Frauen und Alters­vor­sorge: Teil 4

"Frauen sind weni­ger sprung­haft"

Frauen haben andere Ansprüche an die Beratung als Männer, sagt Finanzexpertin und Buchautorin Helma Sick im Interview mit GDV.DE. Sie wollen nicht bedrängt werden, stellen mehr Fragen und brauchen länger für eine Entscheidung. Auch ihr Anlageverhalten ist anders.

Frau Sick, kennen Sie eine Bank nur für Frauen?
Helma Sick: Nein. Es hat meines Wissens immer wieder mal Versuche gegeben, eine zu gründen. Die sind aber gescheitert. Ich glaube auch nicht, dass so eine Bank nötig ist.

Wieso gibt es dann Finanzberatungen speziell für das weibliche Geschlecht?
Sick: Als sich vor fast 30 Jahren die ersten Finanzberatungen gegründet hatten, fehlte es den Frauen an Erfahrungen im Umgang mit Geld. Sie verwalteten vielleicht die Haushaltskasse, waren es aber nicht gewohnt, strategisch und langfristig mit Geld zu arbeiten. Daher entstand das besondere Beratungsangebot. Und auch wenn Frauen keine homogene Gruppe sind, so haben sie doch einiges gemeinsam: Sie verdienen weniger und haben längere Unterbrechungen in ihrer Erwerbsbiographie, wenn sie Kinder haben. Frauen schätzen es, wenn sie von Menschen beraten werden, die ihre Erfahrungen teilen.

 

Worauf legen Frauen in der Beratung wert?
Sick: Sie wollen vor allem nicht bedrängt werden und mögen es nicht, wenn der Produktverkauf im Vordergrund steht. Sie wollen ernst genommen und nicht mit Fachchinesisch überschüttet werden. Ihnen geht es um einfache, sachliche Aufklärung. Frauen stellen viele Fragen, weil sie Antworten möchten. Männer haben hingegen oft die Antworten und suchen nur noch nach einer Bestätigung dafür, dass sie richtig liegen.

Haben Frauen mehr Berührungsängste beim Thema Geld?
Sick: Das ist so. Aus meiner Erfahrung interessieren sie sich nicht sonderlich dafür. Männer zeigen ein größeres Interesse und haben auch konkretere Vorstellungen davon, was man mit Geld am Kapitalmarkt machen kann.

Und wie steht es um das Bewusstsein, privat für das Alter vorsorgen zu müssen?
Sick: Da hat sich viel verändert. Früher suchten Frauen erst im Alter zwischen 40 und 50 Jahren Hilfe, meist wenn sie sich in einer schwierigen Lebensphase befanden, etwa nach einer Trennung. Später kamen die Frauen ab 30 zum Beratungsgespräch und heute schon ab Mitte 20. Viele sind bestens ausgebildet, haben gute Berufe und damit auch den Spielraum, etwas für die private Altersvorsorge zu tun. 

Und gibt es Unterschiede im Anlageverhalten der Geschlechter?
Sick: Männern fällt es immer noch leichter, Risiken einzugehen. Frauen sind eher risikoscheu. Bei ihnen steht Sicherheit und Überschaubarkeit im Vordergrund. Frauen sind zugleich weniger sprunghaft. Sie brauchen zwar länger bis zu einer Entscheidung, bleiben ihnen aber treu. Während Männer oft den Renditen hinterherjagen, sind Frauen in ihrem Anlageverhalten beständiger. Und es gibt ja viele Studien, die belegen, dass sie damit erfolgreicher sind. 

Also gilt der Spruch von Angela Merkel: ‚Wenn Sie Effizienz im Ergebnis haben wollen, ist das Geld bei Frauen tendenziell besser aufgehoben als bei Männern‘?
Sick: Ja, das kann ich unterschreiben.

Interview: Karsten Röbisch

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