Positionen-Magazin
Kolumne von Jörg Frei­herr Frank von Fürs­ten­werth

Zeit für einen Neu­start der pri­va­ten Alters­vor­sorge

Es ist unstreitig, dass die Riester-Rente attraktiver werden muss: Warum eine tiefgreifende Reform innerhalb des bestehenden Systems besser ist als das Szenario einer Verstaatlichung der privaten Vorsorge.

Über die Zukunft der privaten Altersvorsorge wird in diesen Tagen in allen Parteien diskutiert. Zuletzt auf dem CDU-Parteitag in Leipzig, bei dem auch eine verpflichtende private Altersvorsorge mit einem staatlichen Standardprodukt zur Debatte stand. Der schlussendlich erzielte Kompromiss weist in die richtige Richtung: Riester soll weitreichend reformiert und vereinfacht werden; im Zuge dessen soll ein Standardprodukt nach staatlichen Vorgaben, etwa zu Kosten und Anlageoptionen, entwickelt und der Erfolg evaluiert werden.

Eine grundlegende Reform des bestehenden Systems ist offensichtlich besser als das Szenario einer Verstaatlichung der privaten Altersvorsorge. Denn was wäre die Alternative? Eine Pflicht zur privaten Vorsorge in einem – ausgerechnet – staatlich organisierten Produkt der privaten Altersvorsorge läuft dem Grundkonsens in der sozialen Marktwirtschaft zuwider. Der Staat ist Aufseher und Kontrolleur, kein Akteur auf privaten Märkten. Er organisiert bereits den mittlerweile 1000 Milliarden Euro schweren Sozialstaat. Ein einziger Prozentpunkt davon entspricht der privaten Riester-Rente. Niemand will 100 Prozent Staatswirtschaft, in der der Einzelne keinen Raum mehr hat für eigene Entscheidungen.

Die private Altersvorsorge zeichnet gerade ihre individuelle Passgenauigkeit aus. Nicht jeder hat die gleichen Bedürfnisse. Deshalb haben die Verbände von Versicherern, Fondsgesellschaften und Bausparkassen einen Fünfpunkteplan vorgelegt, der eine privatwirtschaftliche Organisation vorsieht, aber zugleich die Entrümpelung der Förderprozesse und einfachere Standardprodukte empfiehlt.


Wir müssen das Erreichte realistisch bewerten: Angesichts der jetzt in Rente gehenden Babyboomer war die Riester-Reform weitsichtig. Sie hat Deutschland in den weltweiten Nachhaltigkeitsindizes im Jahr 2001 wieder nach vorn katapultiert. Das Vertrauen in die Sicherheit der gesetzlichen Rente kam danach erst zurück. Und die Menschen begannen, im großen Stil zusätzlich vorzusorgen. Heute haben 70 Prozent der Arbeitnehmer entweder einen Riester-Vertrag, eine betriebliche Altersversorgung oder beides.

Deutschland wird international beneidet um das, was wir mit einem freiwilligen System erreicht haben. Dabei sind in der oben genannten Zahl noch nicht einmal sonstige Lebens- und Rentenversicherungen, Sparpläne oder Immobilienfinanzierungen enthalten. In den relevanten Altersgruppen sorgen die meisten, die es können, bereits privat oder betrieblich vor. Jetzt, 18 Jahre später, müssen wir die erkannten Schwachstellen angehen. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir gleich alles über den Haufen werfen sollten.

Tatsächlich läuft Riester viel besser als geunkt wird. 16,6 Millionen Verträge gibt es. Die ersten abgelaufenen Policen hatten konservativ gerechnet zwischen drei und vier Prozent Rendite nach Kosten und Steuern. Die Leistungen für den Bezieher einer Durchschnittsrente der jetzt ablaufenden Vertragsgenerationen liegen in etwa auf dem Niveau, wie es im Rentenversicherungsbericht 2004 prognostiziert wurde – trotz Niedrigzinskrise. Und etwa 110 Milliarden Euro sind bereits auf Riester-Verträge angespart.

Wir sind bereit für einen Neustart in der privaten Altersvorsorge – nun kommt es darauf an, dass die Politik den notwendigen Reformprozess zügig und konsequent angeht, denn Riester ist es wert, weiterentwickelt zu werden: von der Politik – und von uns Versicherern.


Illustration: Jacqueline Urban

Auch inter­essant