Frauen und Alters­vor­sorge: Teil 3

"Frauen ste­hen heute eher schlech­ter da"

Eine Ehe ist oft kein Bund mehr fürs Leben. Gut jede dritte geht inzwischen in die Brüche. Eine Trennung bedeutet für beide Partner finanzielle Einschnitte. Frauen sind seit der Unterhaltsreform 2008 schlechter gestellt, sagt Fachanwältin Eva Becker im Interview mit GDV.DE.

Frau Becker, viele Ehen gehen heutzutage in die Brüche. Was sieht das Gesetz in solchen Fällen vor?
Eva Becker: Man muss zunächst drei Dinge unterscheiden: die Vermögensaufteilung, den Versorgungsausgleich und den Unterhalt. Wenn nichts anderes vereinbart wurde, wird das während der Ehe aufgebaute Vermögen mit der Scheidung hälftig aufgeteilt. Der Partner, der weniger Vermögen während der Ehe erworben hat, erhält einen Ausgleich. Ähnlich verhält es sich mit den Ansprüchen aus der gesetzlichen oder privaten Rente. Meistens ist es die Frau, die weniger Anwartschaften erworben hat und durch den sogenannten Versorgungsausgleich vom Mann Ansprüche übertragen bekommt.

 

Und der Unterhalt?
Becker: Der Unterhaltsanspruch besteht nicht erst mit der Scheidung, sondern schon mit dem Zeitpunkt der Trennung. Der Partner mit dem geringeren Verdienst, meist die Frau, erhält einen Teil des Einkommens des Mannes. Knapp sechzig Prozent seines Mehreinkommens darf der Mann behalten, der Rest geht an die Frau. Der nicht berufstätige Partner ist während des Trennungsjahres noch nicht gezwungen, wieder eine Arbeit aufzunehmen.

Und danach?
Becker: Nach dem Trennungsjahr muss sich die Frau grundsätzlich um eine Arbeit bemühen. Wenn sie noch Kinder erzieht, gelten abweichende Regelungen – abhängig vom Einzelfall. Einer Hausfrau mit drei kleinen Kindern ist sicherlich keine Arbeit zuzumuten. Bei einer Mutter mit nur einem Kind, das schon auf das Gymnasium geht, ist die Situation anders. Es hängt aber immer auch von der Betreuungssituation vor Ort ab.

Was hat sich mit der Unterhaltsreform 2008 geändert?
Becker: Vorher hatten Frauen eine sehr auskömmliche Situation. Der Unterhalt war selten befristet und es gab geringere Anforderungen an die Berechnungsmethode. Das neue Recht stellt mehr auf den Einzelfall ab. Frauen bekommen nach der Scheidung in der Regel nur noch Unterhalt, wenn sie Kinder betreuen oder ehebedingte Nachteile geltend machen können, Stichwort: verpasste Karriere. Da wird anhand fiktiver Lebensläufe argumentiert. Das ist ein sehr theoretisches und komplexes Thema. Deshalb sind die Unterhaltsbeschlüsse heute auch viel länger. Und es gibt mehr Streit.

Können Sie das erläutern?
Becker: Nehmen wir eine Bankkauffrau, die nach der Geburt der Kinder ihren Job aufgegeben hat. Später geht die Ehe in die Brüche. Beim Kampf um den Unterhalt wird sie argumentieren, ohne die Auszeiten für die Kinder wäre sie inzwischen Filialleiterin und säße nicht hinter der Kasse. Der Mann wird hingegen sagen, die Frau war faul, wollte nie Karriere machen und ist gern zu Hause geblieben. Das ist teilweise eine sehr brutale Argumentation vor Gericht.

Sind Frauen benachteiligt?
Becker: Die Reform hat sicherlich dazu geführt, dass Frauen heute eher schlechter dastehen. Das Unterhaltsrecht kann aber strukturelle Defizite wie die beruflichen Nachteile der Frauen wegen Kindererziehung immer nur bedingt ausgleichen. Und das Gesetz erlaubt ja auch abweichende Regelungen. Wenn Paare wissen, dass sie später Kinder haben möchten, können sie in einem Ehevertrag eine faire Lösung vereinbaren. Gerade die gut ausgebildeten Frauen sollten sich damit befassen, ehe sie heiraten. Viele tun es nur leider nicht.

Wie könnte eine faire Lösung aussehen?
Becker: Paare können später viel Streit vermeiden, indem sie vorab klären, wie sie eigentlich ihre Kinder erziehen möchten. Sollen sie schon mit sechs Monaten in eine Kita und zusätzlich kümmert sich eine Nanny? Oder soll die Mutter bis zum Schulbeginn für die Betreuung zu Hause bleiben? Und soll die gewünschte Lösung auch nach einer Trennung gelten? Gut ist auch, wenn zum Zeitpunkt der Eheschließung die Berufstätigkeit der Frau genau beschrieben wird. Das hilft, um später einen realistischen Karriereweg nachzuzeichnen.
Lassen sich Karrieren überhaupt skizzieren? Der Wandel in der Berufswelt bringt doch viele Brüche mit sich.
Becker: Das ist richtig. Deshalb sollte ein Ehevertrag auch regelmäßig überprüft werden. Das ist wie bei einem Handyvertrag, der alle zwei Jahre erneuert wird.

Es gibt Paare, die sich bewusst gegen eine Heirat entscheiden oder sich erst spät das Jawort geben. Ist das aus Sicht der kindererziehenden Frau klug?
Becker: Die Frauen gehen damit ein höheres Risiko ein. Der Unterhaltsanspruch bei einer Trennung ist zwar ähnlich – auch wenn sie nicht verheiratet waren. Aber einen Renten- oder Zugewinnausgleich für die Zeit der Partnerschaft gibt es nicht. Es gibt schon viele Gründe für eine Heirat.

Aber wohl nicht ohne Ehevertrag?
Becker: Jedenfalls sollte man das ernsthaft prüfen. Das Geld für einen Ehevertrag ist gut investiert. Die Unterhaltsprozesse kosten am Ende viel mehr.

Interview: Karsten Röbisch

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