Regulierung und Aufsicht kompakt
Sol­vency-II-Review

Nach­hal­tig­keits­ri­si­ken im Fokus

Der Klimawandel und andere Nachhaltigkeitsrisiken sind für Versicherer äußerst relevant. Die EU-Kommission hat zum Umgang mit diesen Risiken in Solvency II neue Vorschläge gemacht. Entscheidend ist hier ein evidenzbasierter Ansatz, betont der GDV.

Die Vorschläge der Europäischen Kommission von September 2021 betreffen unter anderem die aufsichtsrechtliche Behandlung von bestimmten, besonders nachhaltigkeitsrelevanten Kapitalanlagen und Aktivitäten, die Überprüfung der Risiken für Naturkatastrophen in der Standardformel, sowie Vorgaben zu Klimawandelszenarien in den unternehmensspezifischen Risikoeinschätzungen (ORSA).

Aufsichtsrechtliche Behandlung von ESG-relevanten Kapitalanlagen und Aktivitäten

Die EIOPA soll im Auftrag der EU-Kommission untersuchen, ob Kapitalanlagen und Aktivitäten mit einem besonderen Einfluss auf ökologische oder soziale Ziele mit Risiken verbunden sind, die wiederum eine unterschiedliche Eigenkapitalunterlegung rechtfertigen. Der GDV unterstützt diesen risikobasierten Ansatz. Niedrigere Eigenmittelanforderungen für nachhaltige Kapitalanlagen beispielsweise sind nur dann gerechtfertigt, wenn mit der Kapitalanlage auch ein nachweislich niedrigeres Risiko verbunden ist. 

Naturkatastrophenrisiko in der Standardformel

Die Kommission hat die EIOPA zudem damit beauftragt, das Naturkatastrophenrisiko in der Standardformel regelmäßig zu überprüfen und dabei die neuesten Erkenntnisse der Klimawissenschaft zu berücksichtigen. Erweisen sich die Solvenzkapitalanforderungen als nicht mehr angemessen, soll die EIOPA eine Opinion mit einer Kalibrierung und den Auswirkungen der Kalibrierung auf die Branche veröffentlichen. Der GDV unterstützt diesen Vorschlag. Wichtig ist ein transparenter Prozess, damit Unternehmen ein besseres Verständnis für die Annahmen der Standardformel und die Langzeit-Trends entwickeln. 

Klimawandelszenarien im ORSA

Die EU-Kommission schlägt zudem vor, dass die Versicherer künftig ihre unternehmensspezifischen Klimawandelrisiken ermitteln und die Auswirkungen auf ihr Geschäft– sofern relevant – mit mindestens zwei langfristigen Klimaszenarien bewerten müssen. Den beiden Szenarien liegt ein angenommener Temperaturanstieg um weniger als zwei Grad bzw. mehr als zwei Grad Celsius zugrunde. Der GDV hält derartige Szenarioanalysen im ORSA grundsätzlich für ein sinnvolles Werkzeug. Die Herausforderung besteht allerdings darin, die Szenarioanalysen an die unterschiedlichen Risikoprofile anzupassen. Versicherer sollten nur die Szenarien berechnen müssen, die für ihr Geschäftsmodell absehbar relevant sind.

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