Nach­hal­tig­keit

So wird aus Geld grü­ner Fort­schritt

Die Erkenntnis, dass Klimaschutz mehr ist als „nice to have“, ist (fast) überall angekommen. Es ist klar: Es geht um unser (nicht nur) ökonomisches Überleben. Dieser Gastbeitrag erschien am 2. Juli 2021 in der "Wirtschaftswoche".

Staaten und supranationale Organisationen verfolgen Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels mit unterschiedlicher Intensität und teils verschiedenen Konzepten. Das Bundesverfassungsgericht hat gerade erst deutlich gemacht, dass wir die Freiheit der kommenden Generationen gefährden, wenn wir jetzt nicht zügig gegensteuern. In Europa arbeiten wir - Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – daran unter der Überschrift „Green Deal“ zusammen.

Welche Rolle spielt die Versicherungswirtschaft?

Gebäudeversicherungen, Lebensversicherungen – viele Verträge mit unseren Kunden laufen teils über Jahrzehnte. Auf Nachhaltigkeit achten wir daher seit jeher. Und wir können noch mehr bewegen, Versicherungen spielen im Getriebe der Wirtschaft eine ähnliche Rolle wie Öl in einem Motor. Wir versichern alle Wirtschaftssektoren und wir investieren in sie.

Ein Beispiel zur Bedeutung von Versicherungen für die Ökonomie: Die Europäische Zentralbank hat kürzlich in ihrem Finanzstabilitätsbericht gezeigt, dass in Volkswirtschaften das Wirtschaftswachstum nach Naturkatastrophen um einen halben Prozentpunkt einbricht, wenn nur wenige Schäden versichert waren. Bei guter Versicherungsabdeckung passiert das nicht. Versicherer sind eine makroökonomische Stütze. Anders ausgedrückt: Ohne Versicherungen drohen Wohlfahrtsverluste.

Klare Ziele

Um den Wandel aber auch aktiv mitzugestalten, haben sich die Versicherer klare Ziele gegeben:

  • Bis 2050 streben sie die Treibhausgasneutralität ihrer Kapitalanlagen an; bereits bis 2025 und dann fortlaufend sollen CO2-Reduktionen in den Portfolios realisiert werden.
  • Versicherer werden langfristig keine gewerblichen und industriellen Risiken mehr ins Portefeuille nehmen, wenn ihre Kunden und Geschäftspartner keine Anstrengungen hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft unternehmen.
  • Bis 2025 wollen die Versicherer mindestens in ihren deutschen Liegenschaften klimaneutral arbeiten.

Für uns sieht der „Green Deal“ so aus: Von der Politik braucht es konsequente Klimaschutz- und Klimaanpassungspolitik - von klaren Emissionspfaden bis zur gesetzlich gestützten Schadensprävention. Außerdem eine Investitionspartnerschaft für die vor uns liegenden Aufgaben.

Produkte und Schadenregulierung werden klima- und ressourcenschonender

Versicherer richten wiederum ihre Kapitalanlagen und ihre Geschäftsprozesse an den Klimazielen aus. Sie suchen nach neuen Wegen, wie sie ihre Versicherten beim Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften unterstützen können. Dazu gehört auch, Produkte und die Schadenregulierung klima- und ressourcenschonender zu gestalten. Hierfür steht etwa das Konzept von „Building Back Better“. Das bedeutet beispielsweise, dass eine defekte Ölheizung durch eine klimafreundliche Geothermieanlage ersetzt wird und nicht durch eine neue, aber fossile Lösung.

Was wir überdies anregen: Nachhaltiges Bauen sollte bereits im Bauordnungs- bzw. Bauplanungsrecht verankert werden. Dann wäre schon im materiellen Recht für die Planung, den Bau und die Sanierung des Gebäudebestandes verankert, wie den Folgen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten in diesem Sektor zu begegnen ist.

Weitere Grundbausteine für den „Green Deal“ sind Investitionen in erneuerbare Energien und für eine klimafeste Infrastruktur. EU-Kommissarin Mairead McGuiness hat kürzlich den Aufwand für die Klima- und Energieziele bis 2030 auf jährlich 350 Euro Milliarden Euro beziffert, die aus privaten Investitionen zusätzlich zu staatlichen Mitteln aufgebracht werden sollen.

Idealer Partner für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft

Die Versicherer in Deutschland mit ihrem Kapitalbestand von 1.700 Milliarden Euro sind dafür ideale Partner. Allein die Lebensversicherer legten 2020 191 Milliarden Euro neu an, zum Beispiel aus der ergänzenden Altersvorsorge. Eine klarere Perspektive für die Altersvorsorge würde dazu beitragen, stabile Investitionsflüsse in die nachhaltige Transformation zu generieren.

Knapp 60 % der Kapitalanlagen der Versicherer werden bereits nach ESG-Kriterien gescreent - und wir haben uns noch mehr vorgenommen: Wir wollen den Klimafußabdruck unserer Anlageportfolien kontinuierlich auf Netto-Null herunterfahren. Als erster Versicherungsverband in Europa sind wir der Net Zero Asset Owner Alliance beigetreten, einer Initiative von Kapitalanlegern, die das gleiche Ziel eint. Denn letztendlich sichern unsere Investitionen immer Leistungsversprechen gegenüber den Kund:innen ab.

Nur geringer Anteil der globalen Bond-Emissionen ist „grün“

Bis jetzt ist das Angebot an passenden Investitionen aber noch überschaubar. Nur vier Prozent der weltweiten Bond-Emissionen sind derzeit „grün“. Die große Nachfrage drückt zudem die Rendite. Ganz konkret rentiert die grüne Bundesanleihe zwei Basispunkte niedriger als die sonst identische konventionelle Anleihe. Dass die Bundesregierung in ihrer Sustainable Finance Strategie die Ausweitung grüner Finanzinstrumente angekündigt hat, begrüßen wir daher sehr. Eine Herausforderung wird die Transparenz bleiben – gegenüber unseren Kund:innen und für uns selbst bei der Kapitalanlage. Hier braucht es pragmatische, möglichst digitale Lösungen, um Greenwashing zu vermeiden.

Die Zeit drängt, der Klimawandel ist im vollen Gange: Versicherer tragen ihren Teil zum „Green Deal“ bei. Schaffen können wir das aber nur gemeinsam.

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