Jah­res­kon­fe­renz Volks­wirt­schaft und Finanz­märkte

Rück­kehr zur Nor­ma­li­tät nach über­ra­schend gutem Jahr

In diesem Jahr zeichnet sich für die Versicherer ein überaus gutes Geschäft ab. Doch so geht es nicht weiter. GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener erwartet für 2020 eine Normalisierung des Wachstums. Auch die Topmanager sind eher verhalten optimistisch.

Nach einem überraschend starken Plus in diesem Jahr werden die Beitragseinnahmen der deutschen Versicherer 2020 erneut steigen, allerdings weniger deutlich. „Das Wachstum wird sich normalisieren“, sagte GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener am Mittwoch auf einer Konferenz in Berlin. Die abermals gefallenen Zinsen, die weiter steigenden regulatorischen Belastungen und die schwache Konjunktur trübten die Geschäftserwartungen. Zwar sei die Stimmung in der Branche insgesamt noch gut, 2019 werde sich jedoch nicht wiederholen, so Wiener.

 

In diesem Jahr steuern die Unternehmen auf ein überdurchschnittlich gutes Geschäft zu. Nach Prognosen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden die Versicherungsbeiträge um mehr als fünf Prozent steigen. Getragen wird der Aufschwung von der Nachfrage nach Lebensversicherungen mit neuen Garantien sowie vom Einmalbeitragsgeschäft. Auch die wachsende Absicherung gegen Naturgefahren und die Nutzung digitaler Möglichkeiten tragen laut Klaus Wiener zum guten Ergebnis bei. Der GDV-Chefvolkswirt sieht darin auch einen Beleg dafür, dass die Unternehmen ihr Geschäftsmodell erfolgreich an das veränderte Marktumfeld angepasst haben. „Die Bemühungen der Branche tragen Früchte.“

Niedrigzins bleibt – und belastet die Kapitalerträge

Strukturelle Faktoren wie die Digitalisierung, neue Risiken wie Cyberkriminalität sowie die im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Versicherungsdurchdringung in Deutschland sprechen laut Wiener auch künftig für ein stabiles Plus der Nachfrage. Gleichzeitig trübt sich jedoch die Konjunktur ein: „Die Weltwirtschaft befindet sich im Abschwung.“ Auch an der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank werde sich unter der neuen Chefin Christine Lagarde nichts ändern. „Die Zinsen bleiben auf absehbare Zeit extrem niedrig. Das schmälert die Erträge aus den Kapitalanlagen“, so Wiener.

Das bleibt für die Stimmung der Branche nicht ohne Folgen: Laut jüngstem Ifo-Konjunkturindex für die Versicherungswirtschaft bewerten die befragten Manager ihre aktuelle Geschäftslage zwar noch positiv. Ihre Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung haben sich zuletzt jedoch verschlechtert. „Die Unternehmen blicken verhalten optimistisch auf das nächste Jahr“, sagt Wiener.

Text: Karsten Röbisch

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