Weltspar­tag

Wie die Lebens­dauer den Spar­be­darf beein­flusst

Mit steigender Lebenserwartung wächst der Altersvorsorgebedarf der Menschen. Doch niemand kann wissen, wie lange seine Ersparnisse reichen müssen. Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet die private Rentenversicherung.

Der Weltspartag am 30. Oktober hat eine lange Tradition, ist aber so aktuell wie eh und je. 1925 ins Leben gerufen, soll er die Menschen daran erinnern, dass sich Sparen langfristig lohnt, weil es beispielsweise größere Anschaffungen ermöglicht oder einen abgesicherten Ruhestand. Diese Botschaft gilt gerade heute, schließlich steigt der private Vorsorgebedarf mit sinkendem gesetzlichen Rentenniveau.

Für Verbraucher ist die finanzielle Absicherung des Ruhestands jedoch eine knifflige Sache. Wieviel sie beiseitelegen müssen, können sie nur grob abschätzen. Denn der Sparbedarf hängt von mehreren Faktoren ab, die vorab unbekannt sind. Das gesetzliche Rentenniveau zählt beispielsweise dazu, aber auch die Höhe des Erwerbseinkommens oder der Zins, zu dem sich die Ersparnisse vermehren. Und nicht zuletzt hat die Lebenserwartung einen großen Einfluss auf den Vorsorgeaufwand, wie eine aktuelle Berechnung des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des GDV unterstreicht.

Durchschnittsverdiener muss jährlich 2700 Euro zurücklegen

Ein 30-Jähriger, der zeitlebens den Durchschnittslohn verdient, muss demnach während seines Berufslebens nominal rund 110.000 Euro aktiv sparen, um im Alter auf ein Sicherungsniveau von 55 Prozent zu kommen, wie es bis zu den Renten-Reformen zur Jahrtausendwende galt. Das macht jährlich knapp 2700 Euro. Der Berechnung liegt eine Nachkostenrendite über die gesamte Spar- und Ruhestandsphase hinweg von durchschnittlich 2,6 Prozent zugrunde sowie eine Rentendauer von 24 Jahren. Denn so lang ist im Schnitt die verbleibende Lebenserwartung der 1990 Geborenen, wenn sie – wie Stand heute der Fall – mit 67 Jahren in Rente gehen.

Die Zahl hat allerdings eine begrenzte Aussagekraft, denn sie beschreibt nur den statistischen Mittelwert. Die Menschen können Pech haben und früher sterben. Oder eben das Glück besitzen und länger leben, wofür dann auch höhere Ersparnisse nötig wären. Bei einem um ein Jahr längeren Ruhestand erhöht sich der Sparbedarf – bei sonst gleichen Bedingungen – auf insgesamt 113.000 Euro oder 2.800 Euro pro Jahr. Diejenigen, die mit dem 100. Geburtstag rechnen, müssten laut Prognos gar 3.300 Euro jährlich zurücklegen, um für die Dauer ihres Ruhestands finanziell abgesichert zu sein.

Gut jeder Zehnte des Jahrgangs 1990 feiert 100. Geburtstag

Und die Wahrscheinlichkeit eines langen Lebens ist gar nicht mal so klein. Von den Männern des Jahrgangs 1990, die das Rentenalter erreichen, werden knapp zehn Prozent 100 Jahre oder älter, von den Frauen sind es laut Kohortensterbetafel des Statistischen Bundesamtes gar gut 15 Prozent. Wie aber umgehen mit der Ungewissheit über die eigene Lebenserwartung? Planen für den Extremfall, für eine Lebenserwartung von 100 Jahren, und sich dafür während des Erwerbslebens stärker einschränken? Oder Mut zur Lücke beweisen mit dem Risiko, dass das Ersparte vorzeitig aufgebraucht ist und der Gürtel dann enger geschnallt werden muss?

Rentenversicherung macht Langlebigkeitsrisiko beherrschbar

Mit einer privaten Rentenversicherung lässt sich dieses Dilemma umschiffen. Sie zahlt unabhängig davon, wie alt der Kunde wird. Für einen Einzelnen ist das „Risiko“ eines langen Lebens zwar nicht beherrschbar, in einer Gruppe vieler Menschen allerdings schon. Ein Versicherer kalkuliert die monatliche Rente für das gesamte Kollektiv auf Basis der mittleren Lebenserwartung. Für die Menschen, die früher sterben, muss er weniger Renten zahlen und kann das dadurch freiwerdende Vermögen nutzen, um die Leistungen für die besonders Langlebigen zu finanzieren.

Mit der weiteren Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus dürfte die Verrentung des angesparten Vermögens an Bedeutung gewinnen. Denn dem Sparen kommt dadurch eine andere Bedeutung zu. „Private Altersvorsorge wird in Zukunft von vielen nicht mehr für die Finanzierung von Extras, sondern zur Sicherung des gewünschten Lebensstandards im Alter benötigt“, sagt Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm. Es geht dann eher darum, das Geld für Miete, Nahrungsmittel, Kleidung oder den kleinen Urlaub zu haben. Und zwar dauerhaft. „Jeder Mensch, der lebenslange Ausgaben hat, braucht ein lebenslanges Einkommen“, betont Ruß.

Text: Karsten Röbisch

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