Frauen und Alters­vor­sorge: Teil 2

Fle­xi­bi­li­tät ist Trumpf

Mal Vollzeitjob, mal Teilzeitkraft oder gar eine berufliche Auszeit: Das Erwerbsleben von Frauen variiert besonders stark. Ihre Altersvorsorge sollte sich daran anpassen können.

Egal ob Mann oder Frau: Die Grundregeln des Vermögensaufbaus sind für alle gleich. Ausdauer, eine breite Streuung des Kapitals und nur so viel Risiko, wie man verkraften kann. Dennoch setzen die beiden Geschlechter unterschiedliche Prioritäten. „Frauen ist Flexibilität und Sicherheit besonders wichtig, Männer schauen eher auf die Rendite“, sagt Elke Weiskittel, Geschäftsführerin der Versicherungs- und Finanzberatung FrauenFinanzService.

Die Haltung der Frauen ist verständlich. Weil es immer noch vorrangig sie sind, die eine berufliche Pause einlegen, wenn die Kinder kommen, und viel häufiger als Männer zwischen Teilzeit und Vollzeit wechseln, müssen sie auch ihr Sparverhalten viel öfter anpassen. Zugleich gilt besonders für sie, die Zeit der vollen Erwerbstätigkeit bestens auszunutzen. „Frauen sollten gerade in der Rushhour ihres Lebens, wenn sie noch ohne Familie sind, ihre Sparquote deutlich erhöhen und bei der Geldanlage auch mehr Risiken eingehen“, sagt Constanze Hintze, Geschäftsführerin der Finanzberatung Svea Kuschel + Kolleginnen. Also brauchen sie ein Vorsorgekonzept, das einerseits langfristig angelegt ist, zugleich aber schnelle Änderungen zulässt.

Altersvorsorge beginnt mit Absicherung der Erwerbstätigkeit

Vor dem Sparen fürs Alter sollte jedoch zunächst der Risikoschutz stehen: „Eine Absicherung gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit ist für jeden ein Muss“, sagt Weiskittel. Wer dafür kein Geld habe, brauche sich über eine private Altersvorsorge ohnehin keine Gedanken zu machen, da bei einem Verlust der Arbeitskraft das Geld kaum für das Nötigste reiche. Die Absicherung sollte auch dann im Vordergrund stehen, wenn es finanziell eng wird. „Ich kann nur raten, die Beiträge nicht auszusetzen“, sagt Weiskittel. Eine Wiederaufnahme der Police sei mit einer erneuten Gesundheitsprüfung verbunden – und dies führe im Alter zu höheren Beiträgen. Ist die Erwerbstätigkeit abgesichert, geht es an den Vermögensaufbau: Als Basisinvestment hält Weiskittel staatlich geförderte Riester-Produkte für sinnvoll. „Bei ihnen bemessen sich die Beiträge am Einkommen. Das macht sie sehr flexibel.“ Die Produkte eignen sich besonders auch für Mütter, die wegen der Kinderbetreuung vorübergehend nicht arbeiten. Ohne eigenen Verdienst müssen Frauen nur den Sockelbeitrag von 60 Euro jährlich zahlen, um in den Genuss der vollen Grundzulage sowie der Kinderzulagen zu kommen. Deshalb empfiehlt auch Hintze, die staatliche Förderung zu nutzen und die Verträge während beruflicher Auszeiten weiter zu besparen – auch wenn es schwer fällt.

Rentenversicherung gehört zum Vorsorgemix

Zu den Grundbausteinen eines Vorsorgeplans zählen für Bianca Kindler, Geschäftsführerin von der Finanzberatung das finanzkontor, auch Rentenversicherungen. Die Beiträge lassen sich ebenfalls an die Lebenssituation anpassen. So können die Policen bis zu zwei Jahre beitragsfrei gestellt werden, auch Teilzahlungen sind möglich. „Die Produkte bieten heute viel mehr Flexibilität“, sagt Kindler. Dennoch seien es langfristige Vorsorgeprodukte, daher sollten die laufenden Einzahlungen von Anfang an nicht zu hoch sein. „Die Beiträge müssen so gewählt werden, dass man sie dauerhaft stemmen kann“, sagt die Expertin. Als flexible Bestandteile im Vorsorgemix kommen für sie vor allem Fonds infrage. Die Sparraten ließen sich abhängig von den finanziellen Möglichkeiten jederzeit anpassen oder gar aussetzen. „Wichtig ist aber, dass die Produkte zum jeweiligen Risikoprofil passen, damit die Frauen auch langfristig dabei bleiben“, so Kindler. Ihrer Erfahrung nach schrecken viele Frauen vor hohen Risiken zurück, ältere mehr als jüngere. „Männer tun sich damit etwas leichter.“

Text: Karsten Röbisch

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