Lebens­ver­si­che­rung

So wirkt die Zins­zu­satz­re­serve

Versicherer bilden seit 2011 eine zusätzliche Rückstellung, um auch in Zeiten niedriger Zinsen die höheren Garantien aus früheren Jahren erfüllen zu können – die Zinszusatzreserve (ZZR). Wir erklären, wie die ZZR funktioniert und wo heute die Herausforderungen liegen.

Schon vor Einführung der ZZR mussten die Versicherer zusätzliches Kapital aufbauen („nachreservieren“), wenn die Kapitalerträge nicht mehr zur Finanzierung der garantierten Leistungen ausreichten. Seit 2011 jedoch gilt für alle Lebensversicherer ein einheitliches Berechnungsverfahren. Technisch ausgedrückt ergänzt die Zinszusatzreserve die Deckungsrückstellung, die Versicherer pro Vertrag auf Basis des jeweiligen Rechnungszinses für ihre Leistungsverpflichtungen gebildet („reserviert“) haben.

Deckungsrückstellung und ZZR

Wie Deckungsrückstellung, Zins und ZZR zusammenhängen, zeigt ein hypothetisches Rechenbeispiel: Ein Lebensversicherer erhält einen Einmalbeitrag vom Kunden und garantiert nach Ablauf von zehn Jahren eine Auszahlung von 10.000 Euro. Der Versicherer kalkuliert zu Vertragsbeginn mit einem Rechnungszins von 4 %*. Unter dieser Annahme muss der Versicherer für den Kunden zu Vertragsbeginn 6.756 Euro reservieren, um in zehn Jahren 10.000 Euro auszahlen zu können.

Diese 6.756 Euro sind die Deckungsrückstellung. Für diesen Betrag muss er Kapitalanlagen bereithalten. Verzinsen diese sich mit 4 % pro Jahr, stehen nach zehn Jahren 10.000 EUR zur Verfügung.

Zeichnet sich ab, dass die mit hoher Sicherheit erzielbaren Renditen am Kapitalmarkt unter den Rechnungszins fallen könnten, soll mit der ZZR vorausschauend eine zusätzliche Rückstellung gebildet werden. Die mit hoher Sicherheit erzielbare Rendite wird als Referenzzins bezeichnet. Der Referenzzins entspricht der Rendite, die sich im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre mit risikofreien Kapitalanlagen** erzielen ließ.

Fallende Zinsen und die Folgen

Fällt der Referenzzins im Beispielfall am Tag nach dem Vertragsabschluss auf 3 %, reichen Kapitalanlagen von 6.756 Euro nicht mehr dazu aus, um nach zehn Jahren die Auszahlung von 10.000 Euro garantieren zu können. Bei einer sicheren Verzinsung von 3 % muss der Versicherer für die garantierte Leistung eine Deckungsrückstellung von 7.441 Euro bilden und entsprechend Kapitalanlagen vorhalten. Die Differenz der Deckungsrückstellungen – hier: 7.441 Euro abzüglich 6.756 Euro – ergibt die Höhe der ZZR von 685 Euro.

Fällt der Referenzzins am Tag nach Vertragsabschluss noch stärker - beispielsweise auf 2 % oder gar 1 % - steigt die ZZR in der Beispielberechnung auf 1.448 Euro bzw. 2.297 Euro. Beträgt die mit hoher Sicherheit erzielbare Verzinsung 0 %, müsste die volle garantierte Ablaufleistung von 10.000 Euro sofort bereitgestellt werden.

Sinkender Referenzzins treibt ZZR in die Höhe

In der Realität ist der Referenzzins seit 2011 stetig gesunken. Im ersten Jahr der Zinszusatzreserve belief sich der Referenzzins auf 3,92 % – 2017 waren es nur noch 2,21 %. Dementsprechend mussten die Unternehmen ihre Deckungsrückstellungen laufend erhöhen, indem sie mehr Mittel in die Zinszusatzreserve einstellten.

Paradox: Obwohl der Kapitalmarktzins seit Ende 2016 wieder steigt, schwillt die ZZR aufgrund der Berechnungsformel weiter an. Bis Ende 2017 haben die Unternehmen rund 60 Milliarden Euro in die Reserve eingestellt, im laufenden und im kommenden Jahr könnten jeweils 20 Milliarden Euro hinzukommen. Damit müssen die Unternehmen in einem Maße vorsorgen, das wirtschaftlich nicht gerechtfertigt ist.


*Im Jahr der ZZR-Einführung galt ein Höchstrechnungszins von 2,25 %.  Der Zinssatz von 4 % wurde gewählt, um die Berechnung zu veranschaulichen.

**Als risikofreie Kapitalanlageverzinsung wird die Rendite 10jähriger Null-Kupon-Euro-Swapsätze angesetzt.


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