EIOPA-Vor­schlag zur UFR

Absen­kung des lang­fris­ti­gen Kal­ku­la­ti­ons­zin­ses ist unbe­grün­det

Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA drängt darauf, dass Lebensversicherer ihre Rückstellungen für sehr langfristige Verbindlichkeiten künftig mit einem niedrigeren Zinssatz bewerten sollen. Für diesen Vorstoß gibt es nach Überzeugung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) keine fundierte ökonomische Begründung. Folgt die EU-Kommission dem Vorschlag, würde ein wesentliches Element von Solvency II verändert, obwohl das Regelwerk erst seit gut 15 Monaten in Kraft ist.

Das Board of Supervisors der EIOPA hat eine Änderung an der Berechnungsmethodik für die Ultimate Forward Rate (UFR) vorgelegt. Die UFR bezeichnet den Zinssatz, der – vereinfacht gesagt – in 60 Jahren erwartet wird. Dieser Zinssatz soll nach dem Willen der EIOPA ab 2018 von derzeit 4,2 Prozent schrittweise sinken, aktuell auf 3,65 Prozent. In der Konsequenz müssten die Unternehmen heute höhere Rückstellungen für Verpflichtungen bilden, die sehr weit in der Zukunft liegen. EIOPA zufolge würde auf Grund der UFR-Absenkung die durchschnittliche Bedeckungsquote – d.h. das Verhältnis der vorhandenen zu den nach Solvency II geforderten Eigenmitteln – bei den deutschen Lebensversicherern von 288 Prozent auf 272 Prozent nachgeben.

Was ist die Ultimate Forward Rate (UFR)?

Lebensversicherer geben für die Altersvorsorge langfristige Garantien und gehen dazu langfristige Verbindlichkeiten ein. Für diese Verbindlichkeiten bilden die Versicherer heute Rückstellungen.

Bewertungsgrundlage für Verbindlichkeiten und die zu bildenden Rückstellungen ist die risikofreie Zinsstrukturkurve. Diese Zinskurve wird von der Aufsichtsbehörde EIOPA auf Grundlage aktueller Marktzinsen bestimmt.

Da es für sehr lange Laufzeiten keine verlässlichen Marktdaten gibt, muss die Zinskurve sinnvoll fortgeschrieben werden. Entscheidend dafür ist, welcher Zins aus heutiger Sicht für Kapitalanlagen in ferner Zukunft zu erwarten ist. Dieser Erwartungszins ergibt sich als Annäherung an die so genannte „Ultimate Forward Rate“ (UFR). Die UFR ist bislang auf 4,2 Prozent festgelegt. Doch selbst von heute gerechnet in 150 Jahren wird der Zinssatz, den Unternehmen für Kapitalanlagen rechnerisch ansetzen dürfen, noch unter diesen 4,2 Prozent liegen – aktuell dürften Unternehmen lediglich mit einer Verzinsung von knapp 3,7 Prozent kalkulieren.

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