Alters­ab­si­che­rung

Wie sehr sich die schnelle Rück­kehr in den Beruf für Müt­ter aus­zahlt

Eine Prognos-Studie zeigt: Eine Frau kann ihre gesetzliche Rente um mehr als die Hälfte aufbessern, wenn sie nach der Geburt ihrer zwei Kinder rasch wieder arbeitet. Dank des höheren Gehalts kann sie auch mehr privat vorsorgen. Von Karsten Röbisch

Die Geburt des Kindes bedeutet für viele Frauen einen beruflichen Einschnitt. Denn zumeist sind sie es, die zugunsten der Familie im Job kürzer treten – auch nach Ende der Elternzeit: Nur bei knapp einem Drittel der Beziehungen arbeitet Sie anschließend noch voll oder annähernd voll. In vier von zehn Beziehungen leistet Sie nach der Geburt maximal noch 25 Stunden. Und immerhin bei 14 Prozent der Paare steigen die Mütter sogar komplett aus dem Beruf aus.

Die Gründe für den Karriereverzicht sind vielfältig: Persönliche Vorstellungen vom Ideal einer Familie spielen ebenso eine Rolle wie externe Faktoren, etwa die Verfügbarkeit eines Betreuungsplatzes. In jedem Fall aber drohen mit dem Kürzertreten Einbußen beim Alterseinkommen. Denn wer weniger arbeitet, erwirbt schlichtweg auch weniger Rentenansprüche. Oder andersherum: Es zahlt sich aus, rasch nach der Geburt des Kindes wieder beruflich durchzustarten.

Gesetzliche Rente kann um gut die Hälfte steigen

Und der Zugewinn ist beträchtlich, wie das Analysehaus Prognos in einer aktuellen Studie ermittelt hat. Um mehr als 50 Prozent kann demnach eine 1983 geborene Frau mit zwei Kindern ihre gesetzliche Rente aufbessern, wenn sie schnell in den Beruf zurückkehrt. Eine Bürokauffrau käme dann in Preisen von 2016 gerechnet auf 2400 Euro statt auf 1600 Euro Rente, die sie erhielte, wenn sie sich mit der Rückkehr in den Job Zeit lässt.

 

 

Für die Musterrechnungen hat Prognos drei verschiedene Erwerbstypen unterstellt:

  • Die erwerbsorientierte Mutter: Die erwerbsorientierte Mutter nimmt nur zehn Monate Elternzeit, stockt nach der Rückkehr in den Beruf relativ rasch wieder auf 35 Stunden auf, um nach dem 12. Geburtstag ihrer zweiten Tochter bis zum Rentenbeginn voll zu arbeiten.
  • Die familienorientierte Mutter: Sie schöpft die Erziehungszeit von jeweils zwei Jahren für ihre beiden Kinder voll aus und arbeitet anschließend nur 20 Stunden.
  • Die Zuverdienerin: Die Zuverdienerin bewegt sich zwischen den Extremen: Sie nimmt nach der Geburt ihrer Kinder jeweils 18 Monate Elternzeit. Danach arbeitet sie für bis zu zwei Jahre 20 Stunden die Woche, bevor sie auf 30 Stunden aufstockt.

Erwerbsorientierte Mutter steht besser da als kinderlose Frau

Am Ende hat die erwerbsorientierte Mutter nicht nur eine um die Hälfte höhere Rente als die familienorientierte. Sie steht sogar besser da als eine kinderlose Frau, die zeitlebens Vollzeit gearbeitet hat. Der Grund: Mütter bekommen bei der Berechnung der Rente Kindererziehungszeiten angerechnet.

Was die Prognos-Studie auch zeigt: Mehr Wochenstunden zu arbeiten lohnt sich für alle Mütter – unabhängig von ihrem Qualifikations- oder Gehaltsniveau. Eine Verkäuferin, die eine einfache Qualifikation besitzt und relativ wenig verdient, bessert mit einer raschen Rückkehr in den Beruf  ihre gesetzliche Rente anteilig genauso stark auf wie eine hoch qualifizierte Controllerin. Weil letztere aber mehr verdient, ist der absolute Zuwachs bei ihr höher. Qualifizierte Mütter haben somit auch durch die spätere Rentenhöhe einen größeren Anreiz, ihre Arbeitszeit auszudehnen.

Höherer Verdienst schafft mehr Möglichkeiten für die private Altersvorsorge

Mit einer stärkeren Erwerbsorientierung bessern Frauen aber nicht nur ihre gesetzliche Rente auf, sie gewinnen zugleich mehr Spielräume für die private Altersvorsorge. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach belegt, dass Mütter minderjähriger Kinder umso mehr sparen, je mehr sie arbeiten. Während Frauen in Vollzeit durchschnittlich 140 Euro im Monat für die private Altersvorsorge ausgeben, beläuft sich der Betrag bei Teilzeit-Müttern auf 100 Euro, bei nicht erwerbstätigen Müttern sogar nur auf 70 Euro.

So unterstellt auch Prognos in seiner Studie variable Sparraten in Höhe von vier bis zwölf Prozent des verfügbaren Nettoeinkommen – maximal jedoch 2100 Euro im Jahr. Das Geld fließt in eine staatlich geförderte Riester-Rente. Das Ergebnis: Frauen können so ihre gesamten Altersbezüge um fast 20 Prozent steigern. Der Anteil der Zusatzrente wächst mit zunehmender Erwerbstätigkeit und höherem Einkommen. Weil Gutverdienerinnen jedoch irgendwann an die Riester-Höchstfördergrenze von 2100 Euro pro Jahr stoßen, fällt der anteilige Zugewinn für sie etwas niedriger aus. Würden die Frauen nicht nur ihr eigenes Einkommen als Basis für den Riester-Vertrag nutzen – wie in der Grafik dargestellt –, sondern das partnerschaftlich verfügbare Haushaltseinkommen, wären sogar noch höhere Zusatzrenten möglich.


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