Kolumne
Kolumne Review Sol­vency II

Anpas­sun­gen von Sol­vency II mög­lichst ideal mit Plä­nen für Green Deal der EU abstim­men!

Zusätzliche Offenlegungspflichten führen für sich genommen nicht zu mehr Investitionen in Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Darum Obacht: Die bisherigen Vorschläge der europäischen Versicherungsaufsicht für Reformen von Solvency II liefern zu wenige Impulse für langfristige Investitionen – oder erschweren diese sogar.

Schätzungen der EU zufolge sind jährlich Investitionen in Höhe von 180 bis 290 Mrd. Euro erforderlich, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Versicherer können Kapital für den Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur zur Verfügung stellen. Sie sind schon heute einer der größten Förderer der Energiewende – aktuell haben sie alleine für deutsche Projekte nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz knapp 6 Mrd. Euro an Kapital aufgebracht.

Unsere Branche will ihr Engagement ausbauen und ist idealer Partner für die Energiewende: Die Sustainable Finance-Strategie der EU sollte sich deshalb darauf fokussieren, die vorhandenen Marktkräfte nutzbar zu machen. Dazu gehört zunächst eine europaweit verbindliche Kohlendioxid-Bepreisung, welche dem Verursacherprinzip gerecht wird. Indem man den Unternehmen weitgehende Freiheiten bei der Integration von mehr Nachhaltigkeit in ihre Arbeitsabläufe einräumt, können die gesamtgesellschaftlich und ökonomisch effizientesten Lösungen gefunden werden.

Zusätzliche Offenlegungspflichten führen  alleine nicht zu dringend benötigten Investitionen in Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ein Schwerpunkt der zukünftigen Aktivitäten in der Europäischen Union sollte vielmehr darauf liegen, nachhaltige Projekte zu schaffen und diese durch richtige Rahmenbedingungen, etwa durch eine intelligente Förderbankenpolitik oder eine Vertiefung der Kapitalmarktunion, für private Kapitalgeber investierbar zu machen.

Unsere prädestinierte Rolle als Kapitalgeber für nachhaltige Großprojekte könnte geschwächt werden

Die geplante Überarbeitung der Eigenmittelregeln für unsere Branche nimmt gerade Konturen an – und ist auch aufgrund der soeben verfassten Absätze von großer Bedeutung für unsere Branche. Denn die vorliegenden Entwürfe der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa für Reformen von Solvency II könnten unbeabsichtigte Folgen haben: Werden sie umgesetzt wie derzeit geplant, würden langfristige Investitionen für unsere Branche deutlich erschwert – und damit unsere prädestinierte Rolle als Kapitalgeber für nachhaltige Großprojekte, wie etwa Windparks, geschwächt. Ein Beispiel sind die Entwürfe zur Modellierung langfristiger Verbindlichkeiten: Sie würden die modellbedingten Schwankungen stark erhöhen – und das für ein langfristiges und stabiles Geschäftsmodell.

Anpassungen von Solvency II sollten im Gegenteil möglichst ideal mit den Plänen des Green Deal der EU abgestimmt werden und sie nicht konterkarieren. Doch genau das ist der Fall: Die bisherigen Vorschläge der Eiopa liefern zu wenig Impulse für langfristige Investitionen oder erschweren diese sogar.

Nur mit einer nachhaltig wachsenden Wirtschaft wird Europa eine Vorreiterrolle in der Bekämpfung des Klimawandels spielen

Wie wir uns den regulatorischen Zusammenhang von Solvency II mit langfristigen Investitionen vorstellen, haben wir jüngst in einer Veröffentlichung anhand dreier Punkte beleuchtet, die bei der Überarbeitung von Solvency II eine besondere Rolle spielen: einer Änderung bei der Berechnung der risikofreien Zinskurve zur Modellierung langfristiger Verbindlichkeiten, einer Berücksichtigung von Negativzinsen im Stressszenario des Standardmodells sowie einer Überarbeitung der Volatilitätsanpassung. Unsere Position können Sie hier nachlesen.

Ja – ohne regulatorische Vorgaben kann ein Green Deal nicht gelingen. Gesetzliche Regeln sollten die Marktkräfte aber nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken: Nur mit einer nachhaltig wachsenden Wirtschaft wird Europa eine Vorreiterrolle in der Bekämpfung des Klimawandels spielen.

Jörg von Fürstenwerth


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