Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Durchs Watt auf die Nord­see-Inseln

Hans Ortelt ist staatlich geprüfter Wattführer. Seit mehr als 40 Jahren bringt er Touristen zu den Ostfriesischen Inseln. Er weiß, wie er die Gefahren auf der Strecke umgeht. Ohne Versicherung würde er sich dennoch nicht hinauswagen. Im Notfall haftet sie – mit bis zu fünf Millionen Euro. Von Volker Kühn

Gleißendes Sonnenlicht spiegelt sich im Schlick, Möwengeschrei, eine ferne Insel löst sich im Dunst auf, Salz in der Luft. Es ist leicht, der Faszination des Wattenmeers zu erliegen.

Und es ist leicht, seine Gefahren zu unterschätzen. Plötzlicher Nebel, Regengüsse, scharfkantige Muscheln, ganz zu schweigen von der Flut, die den Rückweg abschneidet. Wer sich ins Watt wagt, sollte sich gut auskennen.

Hans Ortelt kennt sich aus. Er ist ein Kind der Küste, seit mehr als vier Jahrzehnten führt er Gruppen von bis 30 Teilnehmern sicher durchs Watt zu den Ostfriesischen Inseln. Zweieinhalb bis drei Stunden dauert die Tour, je nachdem, welche Insel das Ziel ist. Nach Baltrum etwa sind es vom Festlandshafen Neßmersiel gut sechseinhalb Kilometer. Zurück geht es per Fähre, vorbei an den Seehundbänken der Nachbarinsel Norderney. „Es ist die beliebteste Tour“, sagt der 73-Jährige.

Rettungsleine, Kompass und Trillerpfeife

1974 hat der Ostfriese die Prüfung zum Wattführer abgelegt. Er kennt alles was da kreucht und fleucht im Schlick, den Einsiedlerkrebs und den Sandregenpfeifer zum Beispiel, die Wellhornschnecke und die Silbermöwe, den Wattwurm natürlich, und auch Exoten wie die Pazifische Auster, die sich seit einigen Jahren im Wattenmeer ausbreitet.

Ernsthafte Schwierigkeiten hat er in all den Jahren noch nicht erlebt, sagt Ortelt. Dennoch ist er vorbereitet. In seinem Rucksack hat er immer eine 30 Meter lange Rettungsleine, Verbandsmaterial, Kompass, Trillerpfeife, Fernglas und eine ganze Reihe weiterer Ausrüstungsgegenstände, die in der die Niedersächsischen Wattführerverordnung vorgeschrieben sind.

Keine Versicherungspflicht für Wattführer

Nicht vorgeschrieben ist hingegen eine Versicherung für den Wattführer, der immerhin die Verantwortung dafür trägt, dass auf den Touren nichts schiefgeht. Ortelt hält das für einen Fehler. Als Vorsitzender der Wattführergemeinschaft Niedersächsische Nordseeküste hat er sich wiederholt dafür eingesetzt, eine Versicherungspflicht einzuführen – bislang ohne Erfolg.

Es sind dabei gar nicht nur die großen Unfälle, die Ortelt fürchtet. „Dass ich mal von der Flut überrascht werde und wir in Lebensgefahr geraten, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Dafür seien er und seine Kollegen viel zu erfahren und zu gut vorbereitet.

Ortelt denkt vielmehr an die kleinen Malheurs, die unterwegs passieren können – wenn er zum Beispiel versehentlich das teure Fernglas eines Teilnehmers fallenlässt und es kaputtgeht. „Da ist es besser, versichert zu sein. Seine Haftpflicht deckt aber auch die großen Unfälle ab – mit bis zu fünf Millionen Euro.

Mehr über Niedersachsens Wattführer im Netz hier .

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