Schadenverhütung
Prä­ven­tion

Wenn es gar nicht erst zum Scha­den kommt

Die Versicherung zahlt, wenn es kracht. Aber viel besser ist es, wenn es erst gar nicht zum Schaden kommt. Deshalb fördern die Versicherer eine aktive Prävention – und kommen schon mal persönlich vorbei.

Robert Schmidt-Thomé starrt an die Wand. Der Putz ist ab, der frühere Glanz der barocken Kapelle aus dem 18. Jahrhundert lässt sich im Moment nur erahnen. Noch immer wird das Gotteshaus, der prunkvollste Teil eines Kinderheims in Passau, saniert. Schmidt-Thomé ist auf Details fixiert: Wird hier möglichst wasserfester Putz verarbeitet? Sind das mineralische Farben, die bei Feuchtigkeit nicht abblättern?

Schmidt-Thomés Mission in der bayerischen Drei-Flüsse-Stadt ist Schadenprävention. Er will dem Besitzer des Kinderheims, einer gemeinnützigen Stiftung, helfen, die Kapelle bei zukünftigen Hochwassern besser zu schützen. „Der primäre Aspekt ist: Wie kann ich den Schaden möglichst gering halten?“, erzählt Schmidt-Thomé, der bei der Versicherungskammer Bayern als Risk-Manager arbeitet. Gerade bei solchen Fällen, in denen Hochrisiko-Objekte im Fokus stehen, zeigt sich: Versicherung und Prävention gehen immer Hand in Hand. Ohne Bemühungen, Schäden zu verhindern, wäre heute Versicherung nicht möglich.

„Vorsorge ist besser als Nachsorge – das ist eine eherne Regel unseres Geschäfts“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Von der Präventionsarbeit der Assekuranz hat wohl jeder Deutsche schon einmal profitiert. Zum Beispiel von der Forschung der Versicherer für mehr Verkehrssicherheit: Die Einführung des Gurtpflicht in Deutschland war vor allem dem Engagement der Versicherer zu verdanken. Die bessere Sicherung von Steckdosen, die Zertifizierung von Fahrradschlössern oder die Förderung von Rauchmeldern: überall steckt mehr oder weniger Präventionsarbeit der Versicherer drin – auch wenn das nicht immer so klar ist, wie bei einem Ortsbesuch des Experten in Passau.

Vor zwei Jahren stand das Wasser in der denkmalgeschützten Kapelle Meterhoch. Der Kinderheim-Komplex steht an einem der hochwassergefährdetsten Orte Deutschlands: Mitten an einem der tiefsten Punkte in der Altstadt von Passau. Das Hochwasser 2013 brachte der Stadt an Donau, Inn und Ilz Pegelstände bis zu 12,89 Meter. Umgangssprachlich nennen die Passauer es das Jahrhundertwasser. Schmidt-Thomé ist da präziser: „Das könnte ein hundertjähriges gewesen sein, aber auch das fünfhundertjährige“, erzählt er. Nur einmal, im Jahr 1501, stand das Wasser mit 13,2 Metern noch höher in der pittoresken Altstadt. Als Risikomanager kennt sich Schmidt-Thomé mit Statistik aus.

Wann das Wasser wieder auf Rekordhöhe in der Altstadt stehen wird, lässt sich mit Statistik nicht vorhersagen. Aber eines ist in Passau fast so sicher wie das Amen in der barocken Kapelle: Das nächste Hochwasser kommt – zuverlässig und sehr wahrscheinlich nicht erst in 20 Jahren. Somit berät Schmidt-Thomé die Stiftung, wie sie zu einem Hochwasserschutzkonzept für das Kinderheim kommt. Wen kann man ansprechen, was sind die ersten Schritte? Wie können Schäden minimiert werden, wenn das Hochwasser nicht gleich 12 sondern nur 3 Meter am Kinderheim steht? Als gelernter Geologe kann er gut einschätzen, wie der Druck bei höheren Pegelständen das Grundwasser in das Gebäude drückt, selbst wenn die Flut von außen gar nicht mehr herein kommt. „Aber dann bleibt der Schmutz draußen und die Schäden durch das Grundwasser sind geringer“, erklärt Schmidt-Thomé. Nur mit einer ganzheitlichen Analyse lassen sich Kosten und Nutzen von Schutzmaßnahmen beurteilen und anschließend sinnvoll investieren.

„Viele Versicherer bieten eine individuelle Präventionsberatung zu Naturgefahren an“, sagt Oliver Hauner, der beim GDV den Bereich Sach- und Technische Versicherung und Schadenverhütung leitet. Zum Beispiel auch bei der Verhütung von Schäden durch Starkregen. „Da kommen die Abwassersysteme schnell an ihre Grenzen. Man muss baulich etwas tun, zum Beispiel Rückstauventile in das Abwassersystemintegrieren oder Lichtschächte vor Wassereinbruch schützen“, erzählt Hauner.

Abseits individueller Beratungen stellen die Versicherer viele Informationen zur Verfügung, wie Hochwasserschäden zum Beispiel schon beim Hausbau vermieden werden können. In der Hochwasserprävention engagieren sich Versicherer gemeinsam mit Verbraucherschützern und Politik in gemeinsamen Kampagnen für mehr Gefahrenbewusstsein der Bevölkerung. Zudem können sich Mieter, Hausbesitzer und Gewerbetreibende online informieren: Das Naturgefahrenportal, Kompass-Naturgefahren.de und Hochwasserpass.com geben Mietern, Hausbesitzern und Gewerbetreibenden über ihr individuelles Flutrisiko Auskunft.

Eine denkmalgeschütze Kapelle im Hochrisikogebiet ist hier aber eine besondere Herausforderung. Die Arbeit hat mit dem Besuch Schmidt-Thomés erst begonnen. Doch wenn die jahrhundertealte Kapelle auch in zwanzig Jahren noch im alten Glanz erstrahlen soll, führt an vernünftiger Schadenprävention kein Weg vorbei. Das Know-How dafür kommt auch von der Versicherung.

Prävention: Auch hier helfen die Versicherer bei der Schadenverhütung

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