Vor­schläge der Ver­si­che­rungs­wirt­schaft

Betrieb­li­che und pri­vate Alters­vor­sorge vor­an­brin­gen

Die betriebliche Altersversorgung attraktiver gestalten, die Riester-Rente weiterentwickeln und die gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig stabilisieren: Um die Stagnation in der Altersvorsorge zu überwinden, müssen alle Säulen der Alterssicherung vorangebracht werden. Die Vorschläge der Versicherungswirtschaft im Detail.

1. Betriebliche Altersversorgung einfacher und attraktiver machen

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist in Deutschland bereits heute ausgesprochen komplex. Das ist ein wesentlicher Grund, warum ihre Verbreitung in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) stockt. Auch die Verbreitung der bAV insgesamt stagniert: Nach wie vor bauen vier von zehn Beschäftigten keine Betriebsrente auf – trotz eines Rechtsanspruchs auf diese Vorsorge in Form der Entgeltumwandlung.

Mit dem vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgeschlagenen Tariffonds („Neues Sozialpartnermodell Betriebsrente“ ) soll de facto ein weiterer sechster Durchführungsweg mit eigenen Spielregeln eingeführt werden. Das bedeutet ein erhebliches Mehr an Komplexität. Mit tarifvertraglichen Lösungen würden KMUs gerade nicht erreicht, da diese häufig und durchaus bewusst keinem Tarifvertrag unterliegen.

Um das Potenzial der bAV besser auszuschöpfen, braucht es keine weiteren Durchführungsformen und keine tarifvertraglichen Quasi-Obligatorien. Im Gegenteil: Das Ziel muss eine schlankere, einfachere bAV sein; mit einfacheren Regeln und Verfahren für die Betriebe und attraktiveren Bedingungen für die Beschäftigten.

Wie die betriebliche Altersversorgung verbessert werden kann

2. Private Altersvorsorge weiterentwickeln

Nicht für alle Bevölkerungsgruppen kommt die bAV infrage. Gerade für Menschen mit häufig wechselnden Beschäftigungsverhältnissen ist die Riester-Rente die bessere Alternative. Für Geringverdiener ist sie aufgrund der Zulagenförderung ohnehin die erste Wahl. Die Statistik der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) zeigt, dass die Riester-Rente eine klassische Familienvorsorgeversicherung ist. Mit ihr sorgen vor allem untere Einkommensgruppen und Familien mit Kindern vor.

Die Riester-Rente ist in den vergangenen Jahren deutlich nachgebessert worden. Unter anderem wurde die Vergleichbarkeit der Riester-Produkte für die Verbraucher erleichtert: Effektivkosten sind seit 2015 auszuweisen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Einordnung in Chancen-Risiko-Klassen sollen für alle Produkte spätestens ab 2017 einheitlich ausgewiesen werden.

Wie die Riester-Rente attraktiver gemacht werden kann

3. Gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig stabilisieren und finanzierbar machen

  • Die Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 ist richtig und darf nicht wieder zurückgenommen werden. Die „Rente mit 63“ hat hier für eine relativ große Gruppe wieder eine Ausnahme geschaffen, die Rentenversicherung und Beitragszahler belastet. Ziel muss es sein, dass mehr Menschen tatsächlich bis zur Regelaltersgrenze bzw. sogar darüber hinaus arbeiten.

  • Die Flexibilisierung des Übergangs in den Ruhestand sollte verbessert werden. Derzeit kreist die politische Diskussion dabei noch zu einseitig um die Ausgestaltung in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Dabei bietet die kapitalgedeckte Vorsorge schon heute diverse Flexibilisierungsmöglichkeiten, mit denen das Ziel leichter und kostenneutral für den Fiskus erreicht werden kann.

Fazit

  • Der Ausbau der Alterssicherung zu einem echten Mehr-Säulen-System bleibt trotz Niedrigzinsen richtig, weil kapitalgedeckte Vorsorge die einzige Möglichkeit ist, künftige Rentenansprüche vorzufinanzieren.

  • Die betriebliche Altersversorgung darf nicht weiter verkompliziert werden, sondern muss für Arbeitgeber vereinfacht und für Arbeitnehmer attraktiver gemacht werden.

  • Die Politik muss ein klares Signal zur Weiterentwicklung der Riester-Rente setzen. Ein Nichtstun der Politik befördert ansonsten ein Nichtstun in der Bevölkerung.

Zur Startseite