Lebens­ver­si­che­rung

Zins­zu­satz­re­serve bringt zusätz­li­che Sicher­heit

Lebensversicherer sorgen vor, um auch in Zeiten extrem niedriger Zinsen die in früheren Jahren noch bei einem höheren Zinsniveau zugesagten Versicherungsleistungen sicher erfüllen zu können – sie bilden eine so genannte Zinszusatzreserve (ZZR). Wie diese ZZR funktioniert, wie sie sich bisher entwickelt hat und welchen Einfluss sie in den kommenden Jahren voraussichtlich haben wird, erläutert der folgende Beitrag.

Lebensversicherungsunternehmen müssen jederzeit in der Lage sein, die garantierten Versicherungsleistungen gegenüber den Kunden zu erfüllen. Zur Bewertung ihrer garantierten Leistungen legen sie einen Rechnungszins zugrunde, den sie aller Voraussicht nach sicher erwirtschaften können. Dieser Rechnungszins darf nie höher liegen als der gesetzlich festgelegte Höchstrechnungszins zu Vertragsbeginn. Umgangssprachlich wird er oft als Garantiezins bezeichnet.

Sicherheitspolster für die Zukunft

Wenn das Zinsniveau etwa von Bundesanleihen stark fällt, wird es für die Versicherer tendenziell anspruchsvoller, mit dem für die Kunden zurückgelegten Kapital die angenommene Rendite stets sicher zu erwirtschaften. Im Niedrigzinsumfeld bauen Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds daher für die Zukunft ein zusätzliches Sicherheitspolster auf. Sie stellen zur Sicherheit für die einkalkulierte Verzinsung frühzeitig zusätzliche Beträge in der Bilanz zurück – die sogenannte Zinszusatzreserve.  

Zum Jahresende 2020 werden die Lebensversicherer bereits eine Zinszusatzreserve von rund 87 Milliarden Euro aufgebaut haben. Das sind rund 11 Milliarden Euro mehr als 2019. Dies ergeben Berechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die gesamte Branche.

Die Höhe der ZZR ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Von der Höhe der garantierten Leistungen, von der Laufzeit der Verträge im Versicherungsbestand und vom Referenzzins. Der Referenzzins gibt vor, mit welchem Zins ein Lebensversicherer in seiner Bilanz die Deckungsrückstellungen [Glossar] versicherungsmathematisch höchstens berechnen darf. Ist der Referenzzins niedriger als der Rechnungszins eines Versicherungsvertrages, muss der Lebensversicherer die Differenz „nachreservieren“ –also eine ZZR aufbauen.

ZZR steigt langsamer 

Der Aufbau der ZZR wird in den kommenden Jahren zwar weiter gehen, die jährlichen Beträge werden voraussichtlich jedoch abnehmen (siehe Tabelle). Diese Berechnungen unterstellen bereits, dass der sichere Kapitalmarktzins mit -0,16 Prozent negativ bleibt. Für den Referenzzins ergibt sich daraus ein weiterer Rückgang auf 0,47 Prozent bis 2031. Sollten die Zinsen allerdings weiter fallen, würde die ZZR stärker steigen.

Nicht jeder Rückgang des Referenzzinses führt zwangsläufig zu einem Anstieg der ZZR. Im Gegenteil: Ab etwa dem Jahr 2032 ist auch beim aktuellen Negativzins mit einer schrittweisen Auflösung der Reserve zu rechnen. Diese Mittel werden dann zur Finanzierung der Rechnungszinsen genutzt. Sie wandern jährlich in das Deckungskapital der Kunden.

Sollten die Zinsen wieder steigen, kann die ZZR schneller abgebaut werden, freiwerdende Mittel gehen in die Überschussbeteiligung ein.

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