Digi­ta­ler Bin­nen­markt

Fai­rer Wett­be­werb mit genug Raum für Pio­nier­geist

Die Versicherungsbranche wandelt sich rasant, um die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können. Dies gilt für die Modernisierung der IT-Systeme, die Einbindung von Cloud-Lösungen oder die Anwendung neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Blockchain oder Internet of Things. Neben unternehmerischen Anstrengungen bedarf es aber auch eines adäquaten und effektiven regulatorischen Rahmens.

Innovationsfreundlicher Rahmen für Schlüsseltechnologien

Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain und Cloud Computing sind Schlüsseltechnologien, die über großes Potential verfügen und entsprechend gefördert werden müssen.

Beim Thema KI hat die EU bereits eine Reihe von Maßnahmen identifiziert, die nun konsequent umgesetzt werden müssen. Neben ethischen Fragen werden vor allem der Investitionsrahmen für Forschung und Entwicklung sowie das Vorhandensein ausreichender Datenmengen erfolgsentscheidend sein. Auf Grund der Bedeutung des industriellen Sektors besteht etwa viel Potential darin, die Daten von Fahrzeugen oder Maschinen für KI-Anwendungen zu nutzen.

Auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie existieren mit dem EU Blockchain Observatory, dem Blockchain Forum, der European Blockchain Services Infrastructure (EBSI) und der International Association for Trusted Blockchain Applications (IATBA) bereits schlagkräftige Strukturen. Diese sollten auch unter der neuen Kommission fortgeführt und weiterentwickelt werden.

 Beim Cloud Computing hat Europa mit seinen modernen Datenschutzstandards und Regelungen zur Datenportierung eine gute Ausgangsposition. Da sich Cloud Computing als Katalysator für den digitalen Binnenmarkt erweisen könnte, sollte ein Cloud-freundlicher regulatorischer Rahmen angestrebt werden. Allerdings ist das regulatorische Umfeld noch zu komplex und vor allem fragmentiert. So zeichnet sich bereits ab, dass eine bloße Anwendung der sehr umfangreichen Outsourcing-Vorschriften für viele Fälle des Cloud Computings nicht optimal geeignet wäre. Derart hohe Anforderungen könnten dazu führen, dass einige Versicherer Cloud-Computing nicht im optimalen Umfang einsetzen können. Gerade bei der Prüfung der Cloud-Anbieter wären Zertifizierungen durch zentrale Stellen eine spürbare Erleichterung.

Gewährleistung regulatorischer Prinzipien

Digitalisierung braucht einen fairen, wettbewerbsfähigen Rahmen, der genug Raum für Unternehmer- und Pioniergeist schafft – und lässt. Denn etliche Versicherer betreiben bereits selbst Innovation Labs, legen Venture Capital Fonds auf oder gründen Start-ups. Um diese Balance zu erreichen, bedarf es eines prinzipienbasierten Ansatzes, der die folgenden Elemente berücksichtigt:

  • Konsequenter Einsatz des Proportionalitätsprinzips: Eine differenzierte Regulierung muss möglich sein, die risikoärmere Versicherer von Bürokratie entlastet und im Ergebnis mehr Ressourcen für Innovationen schafft.
  • Einheitliche Wettbewerbsbedingungen: Über den Markterfolg muss das Angebot guter Produkte und Dienstleistungen für die Kunden entscheiden. Marktverzerrungen durch ungerechtfertigte Unterschiede in der Regulierung müssen vermieden werden. Ein dauerhaft leistungsfähiger Versicherungsmarkt erfordert eine effektive Wettbewerbspolitik, die einen fairen Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietergruppen gewährleistet.
  • Technologieneutrale Regulierung: Die Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder über Messenger-Dienste darf nicht durch überhöhte datenschutzrechtliche Anforderungen behindert werden. Alle Prozesse sollten sicher und medienbruchfrei über elektronische Kanäle abgewickelt werden dürfen.

Begegnung des IT-Fachkräftemangels

Auch ein gut austarierter gesetzlicher Rahmen führt letztendlich ins Leere, wenn auf Unternehmensseite entscheidende Ressourcen für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten fehlen. Vor allem der Mangel an IT-Fachkräften stellt eine Herausforderung dar. Die derzeitigen Absolventenzahlen können den über alle Branchen hinweg steigenden Bedarf an IT-Fachkräften schon heute nicht mehr decken. In der Folge bleiben auch in der Versicherungswirtschaft viele Stellen unbesetzt oder müssen mit externen –teilweise sehr teuren– Arbeitskräften überbrückt werden. Es sind daher breit angelegte Initiativen erforderlich, um junge Menschen verstärkt mit IT-Fachkenntnissen auszustatten und für diese Berufsbilder zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund begrüßt die Versicherungswirtschaft die bisherigen Initiativen der EU. Die Minderung des IT-Fachkräftemangels sollte auch unter der neuen Kommission eine hohe Priorität genießen.

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