletzten. Das ist die Messlatte. Nur wenn die neue Technik die Straßen sicherer macht, kann und wird die Gesellschaft automatisierte Autos akzeptieren und gutheißen.

Automatisierte Systeme müssen nicht nur im Neuwagenzustand, sondern über die gesamte Lebensdauer besser fahren als der Mensch. Heute können automatische Helfer schon von dichtem Regen, Nebel oder Schneegestöber überfordert sein. Die Technik ist noch weit davon entfernt, jede denkbare Situation zu meistern.

Wir sollten also einen ziemlich guten menschlichen Fahrer nicht durch anfällige technische Systeme ersetzen, die regelmäßig um Hilfe bitten müssen. Denn so würden neue Risiken entstehen: Studien unserer Unfallforscher zeigen, dass ein abgelenkter Fahrer längere Zeit braucht, bevor er wieder richtig reagieren kann. Auf dem Weg zum automatisierten Fahren dürfen wir aber weder Mensch noch Maschine überfordern. Das heißt konkret: Bevor automatisierte Systeme tatsächlich auf die Straße kommen, müssen sie so ausgereift sein, dass der Fahrer nur noch selten eingreifen muss, er in solchen Fällen genug Zeit für eine Reaktion hat und das Auto auch ohne Hilfe des Fahrers sicher zum Stehen kommt.

Vernetzung: Die Daten vernetzter Autos gehören in die Hände der Autofahrer

Die Daten vernetzter Autos sind ein wertvolles Gut, das in die Hände der Autofahrer gehört. Sie – und nicht die Autohersteller – sollten die maximale Kontrolle über die Daten haben und frei entscheiden können, ob, wann und wem sie welche Daten senden und von wem sie wann welche Dienstleistung erhalten möchten. Nur mit einer solchen vollen Wahlfreiheit und Datensouveränität werden Fantasie und Unternehmergeist dafür sorgen, dass rund um die neuen Daten schnell neue Märkte und Dienstleistungen entstehen.

Die ideale technische Lösung dafür ist eine vom Automobilhersteller unabhängige Plattform in den vernetzten Autos, die den Datenaustausch standardisiert, sicher macht und für alle Anbieter zugänglich ist. Der Gesetzgeber sollte zügig die richtigen Rahmenbedingungen für eine solche Plattform schaffen und so ein drohendes Datenmonopol der Autohersteller verhindern.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant