Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Ein Lam­borg­hini als Kino­klas­si­ker

Vor 100 Jahren kam Ferruccio Lamborghini zur Welt. Sein Vermögen machte er mit Traktoren, zur Legende wurde er durch seine Sportwagen. Eines der schönsten Exemplare steht in Düsseldorf: ein Miura P400 von 1968. Versicherungssumme: knapp eine Million Euro. Von Volker Kühn

Wer baut die aufregendsten Autos der Welt? Für Ferruccio Lamborghini war das keine Frage: Natürlich Ferrari! Der Italiener, zu Geld gekommen mit einer Traktorenfirma, hatte ein fast zärtliches Verhältnis zu jenen Sportwagen aus Maranello, die er nach Feierabend mit Leidenschaft und Wagemut über die Hügel der Emilia Romangna jagte.

Abfuhr von Enzo Ferrari

Nur mit der Zuverlässigkeit der Wagen haderte Lamborghini, der vor fast genau 100 Jahren zur Welt kam. Als er deswegen Firmengründer Enzo Ferrari um ein freundschaftliches Gespräch bat, gewissermaßen von einem Fahrzeugbauer zum anderen, handelte er sich allerdings eine herbe Abfuhr ein: Ferruccio könne halt nur Trecker fahren, hieß es. Wollen wir doch mal sehen, dachte sich der Gekränkte – und stieg 1963 selbst in die Konstruktion von Sportwagen ein.

So erzählt es die Gründungslegende von Lamborghini. Ob sie stimmt oder nicht, fest steht: Die Supersportwagen mit dem Logo des attackierenden Stiers können mit denen aus dem Hause Ferrari mithalten – mindestens.


Frank Sinatra zählte zu den Miura-Fahrern der ersten Stunde

Einer der vielleicht schönsten Lamborghinis überhaupt steht in Düsseldorf: ein Miura P400, im Jahr 1968 gebaut für den Franzosen Philippe Bouvard. Der schillernde Autor und Fernsehmoderator, in seinem Heimatland ein Star, steht in einer langen Reihe von Prominenten, die sich Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger einen Miura zulegten. Die Liste reicht von Rod Stewart bis zu Frank Sinatra.

Für Bernhard Kerkloh ist diese Anziehungskraft, die der Wagen gerade auf Künstler ausübt, keine Überraschung. „Er ist eben eine Stilikone, die ihresgleichen sucht“, sagt der Chef der Firma Movendi, in deren Düsseldorfer Ausstellungshalle Bouvards silberglänzendes Geschoss heute steht. Sein vier Liter großer, 350 PS starker V12-Mittelmotor bringt ihn 6,7 Sekunden von null auf 100. Was Autofans in aller Welt begeistert, ist aber mehr noch die spektakuläre Linienführung des nur etwas über einen Meter hohen Wagens. Sie stammt aus der Feder des damals 27-jährigen Designers Marcello Gandini.

 

Das Kino setzt dem Wagen ein Denkmal

Spätestens die spektakuläre Eingangssequenz des Kinoklassikers „The Italian Job“, in der ein Miura minutenlang elegant über Alpenserpentinen kurvt, bis er nach einem Mafia-Anschlag einen Hang hinabstürzt, hat dem Miura Legendenstatus verliehen.
Schon in den Sechzigern konnte man sich für den Gegenwert eines Miura 15 VW-Käfer kaufen. Heute durchbrechen die Preise die Millionengrenze. Klar, dass solche Schätze entsprechend versichert sind. Bouvards Miura, der demnächst an seinen vierten Besitzer übergehen soll, ist mit einer Summe von bis zu knapp einer Million Euro versichert, sagt Kerkloh.

Sollte er je gestohlen werden, könnte sich der Dieb allerdings ohnehin kaum auf öffentliche Straßen wagen. Angesichts der gerade einmal 475 je gebauten Exemplare und zahlloser Fans in aller Welt würde er nicht lang unbemerkt bleiben.

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