Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in Ban­gla­desch

Sich gegen die Wechselfälle des Lebens versichern, ist in dem asiatischen Land ungewöhnlich. Das ändert sich jetzt: Durch mobil abschließbare Mikroversicherungen.

Gesundheit

Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt, ein Drittel der rund 160 Millionen Bürger lebt von weniger als 2 Dollar am Tag. Die Abwesenheit einer staatlichen Versicherung macht Krankheit zu einem erheblichen Risiko. 63 Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen bezahlen die Menschen aus eigener Tasche. Während Angestellte oft über ihren Arbeitgeber krankenversichert sind, stellen Gesundheitskosten vor allem für Menschen im unorganisierten Sektor und auf dem Land ein großes Problem dar. Etwa sechs Millionen geraten jährlich in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie ihre Arzt- und Krankenhausrechnungen nicht bezahlen können. Viele gehen erst gar nicht zum Arzt. Die Regierung arbeitet mit internationaler Unterstützung am Aufbau eines flächendeckenden Systems: Bis 2032 sollen alle Bürger eine Krankenversicherung haben.

Lebensversicherungen  

Mikroversicherungen sind in armen Ländern für viele die einzige Möglichkeit, in den Genuss von Versicherungsleistungen zu kommen. Seit auch in Bangladesch praktisch jeder Bürger über ein Mobiltelefon verfügt, sind mobile Mikroversicherungen ein wachsender Markt. Dabei handelt es sich meist um Lebensversicherungen. Das Geschäftsmodell ist einfach: Es belohnt loyale Kunden eines Mobilfunkanbieters. Wer regelmäßig monatlich für einen geringen Betrag (etwa 3 Euro) telefoniert, kann eine Leistung von bis zu 600 Euro ansparen.

Arbeitsunfälle

Seit dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik in Dhaka 2013, bei dem mehr als 1.000 Arbeiterinnen und Arbeiter starben, weiß die Welt, wie gefährlich es ist, hier in der Textilindustrie zu arbeiten. Die Branche beschäftigt rund 3,8 Millionen Menschen, das macht Bangladesch nach China zum zweitgrößten Textilhersteller weltweit. Zwar wurden nach dem Einsturz die Arbeitsgesetze überarbeitet, aber nach wie vor können Arbeiter ihre Ansprüche auf Schadenersatz gegenüber Unternehmen kaum durchsetzen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) helfen Bangladesch derzeit beim Aufbau eines gesetzlichen Unfallschutzprogramms und einer entsprechenden Agentur in Form einer Körperschaft öffentlichen Rechts.

Klimawandel

Bangladesch ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder der Welt. Gründe hierfür sind die geografische Lage, die Bevölkerungsdichte, ein hohes Armutsniveau und die starke wirtschaftliche Abhängigkeit von Landwirtschaft und Fischerei. Auch Unternehmen sind betroffen, etwa durch Schäden an Gebäuden und Maschinen durch jährliche Hochwasser. Ernte- und Hochwasserversicherungen können davor schützen. Deshalb gibt es intensive Bemühungen, den Bereich von Mikroversicherungen, basierend auf Wetter-Indizes, auszubauen, um auch Kleinbauern und kleine Betriebe abzusichern.

Text: Britta Petersen

Auch inter­essant