Risi­ko­ver­si­che­rung

Bewusst­sein für Berufs­un­fä­hig­keit fehlt

Kaum ein anderes Produkt ist so wichtig für die Risikoabsicherung wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie bewahrt den Kunden davor, in existenzielle Finanznot zu geraten. Das unterstreicht auch die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Trotzdem sichern sich noch zu wenige Menschen dagegen ab, wie neue Zahlen des GDV zeigen.

Laut Statistik der gesetzlichen Rentenversicherung muss gut jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Berufslebens seine Erwerbstätigkeit einschränken oder sogar ganz aufgeben. Die finanziellen Folgen können gravierend sein. Einerseits fällt das Arbeitseinkommen weg, andererseits müssen oft teure Therapien, Hilfsmittel oder Umbauten in Haus und Wohnung bezahlt werden. Und der Staat selbst sieht mit der Erwerbsminderungsrente nur noch eine geringe Absicherung vor.

Jeder kann berufsunfähig werden

Trotzdem wird das Risiko berufsunfähig zu werden, noch immer unterschätzt. Auf die 42,65 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland kommen lediglich gut 17 Millionen Versicherungsverträge, die Berufsunfähigkeit voll oder teilweise absichern. Das geht aus der Broschüre „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2015“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft hervor. Dabei kann jeder berufsunfähig werden – ob Bauarbeiter oder Lehrer, abhängig Beschäftigter oder Selbstständiger.

Die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit

Nervenkrankheiten und psychische Erkrankungen sind die Hauptursache, warum Menschen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Das geht aus einem Rating zur Berufsunfähigkeit hervor, das vom Analysehaus MORGEN & MORGEN veröffentlicht wurde. Danach sind 28,6 Prozent aller Leistungsfälle auf Nervenkrankheiten zurückzuführen, mit 21,4 Prozent folgen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates und Krebserkrankungen mit 16,3 Prozent. Unfälle dagegen sind seltener die Ursache. Bei den über 50-Jährigen machen sie nur 5,6% der Fälle aus. Bei den unter 40-Jährigen sind es 15%.

Bewusstsein für Berufsunfähigkeit steigern

Wer seinen gewohnten Lebensstandard bei einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit beibehalten will, muss privat vorsorgen. Auch Finanztest stellt im aktuellen Heft fest: „Schutz vor Berufsunfähigkeit ist sehr sinnvoll.“ Während früher die gesetzliche Rentenversicherung noch einen Berufsunfähigkeitsschutz für alle Mitglieder umfasste, ist dies seit den Reformen im Jahr 2001 anders: Wer 1961 oder später geboren ist, geht bei Berufsunfähigkeit hier leer aus. Nur bei einer vorliegenden Erwerbsminderung springt die gesetzliche Rentenversicherung ein.

Berufsunfähig bedeutet nicht erwerbsunfähig

Ein Beispiel: Ein Chirurg kann aufgrund einer Wirbelsäulenerkrankung nicht mehr im Stehen arbeiten. In diesem Fall würde nur eine private Berufsunfähigkeitsversicherung leisten. Denn berufsunfähig bedeutet nicht erwerbsunfähig. Der Facharzt könnte nämlich noch eine sitzende Tätigkeit ausüben, etwa als Arzt in der Forschung. Er könnte auch in einer anderen Branche mit einer völlig anderen Tätigkeit arbeiten, zum Beispiel als Pförtner. In diesem Fall gäbe es keine staatliche Erwerbsminderungsrente. Daher ist es wichtig, die Bevölkerung für das Risiko Berufsunfähigkeit zu sensibilisieren.


Fragen der Risikoprüfung korrekt beantworten

Bevor ein Vertrag zur Berufsunfähigkeit geschlossen wird, führt das Unternehmen eine Risikoprüfung durch. Das sind Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, zu gefährlichen Hobbys oder zu Vorerkrankungen. Wenn hier wissentlich falsche Angaben gemacht werden, riskiert man seinen Versicherungsschutz. Das gilt insbesondere dann, wenn der Versicherte vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Darum ist es wichtig, dass man sich Zeit nimmt beim Ausfüllen und die Fragen korrekt beantwortet.

Höhe der Beiträge hängt vom Alter ab

Zudem sollte man sich so frühzeitig wie möglich versichern. Denn die Höhe der Beiträge ist abhängig vom Alter des Versicherten. Je jünger man in die Berufsunfähigkeitsversicherung eintritt, desto geringer fallen die Beiträge aus. Der Grund: In jungen Jahren ist man meist noch gesünder und hat nur selten relevante Vorerkrankungen. Wer erst dann zum Versicherer geht, wenn das Risiko berufsunfähig zu werden deutlich gestiegen ist, für den ist der Berufsunfähigkeitsschutz oft teurer oder nur mit Zuschlägen oder Ausschlüssen zu haben.

75 bis 80 Prozent des Nettoverdienstes absichern

Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente ist individuell vereinbar. Sinnvoll ist eine Orientierung am letzten Einkommen – in der Regel sichern Versicherungsunternehmen maximal ein Niveau von 75 bis 80 Prozent des Nettoverdienstes ab. Zudem sollte die Versicherungshöhe nachträglich angepasst werden können, um Kaufkraftverluste durch die Inflation, Gehaltssteigerungen oder auch Änderungen der persönlichen Lebenssituation (Familiengründung) berücksichtigen zu können.

Zur Startseite
Auch inter­essant