Sol­vency II

Corona-Krise belas­tet Sol­venz­quo­ten kaum

Die Solvenzlage der deutschen Versicherer ist auch in der Corona-Krise stabil geblieben. Das zeigen aktuelle Berechnungen des GDV. Die von der Versicherungsaufsicht EIOPA angestrebten Änderungen an Solvency II würden die Lage aber verändern.

Der deutschen Lebensversicherer verfügen nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) trotz Corona-Krise über eine ausreichende  Solvenzquote. Das Verhältnis von Eigenmitteln zur Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) dürfte zum Jahresende 2020 im Branchendurchschnitt bei rund 360 Prozent gelegen haben, wie aus einer aktuellen Präsentation des Verbandes hervorgeht. Ein Jahr zuvor waren es 387 Prozent. Ohne Übergangsmaßnahmen lag der Wert Ende 2020 schätzungsweise bei 210 Prozent (2019: 254 Prozent). In der Schaden-/Unfallversicherung ist die Solvenzquote seit Jahren weitgehend stabil. Für 2020 erwartet der GDV einen Wert von gut 280 Prozent (2019: 296 Prozent).

EIOPA-Vorschlag bringt Milliardenbelastung

Die von der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA im Rahmen des Solvency II-Review vorgeschlagene Änderung der Zinsextrapolation würde die Lage jedoch deutlich verändern. Allein die europäischen Lebensversicherer hatten dann einen zusätzlichen Eigenmittelbedarf von gut 60 Milliarden Euro (EIOPA-Berechnung zum 30.6.2020). Diese Mittel würden fehlen, um langfristige Investitionen mit höheren Renditeperspektiven – beispielsweise in die Energie- oder Transportinfrastruktur – mit dem von Solvency II geforderten Kapital abzusichern. Der mögliche Investitionsbeitrag der Versicherungsbranche für europäische Schlüsselprojekte wie den Green Deal oder die Kapitalmarktunion würde damit eingeschränkt.

Reporting und Proportionalität: Fortschritte, aber kein Durchbruch

Der Review stellt auch die umfangreichen Berichtspflichten der Unternehmen auf den Prüfstand. Positiv wertet der GDV den EIOPA-Vorschlag, die für die (Fach-)Öffentlichkeit bestimmten Solvenzberichte der Unternehmen (SFCR) in zwei Teile aufzuspalten: Einen Kurzbericht, der sich primär an interessierte Verbraucher und Kunden richtet, sowie einen ausführlichen Bericht für professionelle Akteure. Allerdings darf die Aufteilung nicht dazu genutzt werden, die Berichte mit immer mehr Pflichtangaben aufzublähen. Auch die von der EIOPA geforderte externe Prüfung der Berichte ist nicht notwendig.


Weiterer Zeitplan

Die Europäische Kommission wird ihren Vorschlag zur Änderung von Solvency II voraussichtlich im 3. Quartal 2021 vorlegen. Anschließend startet der Gesetzgebungsprozess unter Beteiligung von EU-Parlament und EU-Rat. Die veränderten Regeln könnten ab 2024/2025 greifen. 

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