Die schönste Ver­si­che­rungs­sa­che der Welt

Der Pokal der Pokale

Zum Start der Fußball-WM riskieren wir einen Blick – und seien wir ehrlich: Eine Schönheit ist der WM-Pokal nicht. Trotzdem ist er die begehrteste Sporttrophäe der Welt. Grund genug, ihn für 230.000 Dollar gegen Diebstahl zu versichern. Schließlich wurde der Vorgänger des aktuellen Modells gleich zweimal entwendet. Von Carola Felchner

Er misst nur 37 Zentimeter, hat nicht mal einen eigenen Namen und eine strahlende Schönheit ist er auch nicht. Und doch löst kein anderer Pokal solche Emotionen aus wie der, um den alle vier Jahren bei der Fußball-Weltmeisterschaft gekickt wird. Der Moment, in dem die Siegerelf ihn im Konfettiregen in die Höhe stemmt, vereint den halben Erdball zum Jubelschrei – und taucht die andere Hälfte in ein Meer aus Tränen. Des einen Freud, des anderen Leid. Klar, dass für einen solchen Pokal nur das edelste aller Materialien in Frage kommt: Gold! Exakt 4900 Gramm mit einem Feingehalt von 18 Karat bringt die Trophäe auf die Waage. Den Sockel bilden zwei rasengrüne Kränze aus Malachit-Halbedelsteinen.

Wie ein Hund zum Held der WM 1966 wird

Der Wert des Pokals lässt sich aber natürlich nicht nach dem aktuellen Goldkurs bemessen. Und so sind auch die 230.000 US-Dollar, mit denen er versichert ist, eher symbolisch zu sehen. Die Summe wäre fällig geworden, falls der Pokal auf einer Werbetour im Vorfeld der WM gestohlen worden wäre: Der Getränkeriese Coca-Cola hatte ihn hierfür vom Weltfußballverband bekommen.

Beim Vorgänger des aktuellen Pokals ist das tatsächlich passiert. Die Coupe Jules Rimet (damals hatten Pokale noch Namen!), verschwand gleich doppelt: das erste Mal im Vorfeld der WM in England 1966, als die Trophäe aus einer Ausstellung entwendet wurde. Der Dieb wusste aber offenbar nichts damit anzufangen. Eine Woche später stöberte ein Hund namens Pickles das gute Stück in einem Londoner Vorgarten wieder auf. Die WM war gerettet!

Das zweite Mal ging weniger glücklich aus. Gemäß dem damals gültigen Reglement war der Pokal nach Brasiliens drittem WM-Titel in den Besitz des dortigen Fußballverbands übergegangen. Die Ehrenvitrine in Rio allerdings war schlecht gesichert. 1983 wurde er daraus gestohlen. Die Polizei geht davon aus, dass die Diebe ihn anschließend eingeschmolzen haben.


Für den Weltmeister gibt es eine Bronze-Kopie

Der neue Pokal wird seit 1974 verliehen. Einer der ersten Sportler, die Hand an ihn legen konnten, war Franz Beckenbauer, der ihn nach dem 2:1-Triumph über Holland im Finale in München überreicht bekam.

Behalten durfte er ihn allerdings nicht. Der jeweilige Weltmeister erhält lediglich eine Kopie aus Bronze. Das Original steht grundsätzlich in der Zentrale des Weltfußballverbands in Zürich. Und die wacht streng über den Pokal. Die genaue Route etwa, auf der ihn der Sponsor Coca-Cola während der sogenannten Trophy-Tour auf dem ganzen Globus präsentierte, war streng geheim.

Sollte er trotzdem mal gestohlen werden, könnten ihn die Diebe zwar nur schwer zu Geld machen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Allerdings hätte er auch eingeschmolzen noch einen beträchtlichen Wert. Aus optischer Sicht wäre das vielleicht zu verschmerzen. Die Fußballwelt aber würde ein solcher Akt ganz sicher in ein Meer aus Tränen tauchen.

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