Makro und Märkte kompakt
Makro & Märkte kom­pakt Nr. 33

Sorge der Wirt­schaft vor Coro­na­vi­rus wächst

Mit dem Auftreten des Coronavirus haben auch die Konjunkturrisiken wieder zugenommen. Die Auswirkungen sind dabei längst nicht allein auf die Volksrepublik China beschränkt. In der Assekuranz sind zur Zeit am stärksten die Sparten der Transport- und Luftfahrtversicherung sowie die Kreditversicherung betroffen

Der Coronavirus wütet weltweit: Durch direkte Ansteckungen ist Deutschland bisher nur minimal betroffen, aber die wirtschaftlichen Auswirkungen sind an verschiedenen Stellen spürbar. Im Wesentlichen sind hier drei Kanäle betroffen:

Zum einen sinken temporär sowohl das Arbeitsangebot als auch die Konsumentennachfrage in China selbst. Allein die vier großen deutschen Autobauer erzielen dort mehr als ein Drittel ihrer Gewinne.  Aber auch in Deutschland selbst werden die Folgen sichtbar: Vor allem Konsumgüter und touristische Dienstleistungen dürften hier eine geringere Nachfrage erfahren.

Deutsche Firmen auf Vorleistungen aus dem Ausland angewiesen

Zweitens gehört Deutschland in Europa zu den Ländern, die von der Unterbrechung der globalen Wertschöpfungsketten besonders betroffen sind. Gerade für deutsche Unternehmen ist es nicht selten, dass mehr als die Hälfte des Wertes ihrer Exporte aus Vorleistungen aus dem Ausland besteht. Vor allem die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen hängen mit einem Anteil von fünf Prozent ihrer gesamten Vorleistungen sehr stark von chinesischen Zulieferungen ab. Insgesamt spielen chinesische Industriewaren mit einem Anteil von 9,4 Prozent an den deutschen Importen von Vorleistungsgütern eine besonders große Rolle für die Wertschöpfungsketten deutscher Industrieunternehmen.

Auswirkungen auf Investitionen und Kreditvergabe schwer abzuschätzen

Drittens schafft die Ausbreitung des Coronavirus eine erhöhte Unsicherheit, die Unternehmen von Investitionen sowie Finanzinstitutionen von der Kreditvergabe abhalten könnte. Auch Kreditausfälle und höhere Rückstellungen sind möglich. Solange das Virus nicht unter Kontrolle gebracht ist und die Ansteckungszahlen nicht zurückgehen, ist die weitere Entwicklung völlig offen. Zwar gibt es erste Meldungen über ein Wiederanlaufen der Produktion; diese können bei einer weiteren Verschlechterung der Lage aber jederzeit wieder gestoppt werden. Die anhaltende Unsicherheit wird Investoren veranlassen, mögliche Investitionen wenigstens solange aufzuschieben, bis sich die Situation stabilisiert hat.

Derzeit nur geringe Folgen für deutsche Versicherer

Die Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft sind zum jetzigen Zeitpunkt gering. Pandemiedeckungen sind auf dem deutschen Markt sehr selten und nur mit geringen Deckungssummen verfügbar. Eine Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten besteht allenfalls in geringem Maße.

Am stärksten sind die vergleichsweise kleinen Sparten der Transport- und Luftfahrtversicherung sowie die Kreditversicherung betroffen, da sie in größerem Maße von der Weltkonjunktur bzw. dem Welthandel abhängig sind. Einschränkungen im Reise- und Warenverkehr könnten sich auf die Nachfrage in beiden Bereiche mittelfristig auswirken.

Bei der Kreditversicherung könnte zudem eine Steigerung des Insolvenzrisikos als Folge der konjunkturellen Rückwirkungen zu vermehrten Schadensregulierungen führen.

Daneben wirkt sich eine schwächere Konjunkturentwicklung aber auch insgesamt auf das Versicherungsgeschäft aus. Spürbar größere Auswirkungen für die deutschen Versicherer sind für den Fall zu erwarten, dass sich das Virus nicht wie derzeit vermutet eindämmen lässt.

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