Auto­no­mes Fah­ren

Selbst­fah­ren­des Auto durch­quert die USA

Ein selbstfahrendes Auto hat erstmals die USA von San Francisco bis New York durchquert. An Bord befanden sich Ingenieure des Autozulieferers Delphi, der mit der über 5000 Kilometer langen Tour das Fahrverhalten eines selbstfahrenden Autos testen wollte. Auch wenn der autonome Verkehr noch längst nicht reif für den Massenmarkt ist, beschäftigen seine Implikationen schon heute die Versicherungswirtschaft.

Von Küste zu Küste: Am 22. März starteten die Ingenieure in der Nähe von San Francisco. Ihr selbstfahrendes Auto ist mit mehreren Radarsystemen, Kameras zur Beobachtung des umliegenden Verkehrs, einem Lokalisierungssystem und einer Vielzahl von Fahrassistenzsystemen ausgestattet.


Die Fahrassistenzsysteme wurden auf harte Proben gestellt, etwa hier im Stau von Los Angeles…


…oder im nächtlichen Stadtverkehr von Atlanta.


Natürlich war das Auto während der Fahrt niemals leer: Die Ingenieure überwachten das Fahrverhalten während der Tour und sammelten Forschungsdaten. Da der Fahrer die Hände nicht am Lenkrad haben musste, konnten sie sich vermutlich besser auf ihre Arbeit konzentrieren – oder auf die Landschaft.


Delphi musste für die Fahrt mit mehreren Bundesstaaten verhandeln, in denen es noch keine Gesetze für den Betrieb selbstfahrender Autos gibt. Alle haben am Ende zwar eine Genehmigung erteilt, einige aber bestanden laut Delphi darauf, dass der Fahrer zumindest eine Hand am Steuer behält.

Nach neun Tagen und über 5000 Kilometern erreichten die Testfahrer ihre Endstation: New York.


Autonomes Fahren ist schon heute ein Thema für Versicherer

Bis tatsächlich selbstfahrende Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Das autonome Fahren wirft jedoch schon heute Fragen auf, die auch die Kfz-Versicherer betreffen: Welche Technik- und Sicherheitstandards sollen künftig gelten? Wie ist die Haftung bei Unfällen mit selbstfahrenden Autos geregelt? Und wer darf die Daten nutzen, die in den selbstfahrenden Autos anfallen werden? Die Positionen der Versicherungswirtschaft dazu im Überblick:

1. Hohe Standards für Verkehrsopferschutz müssen erhalten bleiben

Bei Unfällen unter Beteiligung von hochautomatisierten Fahrzeugen müssen Verkehrsopfer genauso gut geschützt sein wie heute. Die Kfz-Haftpflichtversicherung bleibt deshalb auch in Zukunft erster Ansprechpartner der Geschädigten, um deren Schäden zu regulieren. Der Haftpflichtversicherer ist über das Kennzeichen leicht ausfindig zu machen und auch europaweit über das Grüne-Karte-System problemlos anzusprechen.

Dieser Verkehrsopferschutz ist unabhängig davon, ob ein Schaden auf das Fehlverhalten des Fahrers, ein defektes technisches System oder andere äußere Ursachen zurückzuführen ist. Daran darf sich nichts ändern. Geschädigte müssen sich z. B. bei Produktmängeln nicht auf andere mögliche Schadensverursacher verweisen lassen, um ihre Ansprüche geltend zu machen.

2. Verbindliche Testverfahren für hochautomatisierte Systeme

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert, für alle Neuerungen bei der Fahrzeugautomatisierung allgemeinverbindliche Prüf- und Testverfahren zu schaffen. Selbsttests der eingesetzten Sensoren und andere Sicherheitsvorkehrungen müssten zudem gewährleisten, dass die Technik bei jeder Fahrt zuverlässig und effektiv erkennen, wenn sie fehlerhaft arbeitet. Zudem sollten Autos mit hochautomatisierten Systemen an Bord schon bei der EU-Typgenehmigung entsprechend ausgewiesen werden und über separate Typschlüsselnummern identifiziert werden können.

3. Kfz-Daten: Wahlfreiheit des Verbrauchers gewährleisten

Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass der Fahrer auch im automatisierten Fahrzeug die Wahlfreiheit und Entscheidungsgewalt hat, ob und wem er welche Kfz-Daten für welche Zwecke zur Verfügung stellt. Hierfür ist es erforderlich, dass eine offene, standardisierte, interoperable und zugleich sichere Schnittstelle für den Austausch der wesentlichen Fahrtdaten geschaffen wird. Nur auf diesem Weg wird ein Datenmonopol der Kfz-Hersteller verhindert und im Interesse der Fahrer und Fahrzeughalter ein diskriminierungsfreier Zugang zu diesen Daten gewährleistet – im Schadenfall genauso wie etwa bei der Wahl von Kfz- und anderen Dienstleistern.

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